Neue Spezies

Neue Affenart im Kongo entdeckt: Doch ihr Leben ist in Gefahr

Eine neue Affenart wurde im Regenwald des Kongo entdeckt. Doch kaum wurde der seltene Affe entdeckt, stellt sich raus: Er ist stark gefährdet.

Author - Mariella Mandurino
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Der Colobus congoensis ist eine neu entdeckte Affenspezies.
Der Colobus congoensis ist eine neu entdeckte Affenspezies.Daniel Rosengren/dpa

Das ist ja eine affengeile Entdeckung! Jahrelang lebte dieser geheimnisvolle Primat unbemerkt tief im Regenwald und jetzt haben Forscher ihn erstmals als völlig neue Affenart bestätigt. Doch die Sensation hat einen bitteren Beigeschmack: Der seltene Affe könnte schon wieder verschwinden, bevor ihn die Welt überhaupt richtig kennengelernt hat.

Die neue Affenspezies ist stark gefährdet

Die am engsten mit den Stummelaffen verwandte Art trägt den wissenschaftlichen Namen Colobus congoensis und lebt ausschließlich in einem kleinen Gebiet im Regenwald der Demokratischen Republik Kongo. Das Problem: Sein Lebensraum ist stark begrenzt, zudem setzen ihm Abholzung und Jagd zu. Das internationale Forschungsteam schlägt deshalb vor, die neue Art auf die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet setzen zu lassen.

Dabei geriet der geheimnisvolle Affe Forschern schonmal unter die Linse. 2008 wurde das Tier zum ersten Mal geknipst. Bitter: Die Aufnahme reichte nicht, um tatsächlich nachzuweisen, dass es eine noch nicht entdeckte Art ist. Dann sahen sie ihn zehn Jahre später das nächste Mal und erzielten einen Erfolg.

Seitdem wird der Primat von Experten genau unter die Lupe genommen. Es folgten genetische Untersuchungen, Analysen seiner speziellen Rufe und der Vergleich des Körperbaus mit anderen Affenarten. Und die Überraschung war groß: Der Colobus congoensis ist eine ganz eigene Spezies.

Auch Wissenschaftler aus Deutschland waren beteiligt

Und der fellige neue Freund ist auch noch super süß. Er ist ein kleines, zierliches Tier. Er trägt glänzend schwarzes Fell, besitzt einen langen, geschwungenen Schwanz und hat eine auffällige orange-cremefarbene Gesichtszeichnung rund um Maul und Nase. Außerdem ist er mit rund sieben Kilogramm deutlich kleiner als viele seiner Verwandten. Auch seine tiefen, markanten Rufe unterscheiden ihn von anderen afrikanischen Stummelaffen.

Neugierig blicken die Affen in die Kamera. Sie sind nur selten zu Gesicht zu bekommen.
Neugierig blicken die Affen in die Kamera. Sie sind nur selten zu Gesicht zu bekommen.Daniel Rosengren/dpa

In den umliegenden Dörfern ist der Affe unter dem Namen „Likweli“ bekannt. Die Einheimischen beschreiben ihn als äußerst scheu und genau das bestätigten auch die Beobachtungen der Wissenschaftler. Zwischen 2018 und 2022 gelangen lediglich 114 Sichtungen in einem Verbreitungsgebiet von nur etwa 1700 Quadratkilometern. Flüsse und Waldränder scheinen die Population zusätzlich voneinander abzuschotten.

An der Studie waren Wissenschaftler mehrerer internationaler Einrichtungen beteiligt, darunter die Florida Atlantic University, die Yale University, die Lukuru Wildlife Research Foundation, die City University of New York, der Lomami-Nationalpark sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachmagazin „PLOS One“.

„Die Entdeckung von Colobus congoensis ist sowohl ein wissenschaftlicher Triumph als auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Lebewesen der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz weiß“, sagt Studienautorin Kate Detwiler von der Florida Atlantic University.

Für die Wissenschaftler ist der Fund deshalb weit mehr als nur eine neue Art auf dem Papier. Er zeigt, dass selbst in vergleichsweise gut erforschten Regionen des Kongobeckens noch immer unbekannte Tierarten leben.

Welche Tierart würden Sie einmal am liebsten in freier Wildbahn sehen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com