Zeitumstellung

Bürokratie-Chaos sorgt dafür, dass die Zeitumstellung noch bleibt

80 Prozent aller EU-Bürger wollen die Zeitumstellung abschaffen, doch Europa wird sie einfach nicht los. Der Grund dafür ist so absurd wie bürokratisch.

Author - Jana Hollstein
Teilen
Die Abschaffung der Zeitumstellung ist ein bürokratischer Alptraum.
Die Abschaffung der Zeitumstellung ist ein bürokratischer Alptraum.Christian Ohde/imago

Am Sonntag, den 29. März, um Punkt 2 Uhr nachts passiert es erneut. In ganz Europa stellen sich Wecker, Mikrowelle und Backofen um eine Stunde nach vorne, es ist wieder Sommerzeit. Und viele fragen sich: Warum eigentlich noch? Denn mit dieser Uhrendreherei sollte eigentlich längst Schluss sein.

Die meisten Europäer gegen die Zeitumstellung

Eine europaweite Umfrage mit einer Beteiligung von 4,6 Millionen Menschen zeichnete ein klares Bild. Über 80 Prozent der Europäer sprachen sich laut und deutlich gegen die Zeitumstellung aus. Die Gründe sind vielfältig und längst bewiesen. Der Schlafrhythmus ist im Eimer, Kinder quengeln, Kühe sind verwirrt - alles für eine angebliche Stromersparnis, die Experten längst widerlegt haben.

Europa führte Zeitumstellung 1980 nach Ölkrise ein

Der Ursprung der Idee der Zeitumstellung geht Jahrzehnte zurück. 1978 beschloss die Bundesrepublik gemeinsam mit anderen europäischen Staaten die Sommerzeit. Hintergrund war die Ölkrise im Jahr 1973. Man erhoffte sich mehr Tageslicht, dadurch weniger Lampennutzung, dadurch weniger Stromverbrauch. 1980 ging es los. Sogar die DDR machte damals mit. Ende Oktober wurden die Uhren wieder auf die sogenannte Normalzeit zurückgestellt. Was damals clever klang, empfinden viele heute nur noch als Nervfaktor.

Deutschland setzt sich im EU-Parlament dafür ein, die Sommerzeit beizubehalten.
Deutschland setzt sich im EU-Parlament dafür ein, die Sommerzeit beizubehalten.Stefan Sauer/dpa

Doch die Umfrage von 2018 zeigte tatsächlich Wirkung – zumindest kurzfristig. 2019 stimmte das EU-Parlament für das Ende der Zeitumstellung, weil sie wirtschaftlich nichts bringen würde. Was daraus wurde? Gar nichts. Der Grund ist so bürokratisch wie absurd: Die EU-Staaten können sich nicht darauf einigen, was die neue Normalzeit werden soll.

Chaos im EU-Parlament um die Zeitumstellung

Ein absolutes Zeit-Chaos drohte. Während Deutschland gerne die Sommerzeit behalten würde, um es abends länger hell zu haben, stimmte Skandinavien – vor allem Finnland – für eine dauerhafte Winterzeit. Dort leiden viele Menschen zwar ebenfalls gesundheitlich unter der Umstellung, doch im Winter ist es im Norden ohnehin fast immer dunkel, im Sommer fast immer hell. Polen schließ sich ihnen an.

Frankreich und Spanien bremsten schließlich in der EU-Debatte aus, aus Angst vor einem Zeitzonen-Chaos quer über den Kontinent. Andere Länder wie Italien oder die Niederlande lehnen sich währenddessen zurück. Ihnen fehlt die Motivation und die klare Meinung, die Diskussion weiter voranzuschieben.

Und so bleibt uns die nervige Uhrendreherei in Europa trotz offiziellem Beschluss erstmal erhalten.

Was ist Ihre Meinung zur Zeitumstellung? Ziehen Sie die Sommer- oder Winterzeit vor? Schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com