Die erste deutsche Stadt zieht Konsequenzen aus einer oft unterschätzten Gefahr im heimischen Garten: Cottbus verbietet künftig den nächtlichen Betrieb von Mährobotern. Die Verfügung tritt am 17. Mai in Kraft. Ziel ist es, Igel und andere nachtaktive Tiere besser zu schützen.
Geräte dürfen nur außerhalb der Dämmerungs- und Nachtstunden eingesetzt werden
Kern dieses Nachtfahrverbotes für die kleinen Mähmaschinen: Sie dürfen in der Brandenburger Stadt nur noch außerhalb der Dämmerungs- und Nachtstunden eingesetzt werden. Konkret von einer halben Stunde nach Sonnenaufgang bis eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Gerade in den Abend- und Nachtstunden sind viele Kleintiere aktiv. Igel, Kröten oder Käfer durchstreifen dann Rasenflächen auf Nahrungssuche – und geraten dabei immer wieder in den Weg der autonomen Mäher.
Das Problem: Diese Begegnungen enden häufig mit schweren Verletzungen – oder sogar tödlich. Mähroboter arbeiten meist unbeaufsichtigt und erkennen Igel nicht als Hindernis. Und statt zu fliehen, rollen sich die Tiere bei Gefahr zusammen. Es ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der jedoch gegen rotierende Klingen wirkungslos ist.
Folge: Die Maschinen überrollen die Tiere, verursachen tiefe Schnittwunden, amputieren Gliedmaßen oder verletzen sie so schwer, dass sie später qualvoll verenden.

Wie gravierend das Problem ist, zeigt eine Studie der Universität Aalborg in Dänemark: 18 Mähroboter wurden dort getestet – keiner erkannte einen im Gras liegenden Igel rechtzeitig. Einige Geräte fuhren sogar direkt über die Tiere hinweg. Besonders Modelle mit feststehenden Messern verursachten schwere Verletzungen wie aufgeschlitzte Körper oder abgetrennte Gliedmaßen.
Viele Igel werden erst Tage oder Wochen nach einem Unfall gefunden
Auch in Deutschland bestätigen Untersuchungen, etwa vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die Gefahr. Viele verletzte Igel werden demnach erst Tage oder Wochen nach einem Unfall gefunden. Besonders gefährdet sind Jungtiere, die so klein sind, dass sie unter manchen Geräten kaum wahrgenommen werden.

Cottbus reagiert damit auch auf eine breitere Entwicklung: Gärten gewinnen als Lebensräume für Wildtiere zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig bedrohen intensive Pflege und Technik die Artenvielfalt. Häufiges Mähen verdrängt Blühpflanzen – und damit die Nahrungsgrundlage vieler Insekten und Tiere.





