Insolvenzverfahren

Nach 130 Jahren droht Traditions-Papierfabrik der DDR das Aus

Die Perfecta Schneidemaschinenwerk GmbH Bautzen muss durch ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und kämpft um 86 Arbeitsplätze.

Author - Stefan Doerr
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Getriebe mit Zahnrädern werden in der Perfecta-Schneidmaschinenwerk GmbH Bautzen für die Polygrafische Industrie hergestellt.
Getriebe mit Zahnrädern werden in der Perfecta-Schneidmaschinenwerk GmbH Bautzen für die Polygrafische Industrie hergestellt.Imago/Rainer Weisflog

Wieder droht einer ostdeutschen Traditionsfirma das Aus: Der Traditionshersteller Perfecta Schneidemaschinenwerk GmbH Bautzen stellte Ende Dezember einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Die Firma will um die Jobs ihrer 86 Angestellten kämpfen und sucht jetzt Investoren.

Gehälter sind vorläufig gesichert

Laut Perfecta läuft der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter. Die Kunden werden weiterhin wie gewohnt beliefert. Auch die Belegschaft soll vorerst abgesichert sein: Die Löhne und Gehälter der 86 Beschäftigten sind für Dezember 2025 sowie Januar und Februar 2026 über das Insolvenzgeld gesichert, heißt es.

Ursache der finanziellen Schieflage ist laut dem Generalbevollmächtigten Dirk Eichelbaum eine verzögerte Lösung im Gesellschafterkreis. „Eine Nachfolgelösung im Gesellschafterkreis hat mehr Zeit benötigt als geplant“, erklärte der Generalbevollmächtigte, der die Firma bei der Sanierung unterstützt. Dadurch seien die strategische Neuausrichtung und eine Investorenlösung nicht rechtzeitig zum Abschluss gekommen.

Farbige Papierrollen auf einer Papierschneidemaschine – die Perfecta Schneidemaschinenwerk GmbH Bautzen hat Insolvenz angemeldet.
Farbige Papierrollen auf einer Papierschneidemaschine – die Perfecta Schneidemaschinenwerk GmbH Bautzen hat Insolvenz angemeldet.Imago/HRSchulz

130 Jahre lange Firmengeschichte

Nun richtet sich der Blick nach vorn – und auf mögliche Geldgeber. „Ziel ist es, im Verlauf des Eigenverwaltungsverfahrens weiter eine Investorenlösung zu sondieren und in diesem Zusammenhang unser Geschäftsmodell strategisch weiterzuentwickeln“, sagt Geschäftsführer Christian Baumann.

Das Unternehmen wurde 1896 gegründet und gilt nach eigenen Angaben als weltweit ältester Hersteller von Papierschneidemaschinen. Seit 1920 konzentriert sich das Unternehmen mit Sitz in Bautzen auf die Entwicklung und Produktion entsprechender Maschinen für die grafische Industrie. Es beliefert Kunden in mehr als 70 Ländern mit Schnellschneidern, Schneidsystemen und Peripheriegeräten wie Stapelhebern. Technologisch setzt Perfecta auf robotergestützte, intelligent vernetzte Systeme.

Erhalt der Arbeitsplätze oberstes Ziel

In der DDR gehörte Perfecta zum Kombinat Polygraph Werner Lamberz mit Hauptsitz in Leipzig. Perfecta war einer der insgesamt acht Volkseigenen Betriebe mit mehr als 40 Betriebsteilen der Branche papierverarbeitender Maschinenbau in der gesamten DDR. Die Gesamtzahl der Beschäftigten lag bei etwa 16.000.

Bei ehemaligen Mitarbeitern des Kombinats sitzt der Schock über das Insolvenzverfahren tief. „Zu DDR-Zeiten war die Firma ein profunder Betrieb mit Weltmarktniveau im Segment der Papeierschneidemaschinen. Es ist traurig, dass es nicht weitergeht“, sagt Dr. Hans-Jürgen Tappert zum KURIER. Der Diplom-Ingenieur hat 17 Jahre lang im Kombinat Polygraph Werner Lamberz gearbeitet

Welche Folgen die Insolvenz für die Arbeitsplätze konkret haben wird, bleibt offen. Ein Sprecher der Geschäftsführung sagte gegenüber der BILD, man stehe noch ganz am Anfang des vorläufigen Verfahrens. Eine optimale Investorenlösung umfasse jedoch „auch den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze“.