Viele Menschen in Deutschland fürchten sich vor der Armut im Alter. Und das ist kein Wunder: Wer einen Rentenbescheid bekommt und einen Blick darauf wirft, ist in vielen Fällen enttäuscht. So wenig Rente nach einem ganzen Leben Arbeit? Das fühlt sich für die meisten Arbeitnehmer sehr ungerecht an – vor allem dann, wenn sie in schweren Berufen richtig hart geschuftet haben. Sich für das Alter nicht abgesichert zu fühlen trotz schwerer Arbeit: Eine Beispielrechnung zeigt, warum das so viele Menschen betrifft und warum die Rente bei vielen so niedrig ausfällt.
Rentnerin bekommt 1500 Euro nach 43 Jahren Arbeit
Das Finanzportal „Gegen Hartz“ berichtet über einen Fall, der wie so viele andere für die Enttäuschungen im deutschen Rentensystem steht. Im Fokus steht eine Frau namens Gerda, die 62 Jahre alt ist und 43 Jahre lang Vollzeit gearbeitet hat. Sie ist früh ins Berufsleben eingestiegen, hat ohne lange Pausen durchgeackert, hat immer pünktlich in die Rentenversicherung eingezahlt und erhält trotzdem nur eine Rente von 1500 Euro im Monat. Den Grund zeigt eine einfache Rechnung.
Denn laut dem Portal ist nicht nur die Zahl der Arbeitsjahre entscheidend. Es geht bei der Berechnung der Rente vor allem um die sogenannten Entgeltpunkte – und wie hoch diese ausfallen, richtet sich nach dem Verdienst des Arbeitnehmers. Entgeltpunkte – umgangssprachlich auch Rentenpunkte genannt – sind damit die wichtigste Rechengröße in der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie bestimmen, wie hoch die spätere Altersrente ausfällt. Denn wer während seines Berufslebens mehr verdient und entsprechend höhere Rentenbeiträge zahlt, sammelt mehr Entgeltpunkte.

Entscheidend ist dafür, wie viel Geld ein Arbeitnehmer verdient – und zwar im Vergleich zum Durchschnitt aller Arbeitnehmer, die in die Rentenkasse einzahlen. Wer den Durchschnittsverdienst erreicht, bekommt für jedes gearbeitete Jahr einen Rentenpunkt. Liegt ein Arbeitnehmer allerdings darunter, gibt es entsprechend weniger Rentenpunkte für das jeweilige Jahr – und wer mehr verdient, hat bis zur Beitragsbemessungsgrenze Chancen auf mehr Rentenpunkte.
Jeder Rentenbezieher wird mit anderen verglichen
Praktisch heißt das: Jedes Jahr wird das persönliche Bruttoeinkommen mit dem Durchschnittseinkommen aller Versicherten verglichen. Daran orientiert sich dann die Höhe der Rentenpunkte, die es für dieses Jahr gibt. Ganz praktisch: Für 2026 liegt das Durchschnittsentgelt bei 51.944 Euro. Wer diesen Betrag im Jahr verdient, erhält also genau einen Entgeltpunkt für die spätere Rente. Bei einem Einkommen von 25.972 Euro werden 0,5 Punkte gutgeschrieben, weil es die Hälfte ist.
Der Rentenwert pro Entgeltpunkt liegt ab Juli 2026 bei 42,52 Euro. Am Ende bestimmt damit die Anzahl der Entgeltpunkte die Höhe der Rente. Jemand, der weniger Rente bekommt, hat also nicht automatisch weniger gearbeitet – das ist ein Trugschluss.

Der Rentenversicherung geht es um nackte Zahlen
Möglich ist, dass trotz schwerer Arbeit der Verdienst unter dem Durchschnitt der Versicherten lag und es deshalb nicht für die benötigte Anzahl an Rentenpunkten gereicht hat.
So geht es leider vielen Arbeitnehmern in Deutschland – sie bekommen wie Rentnerin Gerda im Beitrag von „Gegen Hartz“ trotz eines langen Arbeitslebens nur eine niedrige Rente. Die Rechnung zeigt: Bei der Rentenversicherung geht es um nackte Zahlen – hier wird die Höhe der Beitragszahlungen berücksichtigt, nicht aber, wie schwer ein Arbeitnehmer im Laufe seines Lebens gearbeitet hat.


