Kein Facebook unter 16

Überraschung bei Lanz: CDU-Mann will Social Media für Teenies verbieten

Daniel Günther will Kinder und Jugendliche vor sozialen Medien schützen. Doch seine Argumente bei Markus Lanz werfen Fragen auf.

Author - Sharone Treskow
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Daniel Günther überraschte Moderator Markus Lanz mit seinen Argumenten für eine Social-Media-Zensur.
Daniel Günther überraschte Moderator Markus Lanz mit seinen Argumenten für eine Social-Media-Zensur.Cornelia Lehmann, ZDF

Markus Lanz ist zurück aus seiner Winterpause. Am Mittwochabend war unter anderem Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in seiner Talkshow zu Gast. Der Politiker sorgte vor allem mit seinem Vorschlag, Social Media für unter 16-Jährige zu verbieten, für Aufsehen.

Werden unsere Kinder in den sozialen Medien „infiltriert“?

In der Talkrunde am Mittwochabend diskutierten die Anwesenden über ein AfD‑Verbotsverfahren. Daniel Günther sprach sich dafür aus und sagte: „Wir haben die Pflicht, unsere Demokratie zu schützen.“ In diesem Zuge nahm das Gespräch eine überraschende Wendung.

Günther erklärte, ein wichtiger Punkt in dem Bereich sei eine Regulierung der sozialen Medien. Laut Günther müsse vor allem die Jugend gezielt vor Desinformationen geschützt werden. Er forderte: „Social Media darf bis 16-Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden!“ Über Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. würden Kinder „infiltriert“ werden.

In der jüngsten Sendung von Markus Lanz wurde darüber diskutiert, wie man die Demokratie schützen sollte.
In der jüngsten Sendung von Markus Lanz wurde darüber diskutiert, wie man die Demokratie schützen sollte.imago/teutopress GmbH

„Warum machen wir in Schleswig-Holstein eine Abkehr von allen Microsoft-Produkten?“, fragte der Ministerpräsident. Sein Bundesland sei „wahrscheinlich weltweit das einzige“, das alles aus den Landesbehörden entfernt habe, „was mit diesen Tech-Konzernen verbunden ist“. Ziel sei es, sich zu schützen: „Damit wir von denen nicht mehr infiltriert werden.“

CDU-Mann zieht Zensur der Meinungsfreiheit vor

Lanz zeigte sich irritiert von Günthers Tirade und hakte nach: „Sie haben kein Google, kein Facebook, kein Instagram, kein Word, kein Microsoft?“ Schleswig-Holstein setze in den Behörden nur noch auf Open-Source-Lösungen, antwortete Günther. „Wir machen eine Werbetour in Europa, auch in Deutschland insgesamt, dass wir uns generell dagegen schützen müssen.“

Auch als der ZDF-Moderator fragte, ob im Falle eines Social-Media-Verbots für Heranwachsende notfalls sogar Regulierung, Zensur oder Verbote für ihn in Ordnung seien, blieb Günther dabei.

Autor Adrian Geiges argumentierte gegen Daniel Günther mit dem Beispiel China.
Autor Adrian Geiges argumentierte gegen Daniel Günther mit dem Beispiel China.teutopress GmbH/imago

Damit überraschte er nicht nur Lanz, sondern auch den anwesenden China-Experten Adrian Geiges: „Ich höre das mit sehr gemischten Gefühlen. Ich habe zehn Jahre in China gelebt – in einem Land, in dem das Internet zensiert wird.“ Weiter warf Geiges ein: „Wer entscheidet dann, was ist erlaubt und was ist Propaganda und Lüge?“ Am Ende werde „sehr schnell fast alles zensiert“.

Was sagen Sie zu Günthers Vorschlag, Kinder und Jugendliche durch ein Verbot vor Social Media zu schützen? Schicken Sie uns einen Leserbrief mit Ihrer Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.