Seit zwei Monaten läuft der Mordprozess im Fall Fabian aus Güstrow – doch jetzt wird das Verfahren, das ganz Deutschland mit Spannung verfolgt hat, erst einmal unterbrochen. Der Fall Fabian geht in die Sommerpause, wird erst Anfang August fortgesetzt. Drei Wochen Unterbrechung liegen vor den Beteiligten. Und das ist gut, denn vor allem für Fabians Mutter Dorina ist der Prozess eine Zumutung. In einem Interview gibt ihre Anwältin Christine Habetha jetzt Einblicke und verrät, wie belastend das Verfahren im Fall Fabian aus Güstrow wirklich ist.
Prozess um Fabian aus Güstrow geht in die Sommerpause
In der vergangenen Woche gab es im Fall Fabian aus Güstrow den letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause, danach hat eine drei Wochen lange Unterbrechung begonnen. Die Fortsetzung ist für den 6. August geplant. Dann nimmt Gina H., die Angeklagte im Fall Fabian, wieder auf der Anklagebank Platz. Ihr wird vorgeworfen, den acht Jahre alten Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Tümpel bei Klein Upahl mit mindestens sechs Messerstichen getötet zu haben. Anschließend soll sie seine Leiche laut Anklage mit Brandbeschleuniger angezündet haben.
Etliche Zeugen sagten bereits aus – Fabians Mutter Dorina L., sein Vater Matthias R., aber auch Nachbarn von Gina H. und mehrere Bekannte, die sie schon am Abend vor dem offiziellen Fund der Leiche am 14. Oktober zum Tümpel geführt haben soll.
Alle Beteiligten mussten die Zeugenaussagen anhören, mussten immer wieder über die Details der schrecklichen Tat sprechen, mussten sich Fotos vom Tatort anschauen und die Aussagen unterschiedlichster Gutachter verfolgen. Wie belastend ist das für die Menschen, die an dem Prozess teilnehmen?

„Wir Juristen machen unseren Job, mehr ist dazu nicht zu sagen“, sagt Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina L., in einem Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“. „Aber meine Mandantin ist sehr belastet.“
Sie habe ihr Kind auf eine Art und Weise verloren, in die man sich gar nicht einfühlen könne. „Sie sitzt hier jeden Verhandlungstag mit Ausnahme von zwei Tagen, die für sie unerträglich gewesen wären.“ Es handelte sich um jene Tage, an denen Bilder vom Tatort und Fabians Leiche gezeigt werden mussten. Dorina L. blieb dem Prozess fern.
Zeugen warfen bei Fabians Mama Dorina L. Fragen auf
An den nachfolgenden Tagen verließ sie den Gerichtssaal, wenn die Fotos noch einmal vor Gericht vorgeführt werden mussten. Für sie sei das eine psychische Belastung, die man nicht verkennen dürfe, sagt Habetha. Und: Einige Fragen bleiben unbeantwortet.
„Natürlich hat sie große Fragezeichen gehabt bei den Zeugen, die in der Nacht vom 13. zum 14. bei der Kindesleiche gewesen sind“, sagt Habetha. Zwei Bekannte hatte Gina H. laut deren Aussagen schon am Abend vor dem offiziellen Fund des kleinen Fabian zu seinen sterblichen Überresten geführt.

Doch die Zeugen riefen danach nicht die Polizei. Es wäre naheliegend gewesen, die Behörden zu informieren. Einer der Zeugen habe sich auch bei Dorina L. gemeldet und sich dafür entschuldigt, dass er nicht reagiert habe. „Das sind alles wirklich belastende Momente“, sagt Habetha. Immer wieder belastend sei für sie auch die Haltung des Kindsvaters. „Bei allem Zwist, den sie bis zur Beendigung ihrer Partnerschaft durchlebt haben, hätte sie ihm das nicht zugetraut.“
Matthias R., der Vater des kleinen Fabian, hatte sich vor Gericht vor die Angeklagte Gina H. gestellt. Die beiden waren bis in den Sommer des vergangenen Jahres ein Paar, trennten sich dann. Doch im Verfahren wurde auch bekannt, dass sie seit der Zeit von Gina H. in der U-Haft wieder zusammen sind.
Interessiert sich Gina H. nicht für den Prozess?
Nicht zuletzt dürfte auch das Verhalten der Angeklagten Gina H. selbst für Fabians Mutter Dorina L. irritierend sein. Es trete da eine gewisse Gewöhnung ein, sagt die Anwältin Christine Habetha. „Die Angeklagte scherzt mit ihren Anwälten. Ich nehme an, sie tut so, als wenn sie sich gar nicht interessiert für das, was sich da vor Gericht abspielt, wenn Zeugen gehört werden. Sie liest in Unterlagen, sie wirkt ganz unbefangen.“ So, als sei der Prozess im Fall Fabian nicht der Prozess, in dem es um ihre Schuld geht. Sondern ein Geschehen, das sie als unbedeutende Zuschauerin von außen beobachtet.


