2600 Euro Rente im Monat – davon können viele Deutsche nur träumen. Doch ein angestellter Lehrer aus Nordrhein-Westfalen ist damit alles andere als zufrieden. Der Grund: Seine verbeamteten Kollegen, die in derselben Schule dieselbe Arbeit machen, bekommen im Ruhestand mehrere hundert Euro mehr.
Warum ein Lehrer unzufrieden mit seiner Rente ist
Im Gespräch mit dem Magazin Stern sagt der 65-Jährige, die Summe sei „grundsätzlich in Ordnung“, der Abstand zu den Pensionen seiner Kollegen störe ihn jedoch dennoch, das sei „ungerecht“.
Der Mann rechnet nach eigenen Angaben mit etwa 2200 Euro gesetzlicher Rente und weiteren 400 Euro aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes. Zusammen ergibt das die besagten 2600 Euro brutto. Klingt ordentlich, doch ein verbeamteter Kollege mit ähnlicher Tätigkeit und langer Dienstzeit kommt auf rund 3300 Euro brutto. Das sind 700 Euro mehr im Monat, für die gleiche Arbeit vor der Tafel.

Wie kann das sein? Sein Fall steht stellvertretend für einen Konflikt, der an deutschen Schulen seit Jahren schwelt. Angestellte und verbeamtete Lehrer unterrichten dieselben Klassen, tragen vergleichbare Verantwortung, arbeiten ähnlich viel – doch ihre Altersversorgung wird nach völlig verschiedenen Regeln berechnet.
Zwei Systeme sorgen für eine Kluft von fast 900 Euro
Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigt eine Modellrechnung, über die unter anderem der Sozialverband VdK berichtet hatte. Darin wurden eine angestellte und eine verbeamtete Lehrkraft nach jeweils 42 Berufsjahren verglichen. Das Ergebnis: Die angestellte Lehrkraft kam auf 2311 Euro netto, die verbeamtete auf 3214 Euro netto. Die Differenz: rund 900 Euro monatlich.
Der entscheidende Unterschied liegt im System. Angestellte Lehrer zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein und sammeln über ihr gesamtes Berufsleben Entgeltpunkte. Seit dem 1. Juli 2026 ist ein Punkt 42,52 Euro wert. Für eine Rente von 2200 Euro braucht man knapp 52 Punkte – das schafft nur, wer jahrzehntelang überdurchschnittlich verdient. Zusätzlich erhalten Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst oft eine Betriebsrente über die VBL, die den Abstand zur Pension verringern soll. Vollständig schließen kann sie die Lücke aber nicht.
Verbeamtete Lehrer hingegen zahlen gar nichts in die Rentenkasse ein. Ihr Dienstherr zahlt ihnen im Ruhestand ein Ruhegehalt aus Steuermitteln. Pro Dienstjahr entstehen 1,79375 Prozent der letzten Dienstbezüge als Pensionsanspruch – nach 40 Jahren erreichen Beamte den Höchstsatz von 71,75 Prozent.
Auch nach Abzügen bleibt die Pension höher
Dass Bruttopensionen höher ausfallen als Bruttorenten, heißt aber nicht automatisch, dass der Unterschied netto genauso groß ist. Sowohl Renten als auch Pensionen sind steuerpflichtig. Wer 2026 erstmals Rente bezieht, muss 84 Prozent davon versteuern. Pensionäre profitieren von besonderen Versorgungsfreibeträgen.
Hinzu kommt: Rentner zahlen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge direkt von ihrer Rente. Beamte erhalten Beihilfe vom Dienstherrn und versichern sich privat – je nach Tarif können die Kosten niedriger ausfallen.

Durchschnittswerte bestätigen das Gefälle: Pensionäre des öffentlichen Dienstes erhielten im Januar 2025 laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 3416 Euro brutto. Bei Lehrkräften ist der Vergleich besonders bitter, weil angestellte und verbeamtete Kollegen direkt nebeneinander arbeiten.


