Der Prozess im Mordfall Fabian aus Güstrow legt gerade eine Pause ein – erst im August werden die Verhandlungen fortgesetzt. Viele Zeugen wurden schon vernommen, viele Indizien unter die Lupe genommen. Doch manches Geheimnis bleibt noch immer ungelöst. Rätselraten gibt es unter anderem um das Spiel Roblox, das Fabian spielte: In Verbindung mit dem Online-Game tauchte ein Geheimnis auf, das bisher scheinbar niemand lösen konnte. Auch nicht die berühmten TV-Detektive aus der Familie Trovato.
Im Fall Fabian taucht plötzlich der Name Trovato auf
Deren Name tauchte an einem der letzten Verhandlungstage vor der Sommerpause ganz plötzlich auf der Bildfläche auf. Der Grund: Als es im Prozess um die Auswertung der Handydaten des kleinen Fabian aus Güstrow ging, sagte eine beteiligte Polizistin aus. Zum Thema wurde da auch, dass jemand versucht hatte, sich noch nach Fabians Verschwinden in den Roblox-Account des Jungen einzuloggen. Es war allerdings nicht Fabian, sondern ein Mitarbeiter der Familie Trovato.
Fabians Mama Dorina L. hatte Kontakt zu den Fernseh-Detektiven, die Trovatos untersuchten den Fall schon, als es noch ein Vermisstenfall war. Ein Unbekannter habe geholfen, Chat-Nachrichten auf Fabians Handy auszuwerten. Der Vorsitzende Richter zeigte sich davon im Prozess irritiert – und äußerte, dass er sprachlos sei. Ein Unbekannter könnte schließlich auch der Täter sein, der auf diesem Weg versuche, seine Spuren zu verwischen.

Zu dem Aspekt der Ermittlungen meldet sich nun ein Mann zu Wort, der genau wissen muss, wie es abgelaufen ist: Jürgen Trovato selbst! Der Fernseh-Detektiv startete schon während der Suche nach Fabian einen Livestream, um möglichst viele Menschen zu erreichen und Hinweise zu sammeln. „Das machen wir häufig in Vermisstenfällen – auch mit Erfolg“, sagte er in einem Interview. Darüber sei auch der Kontakt mit Fabians Mutter Dorina L. zustande gekommen, Trovato und sie telefonierten.
Detektive loggten sich in Fabians Roblox-Account ein
Im Gespräch ging es dann auch um Roblox – ein Online-Spiel, das bei Kindern beliebt ist, das auch Fabian spielte und über das er mit seinen Freunden chattete. Die Idee der Detektive: Womöglich könnte es in den Chats Hinweise darauf geben, wo sich Fabian befindet. Allerdings hatte Fabians Mutter das Passwort für den Roblox-Account nicht. Deshalb wählten die Detektive gemeinsam mit der Mutter eine andere Variante: Sie setzten gemeinsam das Passwort zurück.

Dann loggten sie sich ein – es ist die Erklärung dafür, warum der Account noch aktiv war, als Fabian bereits als vermisst galt. Alles sei aber in Absprache mit der Mutter von Fabian passiert. In den Chats hätten die Ermittler nichts entdeckt, seien aber trotzdem auf Ungereimtheiten gestoßen. Denn: Mit dem Roblox-Konto des kleinen Fabian aus Güstrow war eine weitere E-Mail-Adresse verknüpft, die bis dahin unbekannt war. „Selbst Fabians Mutter kannte sie nicht, das kam uns komisch vor“, sagte Trovato gegenüber der Ostsee-Zeitung.
Fabian spielte Roblox, aber was ist das überhaupt?
Roblox ist eine Online-Plattform, auf der Menschen Millionen von Spielen und virtuellen Welten selber erstellen, teilen und spielen können. Das Besondere: Viele Inhalte werden von den Nutzern selbst entwickelt. Mit dem kostenlosen Programm „Roblox Studio“ können auch Anfänger eigene Spiele gestalten – von Abenteuerwelten über Rennspiele bis hin zu Simulationen.
Roblox ist auf Smartphones, Tablets, PCs und Konsolen verfügbar und verbindet Spieler aus aller Welt. Die virtuelle Währung heißt „Robux“ und kann für Gegenstände, Kleidung oder besondere Funktionen ausgegeben werden. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist Roblox sehr beliebt.
Warum Fabian die E-Mail-Adresse anlegte, bleibt sein Geheimnis. Zumindest das Rätsel, warum noch eine Anmeldung in seinem Account stattfand, konnte allerdings gelöst werden. Werden sich auch die anderen Fragen im Mordprozess aufklären lassen? Vor allem eine ist entscheidend: Wer hat den Jungen getötet?

Vor Gericht muss sich Gina H. verantworten. Die Anklage wirft ihr vor, den kleinen Fabian am 10. Oktober unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt zu haben. Die Ermittler glauben, dass sie den Jungen zu einem Tümpel in der Nähe von Klein Upahl brachte und ihn dort mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers tötete.


