Erst im August werden die Verhandlungen im Mordfall Fabian aus Güstrow fortgesetzt – bis dahin haben alle Beteiligten eine Pause von mehreren Wochen. Nach etlichen Zeugenvernehmungen und Aussagen von Gutachtern dürfen alle einmal durchatmen. Doch nicht jeder kann die Dinge, die im Fall Fabian ans Tageslicht kamen, einfach so wegschieben. Sie haben sich eingebrannt – und sie haben Folgen. Etwa für Heike M.: Die Zeugin brach schon im Juni ihr Schweigen, sagte gegen ihre langjährige Freundin Gina H. aus. Und berichtete jetzt in einem Interview, wie sehr sie noch heute darunter leidet, dass Gina H. sie offenbar als Alibi benutzen wollte.
Fall Fabian: Zeugin glaubt nicht an Unschuld von Gina H.
Die Zeugin war jahrelang eine enge Freundin von Gina H., der Angeklagten im Fall Fabian. In einem Interview auf YouTube findet sie klare Worte für die 30-Jährige, die nun wegen Mordes vor Gericht steht. Sie glaube nicht an die Unschuld von Gina H., sagt sie.
„Wenn ich unschuldig bin, dann schweige ich nicht ein halbes Jahr. Dann verteidige ich mich.“ Am Anfang, als sie noch nicht viel über den Fall wusste, habe sie gezweifelt. Aber jetzt nicht mehr. „Alle kleinen Brocken zusammengesammelt: Sie ist nicht unschuldig. Sie deckt vielleicht jemanden, sie weiß viel mehr.“
Im Prozess um den toten Fabian aus Güstrow wurde Heike M. zu einer der wichtigsten Zeuginnen. Der Grund: Gina H. fuhr am Morgen des 14. Oktober 2025 mit ihr zur Leiche von Fabian, die verbrannt an einem Tümpel bei Klein Upahl lag.
Die Angeklagte war schon am Tag zuvor dort gewesen, hatte zwei Bekannte zu den sterblichen Überresten des Jungen geführt, aber nicht die Polizei alarmiert. Laut der Aussage von Heike M. suchte sie eine Möglichkeit, die Behörden zu informieren, ohne selbst zum Ziel der Ermittler zu werden und sich zur Verdächtigen zu machen.

Gina H. wollte mit Heike M. laut deren Aussage rund um den Tümpel einen Spaziergang machen und dazu auch die Hunde von M. mitnehmen. Diese sollten Fabians Leiche dann zufällig finden.
Doch Heike M. spielte das Spiel nicht mit – und packte bei der Polizei über den makaberen Plan von Gina H. aus. Auch vor Gericht erzählte sie die Geschichte: Gina H. rief sie am Morgen des 14. Oktober an und berichtete ihr, sie habe am Abend zuvor die Leiche an dem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl gefunden.
Gina H. wollte ihren Bekannten Christian D. schützen
Allerdings wolle sie ihren Bekannten Christian D. schützen. Er sei bei der Suche mit seinem Nachtsichtgerät dabei gewesen, dürfe das aber eigentlich nicht in einem fremden Revier nutzen. Weil sie ihn nicht in Schwierigkeiten bringen wollte, schlug sie die Idee mit dem Hundespaziergang vor.
Immer wieder habe Heike M. schon vor der Besichtigung des Areals gefragt, warum sie nicht die Polizei gerufen habe. Doch Gina H. habe immer nur gesagt, sie dürfe das nicht. Vor Ort wurde der Plan um die Tat umgesetzt. Zum Tümpel ging Gina H. mit den Hunden allein. Ihre Reaktion, als sie zurückkam, sei kalt gewesen. „Wenn ich den Kleinen da finde und ich komme da hoch und ich bin so gefühlslos – das war so kalt“, sagte Heike M. vor Gericht.

Bis heute beschäftigt Heike M. die Situation. In einem Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“ berichtete sie, dass es auch Monate danach schwerfällt, mit den Erlebnissen umzugehen.
„Ich brauche auch Zeit, das zu verarbeiten“, sagte sie. „Ich habe immer versucht, es weit wegzuhalten, um nicht daran kaputtzugehen.“ Sie werde noch lange brauchen, um damit klarzukommen. „Jetzt noch, wenn wir unterwegs sind, gerade auf Feldwegen, und ich sehe so ein Wasserloch, schießt bei mir der erste Gedanke: Wurde da auch jemand versteckt? Liegt da auch jemand?“
Fall Fabian: Zeugin fühlt sich von Gina H. benutzt
Sie sei von dem Gedanken nachts wach geworden, schweißgebadet, habe keine Luft bekommen. Sie habe immer wieder versucht, allein damit klarzukommen oder habe mit ihrem Mann darüber gesprochen. Heike M. setzt auch zu, dass Gina H. sie benutzt haben soll, um etwas zu vertuschen. Und zwar nicht nur den Fakt, dass sie in der Nacht mit ihren Bekannten schon einmal am Tümpel war. „Das glaube ich nicht. Ich glaube, da ist mehr“, sagt die langjährige Freundin der 30-Jährigen.



