„Sieht gut aus“

Plötzlich spricht sogar Trainer Stefan Leitl vom Hertha-Aufstieg

Hertha BSC gewinnt in Dresden und rückt im Aufstiegsrennen näher ran. Trainer Leitl lässt sich nur kurz locken – doch die Tabelle spricht für sich.

Author - Sebastian Schmitt
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Hertha-Trainer Stefan Leitl spricht nach dem Sieg in Dresden zwar weiter nicht über den Aufstieg, findet den Blick auf die Tabelle aber schön.
Hertha-Trainer Stefan Leitl spricht nach dem Sieg in Dresden zwar weiter nicht über den Aufstieg, findet den Blick auf die Tabelle aber schön.Sebastian Kahnert/Imago

Dieses Spiel hat Spuren hinterlassen – auf den Rängen und auf dem Platz. Mit dem 1:0 (0:0) im Skandal‑Spiel bei Dynamo Dresden nimmt Hertha BSC sportlich genau das mit, was so lange gefehlt hat: einen Sieg im richtigen Moment. Plötzlich rückt der Aufstieg wieder ins Blickfeld. Und selbst Trainer Stefan Leitl kann sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

Hertha-Sieg im Hexenkessel von Dynamo

Dieses Spiel war alles – nur kein normales. Fan‑Gewalt, Unterbrechungen, Ausnahmezustand. Dresden liefert Bilder, die verstören und Fußball-Deutschland und die Fanszene noch lange beschäftigen werden. Doch nach dem Chaos neben dem Rasen passiert auf dem Platz etwas anderes: Hertha gewinnt.

1:0 in Dresden. Ausgerechnet in diesem Hexenkessel. Ausgerechnet im ersten echten Endspiel dieser Saison. Ein Sieg, der mehr ist als drei Punkte – es ist ein Signal.

Denn seit der Pleite in Paderborn hatte Stefan Leitl das Wort Aufstieg konsequent vermieden. Zu groß die Rückstände, zu wenig Konstanz. Doch nach diesem Abend bricht selbst er sein Schweigen – zumindest ein bisschen. Auf die Frage nach der Tabelle grinst Leitl nur kurz: „Sieht gut aus!“ Mehr sagt er nicht. Und doch sagt es alles.

Hertha-Trainer Stefan Leitl bleibt ruhig

Denn wer jetzt glaubt, Herthas Trainer bläst zur großen Aufholjagd, liegt daneben. Leitl bleibt seiner Linie treu und bremst sofort: „Wir wollen diese Saison nicht abschenken und das Maximum rausholen.“ Klingt nüchtern – ist aber brutal erfolgreich.

Toni Leistner feiert zusammen mit seinen Hertha-Mitspielern den Torwart Tjark Ernst, der in Dresden einen Handelfmeter pariert hat.
Toni Leistner feiert zusammen mit seinen Hertha-Mitspielern den Torwart Tjark Ernst, der in Dresden einen Handelfmeter pariert hat.Björn Reinhardt/IMAGO

Denn genau das passiert gerade. Hertha punktet. 13 Zähler aus den letzten fünf Spielen sprechen eine klare Sprache. Die Mannschaft funktioniert, wirkt stabil, glaubt wieder an sich. Und plötzlich passt auch die Tabelle.

Hertha verkürzt im Aufstiegsrennen zur Bundesliga

Darmstadt patzt in Bielefeld, Hannover und Elversberg nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Hertha rückt ran. Vor dem Spiel in Dresden waren es noch sieben Punkte Rückstand – jetzt sind es nur noch fünf auf Rang drei.

So schön kann siegen sein: Die Profis von Hertha BSC feiern in Dresden und wittern im Aufstiegsrennen Morgenluft.
So schön kann siegen sein: Die Profis von Hertha BSC feiern in Dresden und wittern im Aufstiegsrennen Morgenluft.Sebastian Kahnert

Der Traum vom Aufstieg lebt. Auch, weil der Spielplan mitspielt. Während sich die Konkurrenz oben gegenseitig bekämpft, trifft Hertha BSC nur noch auf Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Leitl wiegelt ab: „Wir haben heute gesehen, wie schwer es ist. Und diese zweite Liga ist verrückt.“

Toni Leistner lüftet Hertha-Geheimnis

Das Gute: Hertha ist unter all den Verrückten derzeit das verrückteste Team. Vor allem, weil Leitls Spieler Rückschläge plötzlich wegstecken und nicht mehr zerbrechen. Das spürt auch Abwehr‑Haudegen Toni Leistner: „Die Konkurrenz schwächelt ein bisschen. Wir wollen oben noch einmal Druck ausüben. Es tut uns vielleicht ganz gut, dass wir die Saison schon ein bisschen abgeschrieben haben. Wir spielen ohne Druck.

Wie sehr das Hertha hilft, sieht man zurzeit Woche für Woche. Und vielleicht schon wieder am kommenden Sonnabend, wenn der 1. FC Kaiserslautern (13 Uhr, Sky) im Berliner Olympiastadion aufschlägt.