Schock in Sachsen

Aus für DDR-Textilgigant – Investor lässt Deal kurzfristig platzen

Nach 120 Jahren schließt der sächsische Textilproduzent Damino seine Tore. 80 Mitarbeiter stehen vor dem Aus.

Author - Sebastian Krause
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Das Traditionsunternehmen Damino in Großschönau in Sachsen steht vor dem Aus. Nach 120 Jahren muss der Textilhersteller seinen Betrieb einstellen.
Das Traditionsunternehmen Damino in Großschönau in Sachsen steht vor dem Aus. Nach 120 Jahren muss der Textilhersteller seinen Betrieb einstellen.Rainer Weisflog/imago

Nach 120 Jahren ist Schluss: Der sächsische Textilproduzent Damino aus Großschönau macht Anfang Juni dicht. Für 81 Beschäftigte bedeutet das das Aus. Vor 1989 war die Textilindustrie in der Lausitz einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige der DDR. Nach und nach schlossen immer mehr Betriebe.

Deal zur Rettung platzt in letzter Sekunde

Besonders bitter: Die Rettung war greifbar nah, doch in letzter Sekunde platzte der Deal mit einem Investor aus Usbekistan. Das berichtet der MDR.

Vollständiger Kaufpreis wird nicht ganz überwiesen

Wie aus einer Mitteilung des Insolvenzverwalters hervorgeht, scheiterte die geplante Übernahme daran, dass der vollständige Kaufpreis nicht überwiesen wurde. Zwar hatte die Zarhal Group aus Usbekistan eine Vorauszahlung geleistet, doch der Restbetrag blieb aus.

Damino stand kurz vor der Rettung. Doch weil nicht der gesamte Kaufpreis überwiesen wurde, platzte der Deal.
Damino stand kurz vor der Rettung. Doch weil nicht der gesamte Kaufpreis überwiesen wurde, platzte der Deal.Rainer Weisflog/imago

Als Begründung verweist das Unternehmen auf massive Hürden im eigenen Bankensystem: Internationale Überweisungen werden zentral überwacht, Fremdwährungszahlungen können dort auf unbestimmte Zeit blockiert werden – offenbar auch in diesem Fall. Für die Gläubiger war das Risiko am Ende zu groß. Sie entschieden, den Traditionsbetrieb stillzulegen.

Schock in Großschönau ist groß

Dabei hatten die Verantwortlichen bis zuletzt gekämpft. Geschäftsführer Sandro Strack erklärte: „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir alles in unserer Macht Stehende dafür getan, den Kaufvertrag zu vollziehen und die Transaktion rechtskräftig umsetzen zu können“, sagte er in einer Mitteilung.

Wir sind völlig überrascht worden von dieser Nachricht.

Frank Peuker, Bürgermeister von Großschönau

Derweil sitzt der Schock im Ort tief. Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker sagte dem MDR: „Wir sind völlig überrascht worden von dieser Nachricht.“ Für die Gemeinde sei das Aus mehr als nur ein wirtschaftlicher Einschnitt. Es sei ein „Schock“, weil die Damastweberei seit mehr als 360 Jahren mit Großschönau verbunden sei.

Aus für eines der letzten großen Textilunternehmen

Entsprechend kritisch sieht Peuker auch die Begründung des Investors: „Ich mag das nicht beurteilen, aber es liest sich nicht gerade schlüssig.“

Tatsächlich steht mit Damino nicht irgendein Betrieb vor dem Aus, sondern eines der letzten großen Textilunternehmen Deutschlands, das noch die komplette Produktion unter einem Dach vereint. Dort entstehen Spezialstoffe für Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge ebenso wie hochwertige Textilien für Hotels oder Möbelhersteller.

Damino wird 1906 gegründet und eine Erfolgsgeschichte

Die Wurzeln des Unternehmens in Großschönau reichen weit zurück. Schon 1666 brachten Weber die Damasttechnik aus den Niederlanden in den Ort – der Beginn einer jahrhundertelangen Tradition. Damino selbst wurde 1906 gegründet und war lange ein Symbol für die textile Erfolgsgeschichte. Jetzt endet sie.

Die Lausitz hat eine lange Tradition in der Textilindustrie. Mit dem Aus von Damino bricht der nächste Betrieb weg.
Die Lausitz hat eine lange Tradition in der Textilindustrie. Mit dem Aus von Damino bricht der nächste Betrieb weg.Rainer Weisflog/imago

Das Aus von Damino trifft die Region hart. Die Textilindustrie in der Lausitz, besonders in der einstigen „Textilstadt“ Forst, war einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige der DDR. Mehr als 100 Jahre lang war die Branche das Rückgrat der kompletten Region. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in der Niederlausitz mit dem Industriedreieck Cottbus-Forst-Spremberg, wo besonders die Tuchindustrie tiefe Wurzeln hatte, eine Hochburg der Textilindustrie. Bis 1989 waren fast 320.000 Menschen in der Textilindustrie beschäftigt.

Zahlreiche Betriebe existieren heute nicht mehr

Aushängeschild war der VEB Textil- und Konfektionsbetrieb Cottbus (TKC). Er wurde 1967/68 geplant und errichtet, der Kleidung aus Polyesterseide (Dederon) herstellte. Dazu gab es kleinere Betriebe wie die Tuchfabrik Max Danneberger, Tuchfabrik C. Ungers oder Tuchfabrik F. Schmidt.

Nach 1990 brach nicht nur die gesamte Textilindustrie in Forst, sondern in der kompletten Lausitz zusammen. Damit brach fast die komplette textile Lebensader weg und es verstummten von Cottbus bis ins sächsische Neugersdorf die Webstühle. 

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