Goldener Windbeutel 2026

100 Euro pro Liter: Verbraucher wählen Saft „Fit fürs Leben“ von LaVita zur Werbelüge des Jahres

Mehr als 66.000 Verbraucher stimmten für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ von Foodwatch ab. Hersteller reagiert.

Author - Stefan Henseke
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66.000 Verbraucher haben abgestimmt: Der Saft „Fit fürs Leben“ wurde von Foodwatch zur dreistesten Werbelüge gekürt.
66.000 Verbraucher haben abgestimmt: Der Saft „Fit fürs Leben“ wurde von Foodwatch zur dreistesten Werbelüge gekürt.Foodwatch

Die tägliche Abzocke im Supermarkt. Da gibt es viele überteuerte Produkte, die mehr versprechen, als sie einhalten. Seit 2009 kürt Foodwatch deshalb die dreisteste Werbelüge. In diesem Jahr „gewinnt“ der Saft „Fit fürs Leben“ von Lavita den Goldenen Windbeutel – 66.000 Verbraucher haben abgestimmt.

Superteurer Saft von LaVita ist die „dreisteste Werbelüge“

Teure Gesundheitsversprechen, fragwürdige Werbung und ein stolzer Preis: Das Nahrungsergänzungsmittel LaVita ist von der Verbraucherorganisation Foodwatch zur „dreistesten Werbelüge“ des Jahres gekürt worden.

Bei der Online-Abstimmung für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ erhielt das sogenannte Mikronährstoffkonzentrat 39 Prozent der Stimmen. Mehr als 66.000 Menschen beteiligten sich an der Umfrage, wie Foodwatch am Dienstag mitteilte.

Nach Angaben der Verbraucherorganisation besteht das Produkt zu einem Großteil aus gewöhnlichem Fruchtsaftkonzentrat mit zugesetzten Vitaminen und Nährstoffen – verkauft wird es dennoch zu einem Preis von umgerechnet rund 100 Euro pro Liter.

LaVita kassiere Verbraucher mit dem Wunsch nach Gesundheit kräftig ab, erklärt Foodwatch-Expertin Alina Nitsche. „Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen.“

„Fit fürs Leben“ besteht zu 70 % aus Fruchtsaftkonzentrat

Der Hersteller bewarb sein Produkt unter anderem als „Saubertrank“, der „Fit fürs Leben“ mache. Laut Foodwatch besteht das Getränk jedoch zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat sowie aus zugesetzten Vitaminen und Nährstoffen – „teilweise überdosiert“, wie die Organisation ergänzt. Für Foodwatch ist LaVita deshalb ein Beispiel für die Gesundheits-Abzocke auf dem Lebensmittelmarkt.

LaVita hat schon auf die Abstimmung reagiert: Die Werbung mit dem Begriff „Saubertrank“ wurde mittlerweile gestoppt. LaVita erklärt zudem, dass nicht alle Zutaten „restlos“ zu 100 Prozent natürlich sind.

Auch aus medizinischer Sicht gibt es Kritik. Prof. Dr. Diana Rubin, Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin und Diabetologie am Vivantes Humboldt Klinikum, hält die Werbeaussagen für problematisch.

Sie suggerierten, LaVita sei die natürliche Rundum-Formel für ein gesundes und fittes Leben. „Die tägliche Basis der Gesundheit ist aber eine ausgewogene Ernährung. Wenn man einen Nährstoffmangel vermutet, sollte man zunächst ärztlichen Rat einholen, statt zu hochdosierten und teuren Mitteln wie LaVita zu greifen“, so Rubin.

„Airfryer Backin Backpulver“: Doppelt so teuer

Auf Platz zwei des Negativrankings landete mit 21,9 Prozent der Stimmen das „Airfryer Backin Backpulver“ von Dr. Oetker. Nach Angaben von Foodwatch unterscheidet sich das als Innovation für die Heißluftfritteuse beworbene Produkt nicht vom deutlich günstigeren Standard-Backpulver – kostet aber mindestens doppelt so viel.

Das Airfryer-Backpulver von Dr. Oetker landete auf Platz 2 der Ärger-Liste.
Das Airfryer-Backpulver von Dr. Oetker landete auf Platz 2 der Ärger-Liste.Foodwatch

Den dritten Platz belegte mit 20,8 Prozent der Stimmen der Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur. Der namensgebende Matcha-Anteil liegt laut Foodwatch bei lediglich 0,1 Prozent. Die grünliche Farbe des Joghurts werde zudem auch durch das Algenpulver Spirulina erzeugt.

Mit dem „Goldenen Windbeutel“ macht Foodwatch seit 2009 jedes Jahr auf aus Sicht der Organisation besonders irreführende Werbeversprechen im Lebensmittelbereich aufmerksam.

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