Man nehme sechs Blumenkästen, ein paar Holzbänke, etwas Schatten, dazu Trinkbrunnen und „Vernebelungsanlage“ und schon ist Berlin um einen Aufreger reicher! Der sogenannte Cooling Point im Mauerpark sorgt seit seiner Eröffnung im Sommer 2025 für hitzige Diskussionen und Kopfschütteln. Die kleine Hitzeschutz-Oase kostete knapp 45.000 Euro. Ist sie auch den Berlinern so viel wert?
Vorzeigeprojekt in Zeiten des Klimawandels
Eigentlich sollte der Cooling Point ein Vorzeigeprojekt werden. Auf rund 25 Quadratmetern entstand eine Anlage aus Holzlamellen, Pflanzkästen und Sitzgelegenheiten. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) wollte testen, wie sich Menschen in Zeiten des Klimawandels an heißen Tagen im öffentlichen Raum besser schützen lassen. Das Projekt ist Teil des bundesweiten Forschungsprogramms „Urban Heat Labs“.

Viele erkennen den Sinn der Holzkonstruktion nicht
Doch schon seit der Eröffnung und dem Wiederaufbau der Anlage am 11. Juni 2026 reißt die Kritik nicht ab. Besucher des Mauerparks zeigten sich irritiert. Denn ausgerechnet dort, wo es ohnehin Bäume und schattige Plätze gibt, entstand die teure Konstruktion.
Und obwohl die Anlage im zweiten Jahr im Mauerpark steht, fällt sie nur wenigen Besuchern auf. Viele erkennen auf den ersten Blick auch gar nicht die neue stählerne Vernebelungsanlage. Anderen ist es unter dem offenen Dach einfach zu heiß.
Doch es gibt auch Fans des Cooling Points. Läufer Frederik hat den Trinkbrunnen und die Sprüh-Dusche entdeckt. „Deshalb habe ich extra meine Laufstrecke vom Humboldthain in den Mauerpark verlegt“, sagt der Sportler.

Sind hohe Kosten gerechtfertigt?
Aber rechtfertigt das die hohen Kosten von knapp 45.000 Euro? Der Bund der Steuerzahler prangert die Ausgaben für den Cooling Point als Verschwendung an. „Jeder kann sofort erkennen, dass diese Bretterbude mit Sicherheit nicht die Antwort auf den Klimawandel sein kann“, meint der Berliner Landesvorsitzende Alexander Kraus. „Eine haushaltsrechtliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung hätte das auch gezeigt, wenn sie denn nur durchgeführt worden wäre.“
Tatsächlich summieren sich die Ausgaben. Laut Lageso wurden für Bau, Lieferung, Montage und Bepflanzung 44.180,23 Euro ausgegeben. Hinzu werden jährlich rund 7000 Euro für Pflege und Instandhaltung veranschlagt.
Dazu kommt, dass die Bilanz nach dem ersten Sommer ernüchternd ausfiel. Pflanzen vertrockneten oder wurden schlicht geklaut und für teures Geld wieder bepflanzt. Die Anlage wurde beschädigt und im Herbst wieder abgebaut. Dennoch kehrte der Cooling Point 2026 als Version 2.0 zurück, diesmal sogar mit der zusätzlichen Vernebelungsanlage.
Die Debatte um das Hightech-Schattenplätzchen ist damit längst nicht beendet. Kritiker wie der Bund der Steuerzahler sehen im Projekt eine teure Symbolpolitik und fordern, solche Alibiprojekte auf den Prüfstand zu stellen. Befürworter halten dagegen, dass Städte wegen immer häufigerer Hitzewellen neue Wege ausprobieren müssten und Pilotprojekte zwangsläufig Geld kosten.
Aber wie teuer darf Klimaanpassung sein und wann ist ein gut gemeintes Projekt nur eine viel zu teure Bank mit Blumenkästen?


