Kennen Sie diesen Tag noch? Millionen gingen auf die Straße, forderten Freiheit, und einige bezahlten dafür mit dem Leben. Der 17. Juni 1953 war einer der dramatischsten Tage der deutschen Geschichte. Und doch wissen heute immer weniger Menschen, was damals passierte. Der einstige Nationalfeiertag ist längst verschwunden – geblieben ist nur ein Gedenktag, der zunehmend in Vergessenheit gerät.
Warum der 17. Juni kein Feiertag mehr ist – und fast vergessen wird
Dabei war der Volksaufstand ein historisches Ereignis von großer Tragweite. Mehr als eine Million Menschen gingen am 17. Juni 1953 in Ostberlin und rund 700 weiteren Orten in der DDR auf die Straße. Die Demonstranten forderten bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, freie Wahlen und die Wiedervereinigung Deutschlands.
Doch die Proteste wurden brutal niedergeschlagen: Sowjetische Truppen und DDR-Sicherheitskräfte gingen gewaltsam gegen die Bevölkerung vor. Mindestens 55 Menschen wurden getötet, rund 15.000 verhaftet und etwa 1500 später verurteilt, einige sogar zum Tode.

Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB), Frank Ebert, bezeichnet den 17. Juni 1953 als einen entscheidenden Moment der Demokratiegeschichte. „Der Volksaufstand in der DDR war die erste landesweite Erhebung gegen eine kommunistische Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn wir am Jahrestag Kränze niederlegen, erinnern wir an die Menschen, die ihren Wunsch nach Freiheit mit dem Leben bezahlten oder aber inhaftiert wurden.“
Warum junge Menschen kaum noch etwas wissen
Doch genau diese Erinnerung droht nach Einschätzung von Experten zu schwinden. Vor allem jüngere Generationen können mit dem 17. Juni kaum noch etwas anfangen. Eine Studie des BAB zeigt, dass das Wissen über den Volksaufstand immer weiter zurückgeht. Frank Ebert warnt daher vor einer „Leerstelle in der Erinnerungskultur“.
„Wir müssen feststellen, dass der Volksaufstand in der gesellschaftlichen Erinnerung immer mehr verblasst“, so Ebert weiter. „Abgesehen von den jährlichen ritualisierten Gedenkveranstaltungen haben wir fast schon eine Leerstelle in der Erinnerungskultur.“

Um dem entgegenzuwirken, spricht sich Ebert dafür aus, in Berlin einen zentralen Ort zur Erinnerung an Opposition und Widerstand zu schaffen. Zusätzlich zur Straße des 17. Juni. Die Geschichte des Aufstands könne auch heute noch wichtige Impulse geben – gerade in Zeiten, in denen Demokratie weltweit unter Druck steht.
Neue Projekte sollen die Erinnerung retten
Gemeinsam mit Partnern setzt sich der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte deshalb für eine neue Freiheitsausstellung ein. Ziel ist es, historische Aufklärung mit aktuellen Fragen zu verbinden und das Bewusstsein für demokratische Werte zu stärken. Die Ausstellung soll dazu beitragen, das Engagement für Freiheit sichtbar zu machen und in den heutigen Kontext einzuordnen.
Zum 73. Jahrestag des Volksaufstands am 17. Juni 2026 bietet der BAB zudem spezielle Veranstaltungen für Schulklassen an. Dazu gehört eine Filmvorführung von „Das schweigende Klassenzimmer“ im Delphi Filmpalast, bei der auch Zeitzeugen und Historiker für Gespräche zur Verfügung stehen. Für jüngere Schüler gibt es eine Lesung aus dem Buch „Tage wie Jahre“, das die Ereignisse aus der Sicht eines Kindes schildert.



