Ein Forschungsverbund aus fünf deutschen Universitäten arbeitet derzeit an einer neuartigen Verhütungsmethode für Männer. Ziel ist es, eine sichere und reversible Alternative zu entwickeln, die es Männern ermöglicht, zeitweise unfruchtbar zu werden.
Neue Ansätze statt Hormone
Der Bedarf ist groß: Viele Menschen wünschen sich heute verträgliche und gleichberechtigte Verhütungsmethoden, die unterschiedliche Lebensrealitäten, Geschlechter und kulturelle Kontexte berücksichtigen. Das Projekt „ContraPur“ arbeitet derzeit an einer Lösung.

„Mit ContraPur verfolgen wir einen völlig neuen Ansatz in der Verhütungsforschung“, erklärt Marc Spehr, Projektleiter und Inhaber des Lehrstuhls für Chemosensorik an der RWTH Aachen. „Unser Ziel ist es, eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Methode zu entwickeln, die Männern neue Möglichkeiten der Familienplanung eröffnet und gleichzeitig zu einer gerechteren Verteilung der Verantwortung beiträgt.“
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das von der RWTH Aachen koordinierte Projekt mit rund drei Millionen Euro.
Fokus auf Spermientransport
Die Forschung setzt nicht bei der Spermienproduktion an, sondern beim Transport der Spermien im Hoden. Dabei spielt ein bislang wenig verstandener Prozess eine Rolle: die sogenannte purinerge Signalübertragung. Ein Molekül namens ATP löst Kontraktionen aus, die Spermien weitertransportieren.
Die Idee: Wird dieser Mechanismus gezielt blockiert, könnten Spermien den Hoden nicht mehr verlassen und eine Befruchtung wäre vorübergehend nicht möglich.
Forschung auf mehreren Ebenen
Das Projekt untersucht genetische Grundlagen, Prozesse im Hoden, Wechselwirkungen mit Immunzellen und mögliche Wirkstoffe. Langfristig sollen Medikamente entstehen, die diesen Prozess gezielt beeinflussen.
Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Entwicklung möglicher Wirkstoffe für den Einsatz beim Menschen. Unter der Leitung von Professor Artur Mayerhofer (LMU) führen Forschende „Proof of Concept“-Experimente mit menschlichen Hodenzellen durch und testen vielversprechende Arzneimittel.

„Unser Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die Hodenphysiologie zu gewinnen und gezielt Arzneimittel zu testen, um letztlich eine sichere und akzeptierte Alternative zur bestehenden Verhütung zu schaffen“, sagt Mayerhofer.
Noch steckt die Forschung in einem frühen Stadium. Doch wenn der Ansatz funktioniert, könnte das die Verhütung grundlegend verändern – hin zu mehr Verantwortung auf beiden Seiten.


