Jagdszenen im Stadion

Skandal in Dresden: Machen Ultras den Fußball kaputt?

Gewalteskalation bei Dynamo Dresden gegen Hertha BSC: Die Politik ist alarmiert. Drohen jetzt harte Maßnahmen im Fußball?

Author - Sebastian Schmitt
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Hertha-Boss Dr. Peter Görlich kämpfte zuletzt für die Fankultur. Die Gewaltexzesse in Dresden treten diese Bemühungen mit Füßen.
Hertha-Boss Dr. Peter Görlich kämpfte zuletzt für die Fankultur. Die Gewaltexzesse in Dresden treten diese Bemühungen mit Füßen.Sebastian Räppold/Matthias Koch/IMAGO

Es sind Bilder, die bleiben. Beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC eskaliert die Gewalt – mitten im Stadion. Während auf dem Platz um Punkte gekämpft wird, verlieren einige Chaoten auf den Rängen jede Kontrolle. Besonders einer wirkt danach tief getroffen: Hertha-Boss Dr. Peter Görlich.

Hertha in Dresden: Chaos statt Fußball

Dieses Spiel ist mehr als ein Skandal. Es ist ein Rückschlag.

Als in Dresden Böller detonieren, Raketen durch das Stadion fliegen und Fans den Innenraum stürmen, kippt ein Fußballabend in ein Gewalt-Protokoll der Schande. Szenen, die verstören. Szenen, die man so nicht mehr sehen wollte.

Und mittendrin: ein Verein, der eigentlich für etwas anderes stehen will.

Hertha-Boss Görlich tief getroffen

Herhas Geschäftsführer wirkt nach dem Spiel fassungslos. Görlich ist nicht laut, nicht wütend – sondern enttäuscht. Tief enttäuscht. Zuletzt hatte er nach den Vorfällen rund um das Hertha-Heimspiel gegen Schalke im Berliner Abgeordnetenhaus für die Fankultur geworben, für Dialog statt Konfrontation, für Vertrauen statt Repression.

Skandal in Dresden: Polizisten laufen während einer Spielunterbrechung beim Duell von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC im Stadion auf das Spielfeld.
Skandal in Dresden: Polizisten laufen während einer Spielunterbrechung beim Duell von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC im Stadion auf das Spielfeld.Sebastian Kahnert

Jetzt steht er da. Fassunglos wie so viele. Dennoch findet Görlich die richtigen Worte. Er sagt: „Das entspricht nicht meinem Wertegerüst. Sobald Gewalt im Spiel ist, sobald man auf andere Menschen mit Pyrotechnik schießt, hört es bei mir einfach auf. Ich möchte da überhaupt kein Verständnis in irgendeiner Art und Weise aufbringen. Der zweite Aspekt ist: Fans haben im Innenraum nichts zu suchen. Wir müssen Grenzen abstecken und werden in eine andere Dimension kommen. Wie die aussieht, kann ich im Moment noch nicht absehen.“

Chaoten fackeln alle Fan-Hoffnungen ab

Klare Worte. Worte, die notwendig sind. Denn was in Dresden im Rudolf-Harbig-Stadion passiert ist, trifft nicht nur Hertha und Dynamo. Es trifft eine ganze Fanszene, die gerade versucht, sich neu zu positionieren. Gespräche mit der Politik, Annäherung an die Sicherheitsbehörden, gemeinsame Proteste – zuletzt in Leipzig. Fans, die zeigen wollten: Wir können auch anders.

Und dann das. Chaoten, die genau diese Bemühungen mit Füßen treten. Die Argumente liefern für schärfere Maßnahmen, für mehr Kontrolle, für genau das, was viele in den Kurven verhindern wollen.

Gewalt in Dresden: Fanszene verspielt Vertrauen

„Pyrotechnik ist kein Verbrechen“, singen die Fans gerne. Doch dieser Satz wirkt an solchen Abenden wie Hohn. Denn was hier passiert, hat mit kontrollierter Fankultur nichts zu tun. Die Innenminister dürften genau hingesehen haben. Wenn Raketen in neutrale Zuschauerbereiche fliegen, wenn Menschen in Gefahr geraten, dann ist das nicht Stimmung – dann ist das Gewalt.

Herthas Geschäftsfürher Dr. Peter Görlich im Austausch mit Berlins Innensenatorin Iris Spranger. Das Skandal-Spiel von Dresden wird für neuen Gesprächstoff sorgen.
Herthas Geschäftsfürher Dr. Peter Görlich im Austausch mit Berlins Innensenatorin Iris Spranger. Das Skandal-Spiel von Dresden wird für neuen Gesprächstoff sorgen.Michael Taeger/IMAGO

Und die wird Konsequenzen haben. Die Polizei und der DFB ermitteln, beiden Klubs drohen empfindliche Strafen, Auflagen, vielleicht mehr. Ein Nachspiel, das wehtun wird.

Die Innenminister werden sich bestätigt fühlen

Doch der eigentliche Schaden ist größer. Vertrauen geht verloren. Gesprächsbereitschaft bröckelt. Die Fronten verhärten sich wieder.

Görlich weiß das. Und genau deshalb trifft ihn dieser Abend so hart. Denn während auf dem Platz eine Mannschaft Moral zeigt, sich in Unterzahl wehrt und mit dem 1:0-Sieg im Aufstiegskampf ein Zeichen setzt, zerstören andere genau das Bild, das der Fußball gerade dringend braucht. Görlich: „Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst.“

Folgen für Fußball-Deutschland werden hart

In Dresden sieht man das ähnlich. Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann findet deutliche Worte – und trifft damit den Kern der Debatte: Angesichts der ohnehin aufgeheizten Diskussionen um strengere Stadionregeln sei so ein Abend „ein ganz großer Schuss in den Ofen, vollkommen daneben“. Mehr noch: Solche Bilder helfen „überhaupt nicht weiter“.

Im Gegenteil. Sie verschärfen die Fronten. Und sie gefährden genau das, was die Fankultur eigentlich schützen will.