Radikaler Kurzschnitt bei Kik. Der Textil- und Haushaltswaren-Discounter wird in diesem Jahr Hunderte Filialen schließen. Die Zahl der Geschäfte sinkt demnach bis Ende 2026 in Europa um etwa 225 auf gut 4000, davon in Deutschland rund 150 auf rund 2200.
75 Neueröffnungen soll es geben
Europaweit sind 300 Schließungen vorgesehen und 75 Eröffnungen. Einige Standorte wurden bereits geschlossen, andere folgen in den kommenden Monaten.
Sind auch Berliner Kik-Standorte betroffen?
Ob unter den Schließungen oder Eröffnungen auch Berliner Filialen sind, ließ das Unternehmen auf KURIER-Anfrage offen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir auf Anfragen zu einzelnen Standorten nicht eingehen und keine Filialübersicht zur Verfügung stellen können“, hieß es.
Das Unternehmen betonte zudem, dass die Zahl der Schließungen wesentlich geringer ausfalle, als in den Medien im Herbst 2025 berichtet worden war. „Kik bleibt deutschlandweit mit einem starken Filialnetz vertreten und wird damit weiterhin gut für unsere Kund:innen erreichbar bleiben“, teilte das Unternehmen dem KURIER mit.
Kik hat sein Filialnetz zu dicht gebaut
Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel sagte zu den Gründen für die Schließungen, dass man das Portfolio auf Profitabilität trimme. „Die Formel ‚Wir machen fünf neue Filialen auf und haben fünfmal so viele Kunden‘ ist nicht 100-prozentig aufgegangen“, sagte er.
In einigen Fällen lägen Filialen weniger als einen Kilometer auseinander. „Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück.“ Alle verbleibenden Standorte seien profitabel.

Betroffene Beschäftigte sind noch nicht informiert
Zahlreiche Beschäftigte seien bislang nicht informiert worden, hieß es. „Im Falle von Filialschließungen werden wir die Mitarbeitenden der betroffenen Filialen in anderen Filialen weiterbeschäftigen oder anderweitig eine Lösung finden“, hieß es von Kik.
Kündigungen seien nicht geplant. Kik beschäftigt etwa 32.000 Menschen, 19.000 davon in Deutschland. Kümmel kann sich vorstellen, dass das Filialnetz in den kommenden Jahren weiter bereinigt wird.
Wettbewerbsfähigkeit soll gesteigert werden
Das Unternehmen hatte im September 2025 angekündigt, unrentable Filialen zu schließen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Bereits Ende des Jahres waren einige Geschäfte dichtgemacht worden.
Laut Kümmel wurden in der Vergangenheit bereits etwa 100 Filialen pro Jahr geschlossen, die Zahl der Neueröffnungen sei jedoch stets höher gewesen. „In Deutschland werden wir dieses Jahr insgesamt rund 150 Filialen nicht weiterführen. Gleichzeitig eröffnen wir nach aktuellem Plan rund 15 neue Standorte auf dem deutschen Markt“, hieß es von Kik auf KURIER-Anfrage.
Unsere loyale Kundschaft wächst.
Kik-Chef spricht von „loyaler Kundschaft“
Das Geschäftsmodell von Kik funktioniert nach Angaben von Kümmel weiter gut. „Unsere loyale Kundschaft wächst.“ Dennoch spürt das Unternehmen die Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher.
„Zwar erhält der Discount insgesamt Zulauf. Wir sehen aber, dass der ein oder andere Einkauf weggelassen wird.“ Kümmel zufolge hat sich das Konsumverhalten verändert. „Es gibt eine hohe Wechselbereitschaft und Preissensibilität bei Kunden.“
Kik will an seinem Konzept trotz Schließungen festhalten
Der Geschäftsführer sieht einen zunehmenden Wettbewerbsdruck – durch stationäre Händler wie Woolworth, NKD und Action sowie asiatische Onlineportale wie Shein und Temu. An seinem Konzept möchte Kik aber grundsätzlich festhalten und vornehmlich Textildiscounter sein.
Kernzielgruppe sollen weiterhin Frauen zwischen 30 und 60 Jahren mit ihren Familien sein. Rund 60 Prozent des Sortiments entfallen auf Textilien, der Rest auf Non-Food-Produkte wie Haushaltswaren und Deko.
Kik macht 2024 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro
Kik ist die Abkürzung für „Kunde ist König“ und wurde 1994 gegründet. Inzwischen ist die Kette in 14 europäischen Ländern vertreten. Im Jahr 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. In Deutschland zählt Kik zu den Einzelhändlern mit den meisten Verkaufsstellen.
Der stationäre Einzelhandel steht wegen der wachsenden Konkurrenz durch den Onlinehandel und der schlechten Konsumstimmung stark unter Druck. Die Zahl der Geschäfte dürfte in diesem Jahr laut einer Prognose des Handelsverbandes Deutschland auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
Zahl der Insolvenzen auf höchstem Stand seit zehn Jahren
Die Zahl der Insolvenzen in der Branche liegt nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. 2025 wurden 2571 Fälle verzeichnet.





