Kommentar

Elterngeld kürzen? Ein Schlag ins Gesicht für alle Familien

Seit 2007 wurde das Elterngeld nicht erhöht. Stattdessen soll es nun gekürzt werden. Warum Eltern und auch diese Autorin wahnsinnig wütend sind.

Author - Sharone Treskow
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Die Nachricht über die geplante Kürzung des Elterngeldes macht viele Mütter und Väter furchtbar wütend (Symbolbild).
Die Nachricht über die geplante Kürzung des Elterngeldes macht viele Mütter und Väter furchtbar wütend (Symbolbild).Iuliia Zavalishina/imago

Das Familienministerium muss 500 Millionen einsparen und ausgerechnet beim Elterngeld soll der Rotstift angesetzt werden. Dasselbe Elterngeld, das seit der Einführung im Jahr 2007 um keinen einzigen Cent erhöht wurde. Seither ist aber alles andere um ein Vielfaches teurer geworden: Lebensmittel, Miete, Strom – ja auch Windeln und Babygläschen. Die Inflation galoppiert. Das Elterngeld hätte längst hochgesetzt werden müssen, stattdessen soll es nun sogar gekürzt werden? Hier werden die Interessen von Familien mit Füßen getreten.

Das Elterngeld reicht schon jetzt nicht aus

Deutsche Eltern toben angesichts der angekündigten Sparmaßnahmen. Auch ich als Mutter fühle mich abgewertet in meiner Fürsorgearbeit. Die ersten anderthalb Jahre Elternzeit – in denen ich meinen Sohn ernährt habe, mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe – war die bisher schönste Zeit meines Lebens, aber auch mit Abstand die härteste.

Gut gehen lassen kann man es sich in der Elternzeit entgegen des allgemeinen Klischees nicht. Der Elterngeld-Maximalsatz von 1800 Euro im Monat, der längst nicht jedem zusteht, reicht nicht für tägliche Matcha-Lattes und Designer-Babykleidung – wie schlecht informierte Hater es gerne darstellen. Das Geld reicht mit Glück gerade so für die Miete, für die Secondhand-Bodys.

Übersicht Basiselterngeld je nach Einkommen
Übersicht Basiselterngeld je nach EinkommenEigene Grafik, Berliner Kurier

Ich selbst hatte das Glück, verheiratet zu sein, einen Partner mit einem weiteren Einkommen zu haben und vor der Geburt Erspartes ansammeln zu können – das am Ende auch vollständig aufgebraucht war. Doch es gibt viele Eltern, vor allem alleinerziehende Frauen, für die das Elterngeld schon jetzt vorne und hinten nicht reicht.

Kann ich mir ein Baby überhaupt noch leisten?

Kinder zu kriegen, ist in Deutschland eine finanzielle Frage geworden: „Kann ich mir ein Baby überhaupt noch leisten?“ Auch für berufstätige Paare. Das ist nicht nur unglaublich traurig, das ist auch eine fahrlässige Familienpolitik. Immerhin braucht Deutschland dringend Kinder, wie immer wieder betont wird. Die Geburtenrate geht zurück.

Das Problem: Immer weniger junge Menschen müssen immer mehr Ältere finanzieren. Weniger Nachwuchs bedeutet auch Fachkräftemangel. Das ist schon jetzt spürbar und wird zukünftig nur immer schlimmer. Trotzdem schafft es die Bundesregierung nicht, Kinderkriegen attraktiv zu gestalten.

Viele Eltern treiben finanzielle Sorgen um. Wird die Situation nun noch schlimmer?
Viele Eltern treiben finanzielle Sorgen um. Wird die Situation nun noch schlimmer?Dbordoy/imago

Im Gegenteil, wird man auch noch abgestraft: mit noch weniger Elterngeld. Mit weniger gemeinsamer, bezahlter Elternzeit für Mütter und Väter – die 2024 auf nur einen Monat reduziert wurde. Mit der Familienversicherung für Ehepartner, die abgeschafft werden soll. Und wer keine 40 Stunden mehr arbeitet, um seine Kleinkinder betreuen zu können, macht eine „Lifestyle“-Teilzeit und muss auch noch darum kämpfen?

Kinder sind nicht nur Privatsache, sie sind auch ein gesellschaftlicher Dienst. Sie großzuziehen kostet Kraft, Zeit und Geld – und verdient Respekt statt Kürzungen. Wenn dieses Land eine Zukunft haben will, muss es endlich aufhören, Eltern kleinzurechnen.

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