Der Streit um Berlins umstrittenes Hitzeschutzprojekt Cooling Point im Mauerpark bekommt pünktlich zum Wüsten-Wochenende neuen Zündstoff: Zur Wiedereröffnung des sogenannten Cooling Point 2.0 im Mauerpark erhebt der Bund der Steuerzahler schwere Vorwürfe. Die Konstruktion, die eigentlich als Modellprojekt gegen Hitze in der Stadt dienen soll, sei nichts als „ärgerliche Steuergeldverschwendung“.
Steuerzahlerbund: „Diese Bretterbude ist nicht die Antwort auf den Klimawandel“
Mit deutlichen Worten kritisiert der Berliner Landesvorsitzende Alexander Kraus die Anlage, die am Mittwoch erneut in Betrieb ging. „Jeder kann sofort erkennen, dass diese Bretterbude mit Sicherheit nicht die Antwort auf den Klimawandel sein kann. Eine haushaltsrechtliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung hätte das auch gezeigt, wenn sie denn nur durchgeführt worden wäre“, sagte Kraus.
Der Verband hatte bereits 2025 nach der ersten Aufstellung des Cooling Points beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) nachgehakt – vor allem zu Kosten, Finanzierung und der vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsprüfung.

44.180 Euro für Konstruktion, Pflanzen und Statik – plus laufende Kosten
Laut Lageso beliefen sich die Gesamtkosten für Bau, Lieferung, Montage und Bepflanzung der Anlage auf 44.180,23 Euro. Enthalten seien unter anderem: Stahl- und Holzkonstruktionen, Sitzmöbel und Pflanzbehälter, Dachrahmen mit Holzlamellen, Betongewichte, Transport, Bauzaun, Hebezeuge, insektenfreundliche, trockenresistente Bepflanzung, Versicherung (1130,50 Euro), Statikgutachten (2284,80 Euro). Damit blieb das Projekt knapp unter der ursprünglich veranschlagten Summe von 45.000 Euro.
Für Pflege und Instandhaltung kalkulierte das Lageso zusätzlich 7000 Euro pro Jahr – allerdings nur als Plankosten, deren tatsächliche Höhe erst der Pilotbetrieb zeigen sollte.
Warum es keine Wirtschaftlichkeitsprüfung gab
Auf die Frage, warum denn keine gesonderte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung erstellt wurde, erklärte das Lageso 2025: Das Projekt sei Teil des bundesweiten Forschungsprogramms „Urban Heat Labs“ und im Rahmen der Experimentellen Wohnungs- und Städtebau-Forschung fachlich bewertet worden. Eine zusätzliche Prüfung auf Landesebene sei daher nicht notwendig gewesen.
Der Cooling Point sei ein Pilotprojekt, das innovative Maßnahmen zur Klimaanpassung testen solle. Höhere Kosten seien bei Neuentwicklungen üblich und würden erst bei späteren Serienlösungen sinken.
Vandalismus, Abbau – und jetzt Neustart
Der Cooling Point war bereits 2025 nach nur fünf Wochen beschädigt worden und wurde im Herbst planmäßig abgebaut. Nun steht Version 2.0 wieder im Mauerpark. An der Kritik kann auch eine in diesem Jahr neu installierte Vernebelungsanlage zum Erfrischen nichts ändern.
Der Bund der Steuerzahler fordert mehr Transparenz und eine klare Kosten-Nutzen-Abwägung, bevor weitere Pilotprojekte dieser Art umgesetzt werden.




