Mutmaßlicher Täter ist tot

Jetzt spricht der Vater des CSD-Terroristen! Neue Details aus Abdul Ballouts Umfeld

Nach der tödlichen CSD-Attacke in Berlin spricht der Vater des mutmaßlichen Attentäters erstmals über dessen Radikalisierung, das letzte Telefonat und die Familie.

Author - Mariella Mandurino
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Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout wurde am Sonntag in einer Kleingartenanlage in Spandau von den Beamten eines SEK erschossen.
Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout wurde am Sonntag in einer Kleingartenanlage in Spandau von den Beamten eines SEK erschossen.John MacDougall/AFP, Polizei

Nach der tödlichen Attacke am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin kommen immer mehr Details über den mutmaßlichen Täter ans Licht. Abdul Ballout (21) soll am Samstagabend einen Transporter in eine Menschenmenge gelenkt haben. Eine Frau kam ums Leben, zahlreiche weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Als Spezialkräfte den Terrorverdächtigen am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau festnehmen wollten, fielen Schüsse. Abdul Ballout starb noch am Einsatzort. Jetzt spricht sein Vater über die Horror-Tat seines Sohnes.

Abduls Vater sei zunehmend beunruhigt über das Verhalten seines Sohnes gewesen

Tawfik Ballout schildert einen jungen Mann, dessen Entwicklung ihn nach eigenen Angaben zunehmend beunruhigte. Im Gespräch mit dem Spiegel berichtet Tawfik Ballout, sein Sohn habe gemeinsam mit seiner Mutter und zwei Schwestern in Berlin gelebt. Nach der zehnten Klasse habe Abdul Ballout verschiedene Jobs angenommen, „zum Beispiel als Sicherheitsmitarbeiter oder als Fahrer“. Eine feste Arbeitsstelle habe er jedoch nie gehabt. Stattdessen habe er viel Zeit am Handy oder vor dem Fernseher verbracht und oft bis in den Nachmittag hinein geschlafen.

Polizisten kontrollieren am Sonntag an Grenzübergangen die Fahrzeuge. Es wurde nach dem Tatverdächtigen für den mutmaßlichen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) bundesweit gefahndet.
Polizisten kontrollieren am Sonntag an Grenzübergangen die Fahrzeuge. Es wurde nach dem Tatverdächtigen für den mutmaßlichen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) bundesweit gefahndet.Bernd März/extremwetter.tv/dpa

Nach Angaben der Ermittler soll sich Abdul Ballout in den vergangenen Jahren radikalisiert haben. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft erklärte, der 21-Jährige habe im vergangenen Jahr mehrfach versucht, sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Demnach reiste er im Mai 2025 in den Libanon, um von dort weiter nach Syrien zu der Terrormiliz zu gelangen. Der Versuch scheiterte. Ein Militärgericht im Libanon verurteilte Abdul Ballout wegen „Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten“ zu einer dreimonatigen Haftstrafe. Nach deren Verbüßung kehrte der mutmaßliche CSD-Attentäter am 17. November nach Deutschland zurück.

Direkt nach seiner Ankunft am BER nahmen ihn die Behörden fest und brachten ihn in Untersuchungshaft.Er kam zunächst in Untersuchungshaft und wurde später in Berlin zu einer Jugendstrafe verurteilt. „Wir sind Schiiten. Wir unterstützen den Islamischen Staat (IS) nicht“, so Tawfik Ballout Seine Töchter trügen zwar ein Kopftuch, die Familie sei aber „nicht extrem religiös“. Er selbst habe seinem Sohn sogar untersagt, sich einen langen Bart wachsen zu lassen, weil er dies als mögliches Zeichen einer Radikalisierung angesehen habe. Gleichzeitig betont der Vater, seine Familie unterstütze den IS nicht.

Dem Spiegel sagte der Vater außerdem, er habe seinen Sohn vor einiger Zeit direkt gefragt, was dieser vom IS halte. Sein Sohn habe ihm damals geantwortet, er halte die Terrororganisation für „schlecht“. Dennoch habe es zwischen Vater und Sohn immer wieder Diskussionen über dessen Bart und sein äußeres Erscheinungsbild gegeben.

Der Vater war nicht in Berlin, als die Tat geschah

Besonders belastend sei für die Familie die Nachricht von der Tat gewesen. Nach Angaben des Vaters hätten die Schwestern seit Samstag ununterbrochen geweint. Auch die Mutter leide schwer unter den Ereignissen. Tawfik Ballout habe nach eigenen Worten seit Bekanntwerden der Tat weder geschlafen noch etwas gegessen.

Mit diesem weißen Transporter raste der mutmaßliche Täter Abdul Ballout in die Menschenmenge.
Mit diesem weißen Transporter raste der mutmaßliche Täter Abdul Ballout in die Menschenmenge.Sebastian Gollnow/dpa

Aktuelle befinde sich der Vater im Libanon. Noch am Samstag habe er mit seinem Sohn telefoniert. Das Gespräch sei völlig normal verlaufen. Sein Sohn habe ihm gesagt, dass er ihn vermisse und sich wünsche, gemeinsam mit der Familie im Libanon zu sein. Warum sein Sohn später dennoch die mutmaßliche Anschlagstat begangen haben soll, könne er sich nicht erklären. Als einzige mögliche Erklärung nennt der Vater eine Radikalisierung. Wörtlich sagte er, sein Sohn sei „einer Gehirnwäsche unterzogen“ worden.

Seit dem Telefonat habe er nach eigenen Angaben mehrfach versucht, seinen Sohn zu erreichen. Die Nachrichten seien jedoch nicht mehr zugestellt worden. Wenig später soll der mutmaßliche Täter den angemieteten Transporter in die Menschenmenge am Berliner Tiergarten gelenkt haben.

Seit Samstagabend wurde nach dem Täter gefahndet. Am Sonntagabend gelang der Polizei schließlich der Zugriff auf den mutmaßlichen Attentäter Abdul Ballout Der Verdächtige versteckte sich in einer Gartenkolonie in Spandau. Der Garten soll seinem Vater gehört haben. Hinweise lenkten die Polizei zu der Fundstelle.

Die Laube wurde umstellt, Abdul Ballout soll die Einsatzkräfte mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Die Polizei eröffnete das Feuer und erschoss den mutmaßlichen Täter. Abdul Ballout starb noch am Abend in der Gartenkolonie.

Was denken Sie: Reichen die bisherigen Maßnahmen gegen islamistischen Terror aus? Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com