Es gibt Begriffe, die einfach jeder kennt und regelmäßig benutzt. Und doch gibt es darum riesige Streitereien! Sie wollen ein Beispiel hören? Hier kommt es: Serviette. Die Papiertücher, mit denen man sich den Mund abputzt, hat jeder schon mal benutzt und jeder schon mal benannt. Aber: Wie sprechen Sie das Wort aus? Sagen Sie „Serwjette“ – oder nennen Sie das Papiertuch doch „Servierte“?
Wie spricht man Serviette richtig aus?
Es ist unglaublich, aber wahr: An einem so einfachen Begriff wie Serviette scheiden sich die Geister. Wie spricht man Serviette richtig aus? Dazu gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Für die einen wird bei dem Tüchlein, das bei keinem guten Essen fehlen sollte, das „e“ in der Mitte des Wortes betont, das i wird zum j – es entsteht die Serwjette. Andere bauen still und heimlich ein kleines „r“ in den Begriff ein, sodass es am Ende klingt wie „Servierte“. Das passt, schließlich wird die Serviette beim Servieren benutzt, oder?
Ganz so einfach ist es nicht. Denn für die Aussprache des Wortes Serviette gibt es eine ganz klare Regel: Das Wort wird mit Betonung auf den letzten beiden Silben gesprochen, das „ette“ wird also hervorgehoben, das ett am Anfang besonders betont. Wer ein zusätzliches, kleines „r“ in das Wort einbaut und damit eher das „vier“ in der Mitte betont, macht es verkehrt.
Woher kommt der Begriff Serviette?
Denn tatsächlich hat der Begriff nur am Rand etwas mit dem Servieren zu tun. Stattdessen stammt der Begriff für das Tuch zum Abputzen des Mundes aus dem Französischen – dort bedeutete es ursprünglich „die kleine Dienerin“ und sich vom Wort „servus“ (Diener, Sklave) ableitete. Der Grund: Servietten wurden früher vor allem zum Abwischen von Tellern genutzt oder auf die Kleidung gelegt, um sie vor Flecken beim Auftischen der Speisen zu schützen.

Nur: Warum wird es so unterschiedlich ausgesprochen, warum sagen viele Menschen „Serviette“ und andere „Servierte“? Der Grund ist vermutlich regional bedingt. Auch ein Nutzer auf Reddit setzte sich schon mit der Frage auseinander. „Ich höre immer wieder, dass Leute ,Serviette‘ genauso wie ,servierte‘ mit überdeutlichem r aussprechen“, schrieb er in einem Post. „Das macht für mich einfach keinen Sinn.“
So spricht man das Wort Serviette richtig aus
Stattdessen müsse man das zweite „e“ betonen und das i eher wie ein j aussprechen. „Allerdings höre ich das nur selten bei anderen. Kann es also sein, dass es einfach nur so ähnlich klingt, weswegen sich die Aussprache mit r umgangssprachlich durchgesetzt hat? Trotzdem klingt es für mich immer so falsch.“ Aus der simplen Frage entstand eine lebhafte Diskussion. „Wenn ich nicht darauf achte, deutlich zu sprechen, klingt Serviette bei mir wie servierte mit kurzem i“, beichtete etwa ein Nutzer.

Ein Nutzer erklärt den Unterschied in der Aussprache mit regionalen Gründen. „Ja, servierte und Serviette sind z.B. im Ruhrgebiet bei vielen Sprechern identisch, allerdings in beiden Fällen nie mit postvokalischem r sondern immer vokalisiert. Ich spreche beide Wörter ebenfalls gleich aus.“
Frau dachte, die Serviette heißt „Serverte“
Ein anderer: „Ich spreche das auch so. Mutter kam ursprünglich aus dem Pott, Vater rheinisch. Großeltern Bergisch und Westfälisch. Glaube, die haben das alle so gesagt.“ Eine Frau schreibt: „Ich hab als Kind geglaubt, das Ding heißt ,Serverte‘, weil ich das ganz oft so ausgesprochen gehört habe. Komm aber auch ursprünglich aus dem Bayrischen.“
Auch auf dem Dorf kommt die falsche Aussprache scheinbar vor – und setzt sich durch. „Also jetzt wo du es sagst... es kling echt oft wie ,servierte‘“, schreibt ein Nutzer. „Zumindest bei uns im Dorf. Da sagt man auch ,Grateng‘ und ,Parföm‘.“ Und einer stellt fest: „Meine Schwester sagt immer „Servierte“, also so wie die Vergangenheitsform von Servieren. Hasse ich!“ Grund für Streit am Familientisch ist das aber hoffentlich nicht. Denn egal ob Servierte oder Serwjette: Hauptsache, der Mund bleibt sauber!




