Prozess

Verfolgt und begrapscht: Mädchen (16) erlebt S‑Bahn‑Albtraum in Berlin

Eine S‑Bahnfahrt wird für eine 16‑Jährige zum Albtraum. Jahre später steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Zwei Frauen sagen gegen ihn aus.

Author - Tanja Tal
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Chouan B. (45) soll eine 16-Jährige sexuell belästigt haben.
Chouan B. (45) soll eine 16-Jährige sexuell belästigt haben.Olaf Wagner

Eine S-Bahn-Fahrt in Berlin wurde für eine Schülerin (16) zum Albtraum: Ein fremder Mann stieg nachts mit ihr aus, verfolgte und begrapschte sie.

Angeklagter wurde vor fünf Monaten festgenommen

Die Horror-Minuten für die Teenagerin liegen mehr als drei Jahre zurück. Die Polizei tappte zunächst im Dunkeln. Es wurden Parallelen zu anderen Strafanzeigen gesucht. Tatsächlich: Ein Fall mit einer Frau (27) als Opfer, die an einem S-Bahnhof von einem Fremden angesprochen, wenig später sexuell bedrängt wurde.

Vor fünf Monaten klickten die Handschellen: Chouan B. (45) wurde festgenommen. Er ist Grieche, seine Ex-Freundin lebt mit den beiden gemeinsamen Kindern in New York. Als Beruf gibt er Dolmetscher zu Protokoll – „für Italienisch und Englisch“.

Nun der Prozess. Chouan B. wird aus der U-Haft vorgeführt – freundliches Gesicht, lässiges Outfit mit gestreiftem Fischerhemd. Die Anklage lautet auf sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung und Körperverletzung. Für zwei Übergriffe soll er verantwortlich sein. Schweigend hörte B. die Vorwürfe.

Auf dem Heimweg vom Bahnhof Königs Wusterhausen soll der Übergriff stattgefunden haben.
Auf dem Heimweg vom Bahnhof Königs Wusterhausen soll der Übergriff stattgefunden haben.F. Anthea Schaap/Imago

Fremder Mann sprach Clara nachts an

Clara W. (Name geändert) das erste Opfer. In der Nacht zum 20. Februar 2023 war die Jugendliche auf dem Heimweg. Als sie in einer Bahn der Linie S46 saß, wurde sie von einem ihr fremden Mann angesprochen. Die Staatsanwältin ist überzeugt: Es habe sich um B. gehandelt.

Ankunft um 23.56 Uhr am Bahnhof Königs Wusterhausen. Clara stieg aus. Sie hatte es nun nicht mehr weit. Ein Fußweg. Doch B. sei ihr gefolgt. „Er redete unentwegt mit ihr, bot ihr einen Joint an“, heißt es in der Anklage. Er habe von Sex gesprochen. Sie ahnte Schlimmes, wollte ihn auf Abstand bringen: „Ich rufe meinen Freund an!“

Der Mann aber ließ sich nicht abschütteln. Er wollte Sex, bedrängte sie: „Du bist sexy, hab dich nicht so“. Sie schob ihn zurück: „Nein!“ Er packte sie am Arm, küsste sie gegen ihren Willen auf die Wange. Sie zog den Kopf weg, er begrapschte sie im Intimbereich. Clara wehrte sich nach Kräften. Sie riss sich aus dem Griff des Täters los, rannte weg.

Zweites Opfer schrie um Hilfe

Marie K. (27, Name geändert) das zweite Opfer. Am 3. März 2025 soll er sie am S-Bahnhof Sonnenallee in Neukölln angequatscht haben. Erst belanglose Dinge, dann bat der Fremde um ein Glas Wasser. In ihrer Wohnung schlug B. laut Anklage wieder zu, wollte Sex, sie schrie um Hilfe.

B. soll sich seit 2019 in Deutschland aufhalten – mal gemeldet im Saarland, mal in Thüringen, auch in Königs Wusterhausen (Brandenburg). Als Stalker fiel er bereits auf: Ein Jahr Haft auf Bewährung wegen Nachstellung erhielt er vor knapp einem Jahr. Urteil im aktuellen Prozess: 2. Juli.