Seit dem 1. Juli profitieren mehr als 20 Millionen Rentner von einer Rentenerhöhung. Es gibt 4,24 Prozent mehr. Eine gute Nachricht für all diejenigen, die schon Rente beziehen. Doch was ist mit denen, die es erst werden? Die Bundesregierung will das Renteneintrittsalter in Zukunft auf 70 Jahre hochsetzen, die „Rente mit 63“ abschaffen. Da fragen sich viele, vor allen Dingen die, die körperlich hart arbeiten müssen: Wie lange halte ich durch, wie lange bekomme ich eigentlich Rente? Aktuelle Zahlen geben darüber Aufschluss.
So lange bekommen Deutsche im Schnitt Rente
Deutschland führt über alles Statistiken. Auch über die Zeit zwischen Rentenbeginn und Tod des Rentners. Diese Zeitspanne ist die sogenannte Rentenbezugsdauer. Seit 1973 ging die Kurve steil nach oben, wie der Stern berichtet. Die Deutschen sind gesünder geworden, leben länger.
Bezogen Frauen 1973 noch 13,4 Jahre eine Rente, sind es heute schon 22,1 Jahre. Bei den Männern verlängerte sich die Spanne von 10,6 auf 18,8 Jahre. Laut Deutscher Rentenversicherung ist die Entwicklung vor allem auf die längere Lebenserwartung zurückzuführen.
In den vergangenen Jahren stockte die Entwicklung aber. Das liegt natürlich auch an der erhöhten Sterblichkeit Älterer während der Corona-Pandemie, aber auch daran, dass das Renteneintrittsalter immer weiter nach oben geschraubt wird.
Lag der durchschnittliche Rentenbeginn 1997 laut Deutscher Rentenversicherung noch bei 62,1 Jahren, sind wir jetzt schon bei 64,4 Jahren angekommen. Tendenz: weiter steigend.
Die Folge: Von 2013 bis 2023 verlangsamte sich der Anstieg der Rentenbezugsdauer bei den Frauen von 21,5 auf 22,1 Jahre, bei den Männern von 17,0 auf 18,8 Jahre. Bei den Frauen sank die Zahl zuletzt sogar um 0,1 Jahre, bei den Männern stagnierte sie.
Boomer profitieren besonders vom heutigen System
Vorteile haben Menschen, die demnächst Rentner werden. Sie sind gesünder als die Generationen davor, können aber noch früher in Rente gehen als später Geborene. Wieder mal ein Vorteil für die Boomer-Generation. Für die in den 60er-Jahren geborenen Bald-Rentner dürfte die Rentenbezugsdauer besonders lang ausfallen.
Der gesetzliche Rentenbeginn soll zwar nur langsam steigen, aber die ersten Generationen, bei denen der Ruhestand erst mit 70 Jahren kommen soll, sind schon geboren. Laut dem vorgeschlagenen Modell der Bundesregierung könnte die Regelaltersgrenze erstmals im Jahr 2091 die 70 Jahre erreichen. Damit wäre der Geburtsjahrgang 2021 der erste, der regulär bis zum 70. Geburtstag arbeiten müsste.

Klar ist, dass das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben ist. Ab 2032 aber sollen die Renten langsamer als die Löhne wachsen, der sogenannte „Nachhaltigkeitsfaktor“ greift wieder. Damit dürften Rentenerhöhungen niedriger als bisher ausfallen. In diesem Jahr wurden die Renten zum 1. Juli um 4,24 Prozent erhöht. Der neue Rentenwert, der sich in Euro je Entgeltpunkt bemisst, stieg damit von 40,79 Euro auf 42,52 Euro.
Rentenerhöhung 2025: So viel bleibt netto übrig
Wer bislang 500 Euro Bruttorente bekam, erhält nun 21,20 Euro mehr. Bei einer Monatsrente von 1000 Euro stieg der Betrag um 42,40 Euro, bei 1500 Euro um 63,60 Euro. Wer bisher 2000 Euro Rente bezog, bekommt brutto 84,80 Euro zusätzlich.
Klingt besser, als es wirklich ist. Denn von der Rentenerhöhung gehen Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung ab. Den Krankenversicherungsbeitrag (14,7 Prozent) sowie den Zusatzbeitrag (im Schnitt 2,9 Prozent) teilen sich Rentner und die Deutsche Rentenversicherung jeweils zur Hälfte. Die Beiträge zur Pflegeversicherung müssen Ruheständler allein tragen. Für Kinderlose beträgt der Satz 4,2 Prozent, für Rentner mit Kindern 3,6 Prozent.




