Mit einem Stück Berliner Mauer macht man normalerweise keine Gartengrenze. Und erst recht wirft man es nicht einfach wieder weg, weil sich der Nachbar beschwert. Genau darüber wird jetzt aber in einem Londoner Wohnviertel diskutiert. Ein 65-Jähriger hat sich ein originales, 3,1 Meter hohes Segment der Berliner Mauer in seinen Garten stellen lassen. Während die einen neugierig vor dem Betonkoloss stehen, würde ein Nachbar das historische Relikt am liebsten wieder verschwinden sehen. Doch kann man mit einem Stück deutscher und DDR-Geschichte wirklich so umgehen wie mit einem zu hohen Gartenzaun?
Engländer stellt sich Berliner Mauer in seinen Garten
Für Steve aus Dulwich im Südosten Londons (Großbritannien) ist die Antwort eindeutig. Der Immobilienentwickler hat sich das tonnenschwere Mauersegment ganz bewusst angeschafft. Nicht als außergewöhnliche Gartendekoration, sondern als Erinnerungsort. Die Berliner Mauer sei für ihn ein Symbol eines der prägendsten Ereignisse seines Lebens. Der Kalte Krieg, die Teilung Deutschlands und der Mauerfall hätten ihn nachhaltig bewegt. Deshalb wollte er ein Originalsegment erhalten und sichtbar machen.

Aber mal eben bestellen und liefern ist gar nicht so leicht. Wie er der „Daily Mail“ erzählt, war der Kauf selbst noch der einfachste Teil. Richtig kompliziert wurde es erst danach. Transport, Organisation, Genehmigungen und schließlich die Installation verlangten jede Menge Planung und wogl auch ein ordentlich gefülltes Konto. Steve sagt selbst, es habe ein Vermögen gekostet, das Mauerstück überhaupt in seinen Garten zu bekommen.
Nachbar hetzt Behörden auf Steves Mauerstück
Eigentlich hätte die Geschichte damit enden können. Ein Mann erfüllt sich einen ungewöhnlichen Traum und ist glücklich. Immer wieder gibt es Spaziergänger, die begeistert schauen. Genau deshalb hat Steve sogar eine kleine Informationsbroschüre erstellt. Wer an seinem Garten vorbeikommt, soll schließlich nicht nur ein Stück Beton sehen, sondern verstehen, wofür dieses Bauwerk einst stand.
Doch dann meldete sich ein Nachbar zu Wort. Ihm ging es weniger um Geschichte als um Baurecht. Er wandte sich an den Southwark Council und vertrat die Auffassung, dass für ein mehr als drei Meter hohes Mauersegment eine Baugenehmigung erforderlich sei. Steve musste daraufhin nachträglich einen entsprechenden Antrag stellen. Nun liegt die Entscheidung bei der zuständigen Behörde. Klar ist: Der Nachbar will die Berliner Mauer weghaben und bringt Schande über die DDR-Geschichte!
Für den Briten wäre ein Abriss kaum vorstellbar. Zum einen, weil der Transport und die Aufstellung enorme Kosten verursacht haben. Zum anderen aber, weil für ihn deutlich mehr dahintersteckt als ein außergewöhnlicher Blickfang. Gegenüber der „Daily Mail“ sagte Steve, es wäre „ein Verbrechen“, das Mauerstück wieder zu entfernen.



