Wie wurde er getötet?

Mord an Fabian aus Güstrow: Detail gibt sogar den Profilern Rätsel auf

Profiler rekonstruierten die Tat am Tümpel bei Klein Upahl. Doch selbst die Spezialisten konnten einige Fragen bis heute nicht beantworten.

Author - Florian Thalmann
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Gina H. muss sich im Mordfall Fabian vor Gericht verantworten. Sie soll den Jungen an einem Tümpel bei Klein Upahl getötet haben.
Gina H. muss sich im Mordfall Fabian vor Gericht verantworten. Sie soll den Jungen an einem Tümpel bei Klein Upahl getötet haben.Bernd Wüstneck/dpa

Der Tod des kleinen Fabian aus Güstrow – er wurde in den vergangenen Wochen und Monaten aus allen möglichen Blickwinkeln durchleuchtet. Im Prozess um den Tod des Jungen wurden vor Gericht Zeugen vernommen, aber auch zahlreiche Experten und Sachverständige leisteten ihren Beitrag zur Aufklärung des Falles. Doch selbst die größten Fachleute können nicht alle Geheimnisse des Mordfalls vollständig aufklären. Das zeigt die Aussage eines Fallanalytikers, der sich im Prozess zu Wort meldete. Denn wie genau die Tat am Todes-Tümpel bei Klein Upahl ablief, ist nicht hundertprozentig geklärt.

Profiler sagte im Mordfall Fabian aus Güstrow aus

Auch ein Team aus dem Bereich der operativen Fallanalyse hatte den Mord an Fabian aus Güstrow vollständig untersucht. Dieser Bereich der Kriminalistik dient der Unterstützung von Ermittlungen bei schweren Straftaten wie Tötungsdelikten, Sexualstraftaten, Entführungen oder Serienverbrechen. Ziel ist es, aus den vorhandenen Spuren, dem Tatortbild, dem Verhalten des Täters und den Umständen der Tat Rückschlüsse auf unbekannte Täter zu ziehen.

Die operative Fallanalyse kommt also vor allem dann zum Einsatz, wenn noch kein Täter bekannt ist. Im Fall Fabian wurde sie dennoch genutzt, obwohl die Tatverdächtige und heutige Angeklagte Gina H. bereits seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft sitzt. Aktuell muss sie sich vor Gericht verantworten, der Prozess wird allerdings gerade für eine Sommerpause unterbrochen.

Der kleine Fabian aus Güstrow wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl getötet, die Polizei untesuchte den Tatort nach dem Fund der Leiche des Jungen ausführlich.
Der kleine Fabian aus Güstrow wurde an einem Tümpel bei Klein Upahl getötet, die Polizei untesuchte den Tatort nach dem Fund der Leiche des Jungen ausführlich.Bernd Wüstneck/dpa

Der Profiler, der vor Gericht aussagte, bekräftigte unter anderem den „unbedingten Tötungswillen“, den man am Ablauf des Tattages erkennen könne. Der Grund: Anhand eines Fotos der brennenden Leiche am Tümpel konnten die Fallanalytiker schlussfolgern, dass zwischen der ersten Kontaktaufnahme des Täters oder der Täterin mit Fabian und dem Tod des Jungen keine drei Stunden vergangen seien. Die Tat sei demnach offenbar ohne größere Umschweife ausgeführt worden.

Das könnte das Motiv im Fall Fabian aus Güstrow sein

Auch zum Motiv haben die Experten der operativen Fallanalyse eine klare Einschätzung: Weil verschiedene Motive wie Raub, eine Sexualstraftat oder eine spontane Gewalttat ausgeschlossen werden konnten, gehen sie von einer Beziehungstat aus. „Die Täterschaft hat mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus einem persönlichen Motiv heraus gehandelt“, sagte der Fallanalytiker vor Gericht.

Außerdem müsse der Täter oder die Täterin den Tatort sehr gut gekannt haben. Denn es sei unwahrscheinlich, dass eine Tat an einem abgelegenen Ort wie dem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl begangen wird, wenn dieser zuvor nicht bekannt war.

Ein Amateurfoto zeigt das Feuer am Tümpel bei Klein Upahl. Hier brennt die Leiche des kleinen Fabian aus Güstrow.
Ein Amateurfoto zeigt das Feuer am Tümpel bei Klein Upahl. Hier brennt die Leiche des kleinen Fabian aus Güstrow.Polizei

Allerdings konnte die Fallanalyse auch nicht alle Rätsel lösen. Ein Geheimnis sind beispielsweise die Messerstiche, mit denen Fabian getötet wurde. Mindestens sechs waren es laut Anklage. Sie seien zwar alle aus derselben Richtung geführt worden. Die Spezialisten konnten jedoch nicht feststellen, ob die Stiche mit der rechten oder der linken Hand ausgeführt wurden. Ebenso habe man nicht klären können, ob eher ein Mann oder eine Frau als Täter beziehungsweise Täterin infrage kommt.

Fallanalytiker untersuchten die Messerstiche genau

Die Stiche wurden trotzdem intensiv untersucht und die Tat so weit wie möglich rekonstruiert. Dem Fallanalytiker erschien laut seiner Aussage am wahrscheinlichsten, dass der Täter oder die Täterin hinter Fabian stand, den Jungen am Hals festhielt und gleichzeitig mehrfach mit dem Messer in den Brustbereich einstach.

Der Achtjährige hatte demnach offenbar keine Möglichkeit, sich wirksam zu wehren. Am Tatort fanden sich laut den Ausführungen des Experten keine Hinweise auf einen Kampf oder einen Fluchtversuch. „Der Junge ist zeitnah überwältigt und erstochen worden“, sagte der Sachverständige vor Gericht. Fabian sei bereits nach den Messerstichen handlungsunfähig gewesen, hieß es weiter.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Gina H. die Täterin war. Die Ex-Freundin und heutige Partnerin von Fabians Vater Matthias R. soll Fabian am 10. Oktober unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter in Güstrow gelockt haben. Laut Anklage fuhr sie mit ihm zu dem Feld bei Klein Upahl und ging mit ihm zum Tümpel, wo die Tat erfolgt sein soll.

Für Gina H. gilt weiter die Unschuldsvermutung

Anschließend soll Gina H. nach Darstellung der Staatsanwaltschaft den Tatort zunächst verlassen haben. Später sei sie jedoch zurückgekehrt, um Fabians Leiche mit Grillanzünder in Brand zu setzen. Die Ermittler vermuten, dass auf diese Weise Spuren vernichtet werden sollten. Für Gina H. gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird nach der Sommerpause voraussichtlich am 6. August fortgesetzt.