Altersforschung

Wollen Sie wissen, wann es so weit ist? Neue Gen-Uhr zeigt Ihr Sterberisiko

Negative Lebensstilfaktoren beschleunigen das biologische Alter, während positive Eingriffe es reduzieren können.

Author - Sharone Treskow
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Forscher haben einen Weg gefunden, das biologische Alter und Sterberisiko eines Menschen sehr genau zu analysieren. (Symbolbild)
Forscher haben einen Weg gefunden, das biologische Alter und Sterberisiko eines Menschen sehr genau zu analysieren. (Symbolbild)Stockking/Magnific

Die Menschheit träumt seit jeher davon, das Altern zu verstehen und vielleicht sogar aufzuhalten. Jetzt sorgt eine Studie aus den USA für Aufsehen: Ein Forschungsteam der Harvard Medical School hat eine neue „Lebensuhr“ entwickelt, die nicht nur das biologische Alter misst, sondern auch das tatsächliche Sterberisiko einschätzen kann.

Neue Gen-Uhr zeigt biologisches Alter und Sterberisiko

Grundlage ist die Auswertung von mehr als 11.000 genetischen Datensätzen aus über 25 Geweben von Menschen, Mäusen, Ratten und Makaken-Affen. Entscheidend ist dabei das sogenannte Transkriptom – also die Gesamtheit der aktiven Gene in einer Zelle.

Im Gegensatz zu bisherigen Methoden, die auf chemischen Veränderungen der DNA beruhen, setzt die neue Uhr direkt an der Genaktivität an. Diese reagiert dynamisch auf Ernährung, Umwelt und Medikamente und liefert damit ein deutlich genaueres Bild vom Zustand des Körpers.

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Wer würde nicht gerne wissen, wie lange er noch zu leben hat?Drazen Zigic/Magnific

Die Forscher sind überzeugt: Ihre Methode kann erstmals zuverlässig zeigen, ob Therapien tatsächlich verjüngend wirken. Herkömmliche Modelle konnten solche Effekte bislang kaum abbilden.

Biologische Uhr reagiert auf Lebensstil und Therapien

Wie flexibel der Alterungsprozess wirklich ist, zeigt ein Blick auf die Experimente: In einem groß angelegten Praxistest wurden Mäuse unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt – von ungesunder Ernährung bis hin zu lebensverlängernden Maßnahmen wie Kalorienrestriktion oder dem Medikament Rapamycin. Das Ergebnis: Positive Eingriffe ließen das biologische Alter deutlich sinken, während schädliche Faktoren die Uhr beschleunigten.

Die DNA-Analysen haben ergeben: Wer sich um einen gesunden Lebensstil bemüht, kann sein biologisches Alter tatsächlich erhöhen und so sein Leben verlängern. (Symbolbild)
Die DNA-Analysen haben ergeben: Wer sich um einen gesunden Lebensstil bemüht, kann sein biologisches Alter tatsächlich erhöhen und so sein Leben verlängern. (Symbolbild)Andrew Brookes/Imago

Zwei Gene stehen dabei im Zentrum: CDKN1A und LGALS3. Sie gelten laut Studie als zentrale Marker für den Alterungsprozess. Während CDKN1A den Zellzyklus kontrolliert, ist LGALS3 eng mit Entzündungen verbunden.

Daten aus der britischen UK-Biobank mit über 50.000 Teilnehmern bestätigen die Bedeutung: Hohe Werte dieser Marker gehen mit einem deutlich erhöhten Risiko für schwere Erkrankungen und einen frühen Tod einher.

Forscher entdecken Reset-Moment im Mutterleib

Besonders spektakulär ist eine weitere Entdeckung: Das Altern beginnt offenbar nicht einfach linear mit der Befruchtung. Bei Mäuseembryonen fanden die Wissenschaftler einen drastischen „Reset“. Zwischen dem sechsten und zehnten Tag im Mutterleib sinkt das biologische Alter stark ab – die Zellen verjüngen sich quasi komplett, bevor der eigentliche Alterungsprozess startet. Dieser natürliche „Neustart“ verhindert offenbar, dass Schäden der Eltern weitergegeben werden.

Die Forschung zeigt: Echtes Anti-Aging ist möglich.
Die Forschung zeigt: Echtes Anti-Aging ist möglich.Senivpetro/Magnific

Auch bei erwachsenen Organismen scheint eine gewisse Verjüngung möglich. In Experimenten mit verbundenen Blutkreisläufen von jungen und alten Mäusen wurde ein deutlicher Anti-Aging-Effekt beobachtet. Gleichzeitig zeigte sich aber auch die Kehrseite: Krankheiten wie Alzheimer oder Nierenschäden beschleunigen das biologische Altern massiv. Krebs stellt dabei eine besondere Ausnahme dar – Tumorzellen wirken einerseits jung, tragen aber gleichzeitig typische Alterungsmerkmale.

Damit die Forschung schneller vorankommt, haben die Wissenschaftler ihre Werkzeuge öffentlich gemacht: Über die Plattform TACO und die Software tAge können Forscher weltweit das biologische Alter und Sterberisiko analysieren. Die Hoffnung: neue Therapien gegen das Altern – und vielleicht eines Tages sogar mehr gesunde Lebensjahre.

Würden Sie wissen wollen, wann Sie vermutlich sterben werden? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.