Krieg im Iran

Raketen über der „Mein Schiff 5“: Deutsche bangen auf Kreuzfahrtschiff in Doha

Raketen statt Relaxen! Deutsche erleben auf der „Mein Schiff 5“ den Albtraum ihres Lebens. Luftalarm in Doha, Detonationen am Himmel, das Schiff verriegelt.

Author - Sebastian Krause
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Vom deutschen Anbieter TUI Cruises liegt das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ aufgrund des Iran-Krieges in Doha fest.
Vom deutschen Anbieter TUI Cruises liegt das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ aufgrund des Iran-Krieges in Doha fest.Lana Dörrer/privat/dpa

Was als entspannter Trip durch die Glitzerwelten des Persischen Golfs begann, endete für Hunderte Urlauber in einem Albtraum: Raketen und Detonationen statt Relaxen am Pool oder Sightseeing. So sieht die Realität für viele Passagiere aus, die aufgrund des Iran-Krieges derzeit auf Kreuzfahrtschiffen festsitzen.

Reise seit Samstag schlagartig vorbei

Betroffen davon ist auch Lana Dörrer aus dem Saarland. Acht Tage lang wollte die 28-Jährige die Region erkunden, von Dubai über Doha, nach Abu Dhabi und wieder zurück. Doch am Samstag war die Reise schlagartig vorbei.

Schriller Ton auf dem Handy alarmiert die Gäste

Am Morgen sei noch alles in Ordnung gewesen. „Wir sind spazieren gegangen am Hafen von Doha“, erzählt Lana Dörrer der Deutschen-Presse-Agentur von Bord der „Mein Schiff 5“ auf schriftliche Nachfrage.

Dann kam der Moment, der alles veränderte. Sie hätte „einen schrillen Ton mit einer Nachricht aufs Handy“ bekommen. Alle Passagiere sollten sich in geschlossenen Räumen in Sicherheit begeben, habe da gestanden. „Relativ schnell ging dann auch der erste Luftalarm los, wo auch die erste Rakete am Himmel zu sehen war, die abgeschossen worden ist.“

Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 5" liegt im Hafen von Doha.
Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 5" liegt im Hafen von Doha.Lana Dörrer/privat/dpa

Passagiere kommen nicht mehr hinaus

Nach nur einer Stunde seien alle Passagiere wieder auf dem Schiff gewesen, das dann abgeriegelt worden sei. Seitdem kommen die Passagiere nicht mehr hinaus, berichtet Dörrer.

Was sie selbst vom Krieg mitbekommt? Das seien Raketen, die man immer wieder zu sehen bekomme, berichtet sie. „Das sieht man am meisten in der Dunkelheit.“ Auch Detonationen seien zu hören.

Trotz prekärer Lage ist Stimmung „relativ ruhig“

„Allerdings muss man dazu sagen, das ist jetzt noch nicht so oft gewesen. Es war insgesamt fünf-, sechsmal gewesen, dass es richtig spürbar war, und zweimal, wo man es auch wirklich gesehen hat“, schildert die 28-Jährige.

Trotz der prekären Lage sei die Stimmung „relativ ruhig“. „Man sieht einigen Passagieren natürlich an, dass sie sehr, sehr angespannt sind.“ Viele versuchten aber, so gut es geht mit der Situation umzugehen und sich einfach abzulenken.

Relativ schnell ging dann auch der erste Luftalarm los, wo auch die erste Rakete am Himmel zu sehen war, die abgeschossen worden ist.

Lana Dörrer, Passagierin auf der „Mein Schiff 5“

Weiter gute Angebote auf dem Schiff

„Wir bekommen auch immer noch Angebote vom Schiff, wo wir uns aufhalten können, ein bisschen Musik hören können, was trinken können und die Crew uns mit einbindet, irgendwelche Aktivitäten an Bord zu machen, damit wir halt einfach abgelenkt sind.“

Wie es ihr selbst geht? „Angst habe ich keine“, sagt Dürrer. „Aber ich habe sehr viel Respekt vor der Situation, weil man weiß nicht, was kommt.“ Es helfe, dass die Crew jederzeit für die Passagiere ansprechbar sei und ein „sicheres, gutes Gefühl gibt“.

Ein Drohneneinschlag im Hafen von Abu Dhabi.
Ein Drohneneinschlag im Hafen von Abu Dhabi.Ryan Lim/AFP

Notfallübungen werden auf dem Schiff aufgefrischt

„Es sind wirklich alle da und alle fragen auch uns, wie es uns geht, und legen wirklich mehr den Wert auf uns und nicht auf sich. Und ich bin wirklich begeistert, wie gut die mit dieser Ausnahmesituation umgehen.“ Es seien auch Notfallübungen aufgefrischt worden, „damit auch jeder noch mal weiß, wo er hinzugehen hat, wenn wirklich was passieren sollte.“

Zum Glück sei auch das Internet an Bord sehr gut. „Ich habe täglich Kontakt nach Hause“, sagt sie. Sogar Gespräche mit Video seien möglich. „Damit man halt einfach sich sieht und der Familie auch ein gutes Gefühl gibt, dass man hier relativ sicher ist.“

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com