Der brutale Mord an dem acht Jahre alten Fabian aus Güstrow – er beschäftigt die Justiz noch immer. Aktuell ist im Prozess vor dem Landgericht Rostock eine Sommerpause angesetzt, doch im August wird das Verfahren fortgesetzt. Dann wird sich mutmaßlich auch die Angeklagte Gina H. zu Wort melden und sich zu den Vorwürfen äußern. Für die 30-Jährige zog sich die Schlinge in den vergangenen Wochen immer weiter zu. Etliche Dinge aus den Vernehmungen der Zeugen sprechen für eine Schuld der Frau aus Reimershagen. Wir fassen fünf wichtige Punkte zusammen.
Rätselhafte Nachrichten und die Suche nach dem Motiv
Im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow wurden immer wieder Sprachnachrichten vorgespielt, die vor allem die Beziehung zwischen Gina H. und Matthias R. beleuchten, dem Vater von Fabian. Aus den Unterhaltungen ging mehr als einmal hervor, dass Gina H. offenbar Probleme mit Eifersucht hatte. So gab es eine Auseinandersetzung um einen Zahnarztbesuch von Matthias R., bei der sie ihm vorwarf, sich vor dem Arzttermin umgezogen zu haben. Bei einer anderen Gelegenheit fragte er sie, ob er sich sogar melden solle, wenn er zur Toilette geht.
In Nachrichten, die schon vor dem Prozess durch eine Freundin der Familie öffentlich gemacht wurden, soll Gina H. außerdem deutlich gemacht haben, dass es sie störte, wenn Matthias R. Kontakt zu seiner „alten“ Familie hatte. Während der Beziehung zu Gina H. wurde das Verhältnis zu seinem Sohn Fabian aber schlechter.
Nach der Trennung wurde die Beziehung zwischen Vater und Sohn dann wieder enger. Die Beziehung zu Gina H. wollte Matthias R. deshalb nicht mehr fortsetzen. In der Anklage heißt es, dass die Wut darüber Gina H. zur Tat getrieben haben könnte.
Handydaten von Gina H. zeigen skurrile Google-Suchen
Die Ermittler durchsuchten nach dem Mord an Fabian auch das Smartphone der Tatverdächtigen Gina H. – das Gerät war für sie ein ständiger Begleiter. Dabei fielen verschiedene Dinge auf. So schaltete sie am Tag der Tat zwischen 11.22 Uhr und 12.42 Uhr ihr Smartphone gezielt aus, obwohl der Akku zu dieser Zeit voll aufgeladen war. „Das ist ein besonderes Ereignis“, sagte ein Polizeibeamter vor Gericht. Im gleichen Zeitraum wurde Fabian laut den Ermittlern getötet.

Gina H. suchte außerdem nach Polizeimeldungen und fragte am Morgen nach dem Verschwinden von Fabian, ob Wildschweine Menschen fressen. Sie soll nach „fressen Wildschweine Menschen“ und „fressen Wildschweine tote Menschen“ gegoogelt haben. Auch verschiedene Nachrichten waren für die Ermittler auffällig – etwa, dass Gina H. noch am Tag von Fabians Verschwinden Freunden schrieb, sie mache ihr Auto sauber und habe das schon ewig nicht gemacht.
Gina H. führte zwei Bekannte zu Fabians Leiche
Besonders brisant sind die Aussagen von zwei Bekannten von Gina H. – zwei Männer, die von der Tatverdächtigen laut ihren Aussagen schon am Abend vor dem Fund von Fabians Leiche zum Tümpel geführt wurden. Der erste war Christian D., ein befreundeter Jäger. Gina H. soll ihn gebeten haben, mit ihr zusammen nach Fabian zu suchen. Das Gebiet bei Klein Upahl hatte sie ausgewählt, weil sie dort schon einmal mit Fabian Schlitten gefahren sei – obwohl es auf dem Feld keinerlei Hügel gibt. Scheinbar durch Zufall fanden sie und Christian D. Fabians Leiche. „Im Nachhinein würde ich sagen: Sie wusste genau, wo sie hingeht“, sagte D. jetzt bei seiner Aussage vor Gericht.
Der zweite war Olaf K. Ihn bat sie noch am gleichen Abend, mit ihr zum Tümpel zu kommen. Sie erzählte, sie habe die Leiche mit einem anderen Bekannten dort gefunden, sei sich aber nicht ganz sicher, ob es wirklich Fabian ist. Also ging sie mit ihm noch einmal zum Tümpel und zeigte auch Olaf K. die Leiche von Fabian. Bei beiden Besuchen alarmierte Gina H. danach nicht die Polizei.
Freundin Heike M.: Ist sie die wichtigste Zeugin?
Eine der bisher brisantesten Zeuginnen ist Heike M., eine langjährige Freundin von Gina H. Sie war die dritte „Tümpel-Zeugin“: Am Morgen des 14. Oktober bekam sie laut ihrer Aussage einen Anruf von Gina H. mit der Bitte, sie zum Tümpel zu begleiten. Der Grund: Die Angeklagte wollte der Polizei den Leichenfund melden, es aber laut Heike M. wie einen Zufall aussehen lassen. Der Plan: Mit den Hunden von Heike M. wollte sie in dem Gebiet spazieren gehen, die Hunde sollten dann Fabians Leiche entdecken. Doch Heike M. wollte nicht für ihre Freundin lügen – und berichtete gegenüber der Polizei und nun auch vor Gericht, dass die Fund-Aktion von Gina H. geplant war.

Verhalten am Tatort: Gina H. wirkte emotionslos
Mehrere Zeugen berichteten vor Gericht, wie sich Gina H. nach dem Fund von Fabians Leiche am Tatort benommen hatte. Ihre langjährige Freundin Heike M. sagte etwa, Gina H. habe nicht betroffen gewirkt, nachdem sie Fabians Leiche besichtigt hatte. „Wenn ich den Kleinen da finde und ich komme da hoch und ich bin so gefühllos – das war so kalt“, sagte sie. Ein Polizist berichtete außerdem, Gina H. habe sich nach dem Eintreffen der Polizei beklagt, dass alle so grimmig gucken.
Außerdem habe sie von allein mehrmals darauf hingewiesen, dass neben der Leiche ihre Spuren zu finden seien – und dass sich dieser Ort ja anbieten würde, um „jemanden bewusst zu entsorgen“. Nachbarn beschrieben auch ihr Verhalten an den Tagen nach dem Fund von Fabians Leiche. „Ihre ganze Art und Weise war mehr so, als ob sie aufpasst, was in ihrer Umgebung passiert“, sagte eine Frau vor Gericht.



