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Steuerfalle Rente: Fast jeder zweite Rentner muss Geld nachzahlen

Nebenjob, Vermietung oder Selbstständigkeit: Zusatzeinkünfte können für Rentner zur Steuerfalle werden. Viele müssen nach der Steuererklärung Geld nachzahlen.

Author - Mariella Mandurino
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Wer den Steuerfreibetrag überschreitet, muss eine Steuererklärung einreichen. Die kann für Rentner zur Geldfalle werden.
Wer den Steuerfreibetrag überschreitet, muss eine Steuererklärung einreichen. Die kann für Rentner zur Geldfalle werden.Gulliver20/Imago

Die Rente ist gesichert und der Gedanke mit einer Steuererklärung ein paar Euro mehr dazuzubekommen, ist verlockend. Doch genau das kann für Rentner zur Steuerfalle werden. Ein Nebenjob, Mieteinnahmen oder eine selbstständige Tätigkeit können die magere Rente aufbessern, sie können aber auch teuer werden. Denn wer noch weitere Einkünfte hat, muss oft mit einer unangenehmen Überraschung rechnen. Mehr als vier von zehn ausgewerteten Rentnern mussten nach ihrer Steuererklärung Geld an das Finanzamt nachzahlen.

Minijob, Selbstständigkeit oder Vermietung: Das kann hohe Nachzahlungen verursachen

Eine Auswertung des Steuererklärungsanbieters Smartsteuer zeigt: 48,5 Prozent der ausgewerteten Senioren erzielten neben ihrer gesetzlichen Rente weitere Einkünfte. Dazu gehörten unter anderem Einnahmen aus einem Arbeitsverhältnis, aus Vermietung oder aus einer gewerblichen beziehungsweise selbstständigen Tätigkeit.

Eigentlich sollen Senioren es im Alter leichter haben, doch stattdessen haben viele Geldsorgen.
Eigentlich sollen Senioren es im Alter leichter haben, doch stattdessen haben viele Geldsorgen.Arne Dedert/dpa

Warum genau das schnell teuer werden kann, erklärt Steueranwalt und Smartsteuer-Geschäftsführer Stefan Heine gegenüber der Funke Mediengruppe: „Auf die gesetzliche Rente führt niemand vorab Steuern ab – anders als beim Arbeitslohn, wo die Lohnsteuer direkt vom Gehalt einbehalten wird. Die volle Steuerlast wird erst mit dem Bescheid fällig.“

Die Folgen zeigen sich: 41 Prozent der Rentner mussten Steuern nachzahlen und nicht gerade wenig. Im Durchschnitt wurden 1326 Euro fällig. Dabei liegt laut VermögensZentrum die Durchschnittsrente (vor Steuern und Abgaben) bei 1.913,40 Euro. Mit der Nachzahlung ist also fast der gesamte Nettobetrag eines Monats dahin. Immerhin: Rund die Hälfte der Rentner mussten nach der Steuererklärung maximal 499 Euro nachzahlen. Gleichzeitig konnten sich 45 Prozent über eine Steuererstattung freuen. Bei fast einem Viertel der Rentner glich sich alles aus, sie mussten weder Geld nachzahlen noch erhielten sie eine Erstattung.

Nach Einschätzung von Stefan Heine dürfte die Zahl der steuerpflichtigen Rentner in den kommenden Jahren weiter steigen. Der Grund: Mit jeder Erhöhung wächst auch der steuerpflichtige Anteil der Rente, während der einmal festgelegte Rentenfreibetrag unverändert bleibt. Dadurch überschreiten immer mehr Senioren den Grundfreibetrag und werden überhaupt erst steuerpflichtig.

Steuerfreier Rentenanteil schrumpft jedes Jahr

Für Neurentner des Jahres 2026 sind bereits 84 Prozent der gesetzlichen Rente steuerpflichtig. Dieser Freibetrag schrumpft für jeden neuen Jahrgang um weitere 0,5 Prozentpunkte. Erst mit dem Renteneintritt im Jahr 2058 wird die gesetzliche Rente vollständig besteuert. Bereits laufende Renten bleiben davon unberührt.

Zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind Rentner immer dann, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt.
Zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind Rentner immer dann, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt.Benjamin Nolte/dpa

Kritik kommt deshalb vom Bund der Steuerzahler. Der Verband fordert eine Reform der Rentenbesteuerung. Die Steuerpflicht dürfe nicht allein dadurch entstehen, dass Rentenerhöhungen die Inflation ausgleichen. Nach Ansicht des Bundes der Steuerzahler sollten diese Erhöhungen deshalb nicht vollständig steuerpflichtig werden.

Auch regional zeigen sich Unterschiede. Die höchsten durchschnittlichen Steuererstattungen erhielten die von Smartsteuer ausgewerteten Rentner in Hamburg mit 1733 Euro, gefolgt von Baden-Württemberg (1561 Euro) und Hessen (1543 Euro). Bei den durchschnittlichen Nachzahlungen lag ebenfalls Hamburg vorn: Dort wurden im Schnitt 1772 Euro fällig. Es folgten Bremen (1655 Euro) und Rheinland-Pfalz (1527 Euro).

Mussten Sie als Rentner schon einmal Steuern nachzahlen? Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com