Die Geschichte der DDR ist für viele Menschen vor allem mit einem Namen verbunden: Erich Honecker. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzende des Staatsrats der DDR gehört noch heute zu den Hass-Figuren vieler, die damals in der DDR lebten. Viele Menschen litten auch unter seiner Politik – die Schadenfreude über seinen Absturz nach dem Ende der DDR war entsprechend groß. Im Jahr 1992 musste Erich Honecker sogar Weihnachten im Knast feiern: Damals saß er in der JVA in Moabit, wartete auf seinen Prozess. Wie feierte er das Fest?
Weihnachten 1992 verbrachte Erich Honecker im Knast
Kurz vor dem Mauerfall im Jahr 1989 wurde auch Erich Honecker, einst mächtigster Mann der DDR, entmachtet. Für ihn begann ein Absturz: Nicht nur der Rücktritt von allen Ämtern folgte. Anfang 1990 erfuhr Erich Honecker, dass er an Nierenkrebs erkrankt war, zugleich begann die Strafverfolgung. Erst ging es um den Vorwurf, Honecker habe seine Macht als Generalsekretär des ZK der SED missbraucht, später wurde der Schießbefehl öffentlich, der DDR-Machthaber wurde für vier Tote persönlich verantwortlich gemacht.

In einem Krankenzimmer der Charité wurde er nach einer Krebs-Operation festgenommen, zunächst ins Haftkrankenhaus in Berlin-Rummelsburg eingeliefert. Dort wurde er aber wegen Haftunfähigkeit entlassen. Das Ehepaar Honecker kam zunächst im Pfarrhaus in Lobetal bei Bernau unter.
Danach ging es für Erich Honecker und Margot ins Militärhospital nach Beelitz – hier befand sich Honecker unter dem Schutz der sowjetischen Armee. Im März 1991 wurde Honecker nach Russland ausgeflogen. Von dort ging es für Margot Honecker später nach Chile, Erich Honecker aber wurde im Juli 1992 nach Deutschland ausgeliefert.
Essen für Honecker: So speiste er in der JVA Moabit
Hier wurde er in die Justizvollzugsanstalt Moabit eingeliefert, wo er erst nach 169 Tagen entlassen wurde. Das heißt: Auch das Weihnachtsfest 1992 verbrachte Erich Honecker im Gefängnis! Aber wie?
Wenig ist aus der damaligen Zeit überliefert, doch in unserem Archiv haben wir einen Artikel gefunden: In einer Meldung der Deutschen Presseagentur wurde beschrieben, wie Erich Honecker das Fest verbrachte, während seine Margot in Chile bei ihrer Tochter lebte. Ein üppiges Weihnachtsfest? Natürlich nicht. Für den damals 80-Jährigen änderte sich im Vergleich zum sonstigen Trott im Gefängnis wenig.

Die Speisekarte der Haftanstalt kündigte für den Heiligabend ein Festtagsmenü an: Honecker bekam laut dem Bericht Brühreis, Rindfleisch, Möhren und Sellerie serviert. Am ersten Weihnachtsfeiertag dann: „leichte Vollkost“. Die Speisekarte sah für den einstigen DDR-Staatschef Kalbsbraten mit Rosenkohl vor.

Das Essen für die JVA kam damals übrigens aus einer Großküche im Osten Berlins, die zu DDR-Zeiten als „VEB Berliner Städtische Großküchen“ Berliner Schulen versorgte. In dem Artikel meldete sich auch der Geschäftsführer der Küche zu Wort. Er sagte: „Bisher gab es aus der Haftanstalt noch keine Beschwerdebriefe.“ Ob es Honecker am Weihnachtsabend schmeckte, ist nicht überliefert.
Im Januar 1993 wurde der Haftbefehl gegen Honecker aufgehoben
Für Honecker gab es sonst nicht viel Abwechslung. Ungewiss war zum Zeitpunkt des Berichtes etwa, ob Honecker zum Fest Erich Mielke würde sehen können. Der Ex-Stasi-Chef saß im gleichen Bau. „Es besteht nach wie vor eine Trennungsanordnung“, sagte die damalige Sprecherin der Berliner Justiz. Sogar den Gang zur Kirche in der JVA hätte Honecker sich genehmigen lassen müssen. Dass er das getan hat, dürfte eher unwahrscheinlich sein: Der Staatschef der DDR war Atheist, in der DDR sollte Weihnachten eigentlich zu einem Friedensfest werden, weg vom kirchlichen Glauben.
Klar ist aber auch: Erich Honecker dürfte sowieso nicht viel Freude am Weihnachtsfest gehabt haben – er war schon damals von seiner Krebserkrankung schwer gezeichnet. Medizinische Gutachten gingen damals davon aus, dass es Honeckers letztes Weihnachtsfest sein könnte.




