Erst vor etwas mehr als einer Woche veröffentlichten wir im KURIER einen Beitrag über ein Thema, das vielen Menschen auf der Seele brennt: Den Murks, der heute vor allem im Bereich der Elektrogeräte angeboten wird. In der DDR war es anders: Hier schrieb das Gesetz vor, wie langlebig Produkte zu sein hatten. Deshalb gibt es heute noch Geräte aus dem Osten, die halten und halten und halten. Doch nach dem Jubel über das Rührgerät RG 28, die WM 66 und den Multiboy melden sich jetzt auch zahlreiche Menschen aus den alten Bundesländern zu Wort. Und stellen klar: Im Westen war auch nicht alles schlecht!
Westen schlägt zurück: Auch wir hatten tolle Geräte!
Hinter den ewig haltenden Küchengeräten aus der DDR stecken drei magische Buchstaben: TGL. Hinter diesem Kürzel verbargen sich zu DDR-Zeiten die Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen. Sie gaben an, wie stabil und langlebig Produkte hergestellt werden müssen, wie viele Jahre sie zu halten hatten – und wer ein bestimmtes Produkt vertreiben wollte, durfte sich nur eine Ausfallquote von maximal einem Prozent leisten.
Viele Produkte waren so beliebt, dass sie sogar exportiert wurden, unter anderem zum Versandhandel Quelle aus dem Westen gingen. Es tauchten dabei aber auch immer wieder Probleme auf. In Scharfenstein im Erzgebirge wurden etwa Kühlschränke produziert, die 15 Jahre halten sollten. Bei Quelle flogen sie schnell wieder aus dem Sortiment, berichtete ein ehemaliger Mitarbeiter in einem Interview mit dem MDR. Der Grund: Mit seiner langen Lebensdauer war der Kühlschrank einfach zu gut und zu haltbar. Man wollte ja schließlich Produkte verkaufen.

War die DDR dem Westen in Sachen Langlebigkeit also einen ganzen Schritt voraus? Der KURIER-Beitrag über die TGL sorgt jetzt für heftige Debatten. Denn nun melden sich auch zahlreiche Wessis zu Wort – und verraten, dass im Westen nicht alles schlecht war.
„Wenn Sie glauben, dass die DDR-Produkte den BRD-Produkten überlegen waren, so liegen sie falsch“, schreibt Leser Dieter S. dem KURIER. In den 50er- und 60er-Jahren seien die Geräte im Westen genauso gut gewesen – und denen in der DDR sogar „mindestens gleichwertig innovativ überlegen“. Der Umschwung in die „Konsumorgie“ sei erst später erfolgt – und die Theorie, DDR-Produkte seien besser, sei anmaßend.
Nicht nur in der DDR waren die Haushaltsgeräte gut
Auch Leserin Marianne S. merkt an, dass auch der Westen einiges zu bieten hatte. „Es waren nicht nur in der früheren DDR Elektrogeräte besser“, schreibt sie. „Auch bei uns im Westen war die deutsche Wertarbeit deutlich stabiler und haltbarer, als es heute der Fall ist.“
So habe die erste Waschmaschine von Miele im Haushalt ihrer Oma satte 55 Jahre gehalten – und das, obwohl damit jede Woche über Jahrzehnte die Wäsche von bis zu zwölf Personen gewaschen wurde. „Ebenso die Bosch-Küchenmaschine meiner Mutter. Die ist mittlerweile 46 Jahre alt und ich benutze sie noch regelmäßig“, schreibt die Leserin. „Sie macht ihre Arbeit wie am ersten Tag.“

Auch für Marianne S. ist das Problem ein anderes. „In meiner Kindheit galt Made in Germany als ein gutes Produkt“, schreibt sie. Heute herrsche die Geiz-ist-Geil-Mentalität – und jeder wolle ständig neue Dinge besitzen. „Seitdem leidet die Qualität an allem, was man käuflich erwirbt. Nicht nur in der ehemaligen DDR war alles so gut und perfekt.“ Sie fordert ein Ende der Trennung in Ost und West, auch bei der Qualität der Küchengeräte. „Wir sind ein Deutschland egal ob in der früheren DDR oder im Westen aufgewachsen“, schreibt Marianne S.
Nicht nur DDR! Krups-Handrührer hielt 30 Jahre
Auch Diana W. schreibt, dass viele Geräte aus dem Westen toll waren. „Dass ein Krups-Handrührer satte 30 Jahre hielt, ein Häcksler für Nüsse und Kaffeebohnen von Braun ebenfalls 28 Jahre oder die Waschmaschine von AEG zusammen mit dem Brautpaar Silberhochzeit feierte, war ebenfalls keine Seltenheit.“ Auch Fernseher, Videorekorder und Spielzeug hielten und hielten.
„Das Problem mit der Kurzlebigkeit entstand erst Mitte der 1990er, als in Produkten statt Metall vermehrt billiger Kunststoff eingesetzt wurde.“ Auch die „geplante Obsoleszenz“ sei ein Problem – also der bewusst eingebaute Verschleiß, kritisiert Diana W. „Das ist aber auch keine Erfindung des Westens, sondern wurde bereits in den 1920er-Jahren von Glühlampenherstellern praktiziert, da die Glühlampen zu lange hielten.“ Sie ist sicher: Wenn es die DDR heute noch gäbe, müsste sie sich genauso den Gesetzen des Marktes unterwerfen, um wirtschaftlich bestehen zu können.


