Nach 120 Jahren ist Schluss: Der sächsische Textilproduzent Damino aus Großschönau macht Anfang Juni dicht. Für 81 Beschäftigte bedeutet das das Aus. Vor 1989 war die Textilindustrie in der Lausitz einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige der DDR. Nach und nach schlossen immer mehr Betriebe.
Deal zur Rettung platzt in letzter Sekunde
Besonders bitter: Die Rettung war greifbar nah, doch in letzter Sekunde platzte der Deal mit einem Investor aus Usbekistan. Das berichtet der MDR.
Vollständiger Kaufpreis wird nicht ganz überwiesen
Wie aus einer Mitteilung des Insolvenzverwalters hervorgeht, scheiterte die geplante Übernahme daran, dass der vollständige Kaufpreis nicht überwiesen wurde. Zwar hatte die Zarhal Group aus Usbekistan eine Vorauszahlung geleistet, doch der Restbetrag blieb aus.

Als Begründung verweist das Unternehmen auf massive Hürden im eigenen Bankensystem: Internationale Überweisungen werden zentral überwacht, Fremdwährungszahlungen können dort auf unbestimmte Zeit blockiert werden – offenbar auch in diesem Fall. Für die Gläubiger war das Risiko am Ende zu groß. Sie entschieden, den Traditionsbetrieb stillzulegen.
Schock in Großschönau ist groß
Dabei hatten die Verantwortlichen bis zuletzt gekämpft. Geschäftsführer Sandro Strack erklärte: „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir alles in unserer Macht Stehende dafür getan, den Kaufvertrag zu vollziehen und die Transaktion rechtskräftig umsetzen zu können“, sagte er in einer Mitteilung.
Wir sind völlig überrascht worden von dieser Nachricht.
Derweil sitzt der Schock im Ort tief. Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker sagte dem MDR: „Wir sind völlig überrascht worden von dieser Nachricht.“ Für die Gemeinde sei das Aus mehr als nur ein wirtschaftlicher Einschnitt. Es sei ein „Schock“, weil die Damastweberei seit mehr als 360 Jahren mit Großschönau verbunden sei.
Aus für eines der letzten großen Textilunternehmen
Entsprechend kritisch sieht Peuker auch die Begründung des Investors: „Ich mag das nicht beurteilen, aber es liest sich nicht gerade schlüssig.“
Tatsächlich steht mit Damino nicht irgendein Betrieb vor dem Aus, sondern eines der letzten großen Textilunternehmen Deutschlands, das noch die komplette Produktion unter einem Dach vereint. Dort entstehen Spezialstoffe für Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge ebenso wie hochwertige Textilien für Hotels oder Möbelhersteller.
Damino wird 1906 gegründet und eine Erfolgsgeschichte
Die Wurzeln des Unternehmens in Großschönau reichen weit zurück. Schon 1666 brachten Weber die Damasttechnik aus den Niederlanden in den Ort – der Beginn einer jahrhundertelangen Tradition. Damino selbst wurde 1906 gegründet und war lange ein Symbol für die textile Erfolgsgeschichte. Jetzt endet sie.

Das Aus von Damino trifft die Region hart. Die Textilindustrie in der Lausitz, besonders in der einstigen „Textilstadt“ Forst, war einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige der DDR. Mehr als 100 Jahre lang war die Branche das Rückgrat der kompletten Region. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in der Niederlausitz mit dem Industriedreieck Cottbus-Forst-Spremberg, wo besonders die Tuchindustrie tiefe Wurzeln hatte, eine Hochburg der Textilindustrie. Bis 1989 waren fast 320.000 Menschen in der Textilindustrie beschäftigt.




