Großer Schock

Aus diesem Grund verweigert Ägypten einem Kreuzfahrtschiff das Anlegen

Nach Türkei-Absage ist auch Ägypten dicht: Kreuzfahrtschiff „Scarlet Lady“ muss seine Route erneut ändern, weil es von den Behörden abgewiesen wurde.

Author - Paula Hitzemann
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Dem Luxuskreuzfahrtschiff «Scarlet Lady», bekannt durch seinen Fokus auf queere Passagiere, wurde das Anlegen in Ägypten verweigert.
Dem Luxuskreuzfahrtschiff «Scarlet Lady», bekannt durch seinen Fokus auf queere Passagiere, wurde das Anlegen in Ägypten verweigert.Steve Parsons

Nächster Rückschlag für die „Scarlet Lady“: Erst verweigerte die Türkei dem Kreuzfahrtschiff den geplanten Hafenstopp, jetzt folgt Ägypten. Das Schiff mit überwiegend LGBTQ+-Reisenden durfte auch Alexandria nicht anlaufen. Während die türkischen Behörden ihre Entscheidung mit „moralischen Werten“ begründet hatten, liegt aus Ägypten keine offizielle Begründung vor.

Ägypten verweigert Kreuzfahrtschiff das Anlegen

Für die rund 1.860 Passagiere der sogenannten „Atlantis Gay Cruise“ verläuft die Reise durch das Mittelmeer anders als geplant. Nachdem türkische Behörden bereits den Stopp im Urlaubsort Kuşadası untersagt hatten, fiel nun auch der Ersatzhafen in Ägypten aus.

Warum das Schiff in Alexandria nicht anlegen durfte, wurde von den ägyptischen Behörden bislang nicht begründet.
Warum das Schiff in Alexandria nicht anlegen durfte, wurde von den ägyptischen Behörden bislang nicht begründet.Osman Bakir/Imago

Die Kreuzfahrt wird vom Veranstalter Atlantis Events organisiert und richtet sich vor allem an lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und queere Reisende. Nach Angaben des Unternehmens kam die Ablehnung völlig überraschend.

Wie mehrere Medien berichten, wurde die Kreuzfahrtmarke Virgin Voyages in der Nacht zum Donnerstag darüber informiert, dass die „Scarlet Lady“ nicht in ägyptische Gewässer einfahren dürfe. Eine offizielle Erklärung der Behörden aus Kairo gibt es bislang nicht. Statt in Alexandria an Land zu gehen, musste das Schiff seinen Kurs ändern und in Richtung internationaler Gewässer abdrehen.

Atlantis-Events-Präsident Rich Campbell wandte sich mit einer Nachricht direkt an die Passagiere an Bord. Darin schrieb er: „Da wir im vergangenen Jahr eine ähnliche Route problemlos absolviert haben, kam diese unglückliche Entscheidung für uns völlig überraschend.“ Die Veranstalter mussten daraufhin erneut umplanen. Aus dem geplanten Aufenthalt in Alexandria wurde ein zusätzlicher Tag auf See.

Auch die Türkei verhinderte die Einfahrt

Bereits kurz vor Beginn der Reise war die ursprüngliche Route geändert worden. Die türkischen Behörden hatten dem Schiff die Einfahrt in den Hafen von Kuşadası verweigert. Dabei fiel die Begründung ungewöhnlich deutlich aus.

Laut den Organisatoren erklärten die Behörden, das Schiff sei von Gruppen gechartert worden, die für Verhaltensweisen bekannt seien, „die mit dem Gefüge unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten unvereinbar sind“. Nach dieser Absage wurde Alexandria als Ersatzhafen vorgesehen. Doch auch dieser Plan scheiterte nun kurzfristig.

In Kuşadası durfte das Schiff zuvor ebenfalls nicht anlegen. Die Werte der Passagiere seien nicht mit denen der türkischen Behörden vereinbar.
In Kuşadası durfte das Schiff zuvor ebenfalls nicht anlegen. Die Werte der Passagiere seien nicht mit denen der türkischen Behörden vereinbar.Ibrahim Uzun/IMAGO

Nach der Ablehnung durch Ägypten änderte die „Scarlet Lady“ ihren Kurs und steuerte stattdessen den Hafen Souda auf der griechischen Insel Kreta an. Von dort aus soll die Reise nach aktuellem Stand wie vorgesehen fortgesetzt werden. Weitere Stationen liegen in Montenegro, das Ziel der Kreuzfahrt ist Venedig. Gestartet war die Reise zuvor in Athen.

Homosexualität in Ägypten und der Türkei nicht verboten

Sowohl in der Türkei als auch in Ägypten ist Homosexualität rechtlich nicht ausdrücklich strafbar. Das Auswärtige Amt weist jedoch darauf hin, dass ägyptische Behörden weit gefasste Gesetze zum Schutz von Moral und Religion anwenden können und insbesondere öffentlich gezeigte homosexuelle Handlungen strafrechtliche Konsequenzen haben können.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren dieses Vorgehen seit Jahren. Sie werfen den Sicherheitsbehörden vor, queere Menschen mithilfe solcher Vorschriften gezielt zu verfolgen.

Machen Sie gerne Kreuzfahrten? Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com