Roblox sieht auf den ersten Blick aus wie ein harmloses Kinderspiel. Bunte Figuren, niedliche Welten, alles wirkt wie Lego – und genau deshalb lassen viele Eltern ihre Kinder dort stundenlang spielen. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell: Roblox ist nicht einfach ein Spiel, sondern eine riesige Plattform mit unzähligen Welten, Chats und Funktionen, die Eltern oft gar nicht überblicken können. Und genau darin liegt die Gefahr.
Erwachsene verstehen Roblox nicht
Tobias Dillinger warnt im Gespräch mit dem Berliner KURIER davor, wie sehr Erwachsene die Dimension digitaler Plattformen unterschätzen. „Ich finde, nicht nur wir Eltern, die meisten Menschen draußen verstehen es auch nicht“, sagt er. „Erwachsene verstehen es einfach nicht.“
Dillinger ist Medienunternehmer und betreibt seit vielen Jahren eine Kommunikationsagentur mit Schwerpunkt Social Media. Er ist Vater eines 13-jährigen Sohnes und engagiert sich seit langem als Elternsprecher. Gemeinsam mit anderen Eltern hat er den Blog „Medienzeit“ gegründet – ein Magazin „von Eltern für Eltern“, das über Smartphones, Social Media, Games und aktuelle digitale Entwicklungen aufklärt.

Wenn es um konkrete Gefahren geht, wird Dillinger sehr deutlich. „Also eine ganz, ganz große Gefahr, die Eltern wirklich gar nicht sehen, ist Roblox.“ Viele Erwachsene kennen Roblox nicht einmal – obwohl Kinder dort längst Alltag leben. Roblox sei eben nicht einfach ein Spiel, betont er, sondern etwas anderes: „Das ist kein Spiel, das ist eine Plattform. Das ist auch genau der Unterschied.“
Auf dieser Plattform könne praktisch jeder Inhalte erstellen und hochladen. „Roblox ist eine Plattform, in der jeder Mensch auf der Welt, der irgendwie lustig ist und zwei, drei Skills hat, Räume erstellen und hochladen kann.“
Dieser düstere Ort ist nichts für Kinder
Und genau das habe Folgen. Dillinger beschreibt Welten, die Kinder verstören oder überfordern. Dazu gehören nach seinen Erfahrungen unter anderem Gewaltspiele, in denen Figuren erschossen, gefoltert oder gejagt werden, ebenso wie Räume, in denen reale Terroranschläge oder Schulmassaker nachgestellt werden. Auch extremistische und pornografische Inhalte tauchten immer wieder auf.
Gleichzeitig wirke Roblox nach außen wie ein netter Spielplatz. Eltern denken dann, „Na ja, das sieht ja irgendwie niedlich aus, wie Lego und Playmobil“. Doch Dillinger sagt: „Aber in Wahrheit schicken sie ihr Kind an einen wirklich düsteren Ort.“
Fremde haben schnellen Kontakt zu Kindern
Besonders kritisch sieht Dillinger, wie leicht Kinder auf Roblox von Fremden angesprochen werden können. Die Plattform sei nach seiner Einschätzung eine der wichtigsten Kontaktflächen, auf denen pädokriminelle Täter gezielt versuchen, Kinder anzusprechen.

Ein weiteres großes Problem ist aus Dillingers Sicht, dass viele Eltern gar nicht mitbekommen, was ihre Kinder online tatsächlich erleben. Er verweist auf Ergebnisse der JIM-Studie und beschreibt einen deutlichen Widerspruch zwischen Kinder-Realität und Eltern-Wahrnehmung. „In der letzten JIM-Studie hat fast ein Drittel, 29 Prozent, der Kinder angegeben, schon mal online sexuell belästigt worden zu sein. Aber wenn du Eltern fragst, waren es null“, sagt er.
Gruppendruck schon in der Grundschule
Nach Dillingers Erfahrung beginnt die Nutzung von Roblox sehr früh. „Dritte, vierte, fünfte Klasse geht es los“, sagt er. In vielen Schulen gebe es in diesen Jahrgangsstufen kaum noch Kinder, die die Plattform nicht nutzen. Dadurch entstehe zusätzlicher sozialer Druck. Viele Eltern hätten Angst, ihr Kind könne ausgeschlossen werden, wenn es nicht mitmacht. Dillinger kennt diese Argumente und macht deutlich, wie groß der Druck auf Familien tatsächlich ist.


