Verlierer der Rentenreform

Rente mit 70? Dabei gibt es kaum noch Bauarbeiter, die älter als 63 Jahre alt sind

Die Regierung diskutiert die Rente mit 70. Doch neue Zahlen zeigen: Auf dem Bau arbeiten nur wenige Beschäftigte länger als bis 63.

Author - Stefan Henseke
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Auf dem Bau gibt es in Deutschland kaum noch Bauarbeiter, die älter als 63 Jahre alt sind. Sie wären dann Verlierer der Rentenreform.
Auf dem Bau gibt es in Deutschland kaum noch Bauarbeiter, die älter als 63 Jahre alt sind. Sie wären dann Verlierer der Rentenreform.Jens Büttner/dpa

Die Bundesregierung will die sogenannte „Rente mit 63“ abschaffen, das Renteneintrittsalter Schritt für Schritt Richtung 70 Jahre anheben. Doch Gewerkschaften schlagen Alarm: Viele, die körperlich hart arbeiten müssen, seien gar nicht in der Lage, noch länger am Arbeitsplatz durchzuhalten. Besonders krass die Zahlen aus der Baubranche: Hier sind bundesweit Bauarbeiter, die älter als 63 Jahre alt sind, eine Rarität.

Gesundheitsprobleme: Kaum ein Bauarbeiter hält bis 63 durch

Mit den neu veröffentlichten Zahlen macht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Stimmung gegen die Regierungspläne. Sie gleichen sich überall. Berlin: Von 36.700 Bauarbeitern sind nur 1470 älter als 63 Jahre. Leipzig: Auf 5610 Bauarbeiter kommen nur 230 Becshäftigte über 63. Kreis Meißen: 170 von 3290. Kreis Oder-Spree: 120 von 2420. Märkischer Kreis: 210 von 3640.

„Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Jörg Oehmigen, der Vorsitzende IG Bau Leipzig-Dessau. Eine Rente mit 70 ist für ihn nicht vorstellbar. „Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, fügt Thomas Hentschel von der IG Bau Berlin hinzu. „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance.“

Gewerkschaften fordern eine Flexi-Rente

Was in den Plänen der Bundesregierung fehle, sei eine Flexi-Rente, sagen die Gewerkschafter. Ein vernünftiger Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand für alle Branchen, in denen Beschäftigte gesundheitlich gar nicht so lange durchhalten können. Eine faire Rente müsse unbedingt dem Härtegrad der Arbeit angepasst werden.

Über die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente gibt es noch Streit zwischen den Regierungsparteien. Der CDU-Politiker Pascal Reddig fordert ein schnelles Aus. „Eine Übergangsfrist von fünf Jahren wäre zu lang“, sagt das Mitglied der Rentenkommission. Teile der SPD sehen das anders: „Die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren Arbeit sollte aus meiner Sicht möglich bleiben“, sagt etwa die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey.

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