Per Gesetz unzerstörbar

Geräte aus der DDR halten ewig! Kennen Sie noch Multiboy und RG 28?

Viele DDR-Küchengeräte funktionieren auch Jahrzehnte später noch. Wir zeigen die fünf beliebtesten Klassiker – und warum sie so langlebig sind.

Author - Florian Thalmann
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Viele Haushaltsgeräte aus der DDR leisten in der Küche auch heute noch treue Dienste. Ob Multiboy oder Rührgerät RG 28, ob Heizkissen oder Brotschneidemaschine: Sie laufen und laufen und laufen!
Viele Haushaltsgeräte aus der DDR leisten in der Küche auch heute noch treue Dienste. Ob Multiboy oder Rührgerät RG 28, ob Heizkissen oder Brotschneidemaschine: Sie laufen und laufen und laufen!Illustration: Berliner KURIER, DDR Museum Berlin

Viele Geräte aus der DDR waren oft robuster als manches, was heute auf dem Markt erhältlich ist – und das hatte seinen Grund! Erst vor kurzem berichtete der KURIER über die TGL, die Abkürzung für „Technische Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen“. Der Staat legte verbindlich fest, wie langlebig Produkte sein mussten – und dabei handelte es sich nicht nur um Empfehlungen, sondern um rechtlich festgeschriebene Vorgaben! Das Ergebnis: Zahlreiche Gegenstände aus der DDR verrichten auch mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung noch zuverlässig ihren Dienst. Und das in ganz Deutschland! Wir stellen die fünf beliebtesten DDR-Geräte vor, die bis heute funktionieren.

Etliche Geräte aus der DDR sind noch in Benutzung

Nach dem KURIER-Bericht über die TGL aus der DDR wurde unsere Redaktion förmlich überflutet: Uns erreichten die unterschiedlichsten E-Mails mit Fotos von Haushaltsgeräten und anderen Dingen aus dem Osten, die auch Jahre nach dem Ende der DDR noch im Einsatz sind.

Der Grund für die Langlebigkeit waren die TGL, die „Technische Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen“ – sie legten fest, dass etwa ein in der DDR hergestellter Kühlschrank mindestens zehn, später sogar zwölf Jahre halten musste. Die Ausfallquote durfte nur bei einem Prozent liegen.

Viele Geräte waren deshalb so robust entwickelt und gebaut, dass sie noch heute halten. Wir zeigen Ihnen die fünf Dauerbrenner aus der DDR, basierend auf den Zuschriften unserer Leser. Haben auch Sie noch Geräte und andere Dinge aus der DDR im Einsatz? Schreiben Sie uns – und schicken Sie uns Ihre Favoriten aus dem Osten, am besten mit Bild, an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften und Ihre Storys zu den besten Produkten aus dem Osten!

Brotschneidemaschine: Scheiben in DDR-Qualität

Ein überraschendes Küchengerät, das auch heute noch in einigen Haushalten steht, ist die Brotschneidemaschine, die es in der DDR gab. Es gab verschiedene Modelle, manche funktionierten über eine Kurbel, manche elektrisch. Die elektrische Variante gehörte wie das RG 28 zur Dachmarke „AKA electric“, die hergestellt wurde im VVB Elektrische Konsumgüter – 15 Betriebe gehörten zu dieser Vereinigung der Volkseigenen Betriebe. Über ein eingebautes rundes Sägemesser wurde der Brotlaib gezogen – und so in gleichmäßige Scheiben geschnitten. Bäckerqualität für zu Hause!

Brotschneidemaschinen gab es in der DDR mehrere. Dieses Modell aus der Sammlung des DDR-Museum Berlin setzt auf Kurbelantrieb, es gab aber auch elektrische Varianten.
Brotschneidemaschinen gab es in der DDR mehrere. Dieses Modell aus der Sammlung des DDR-Museum Berlin setzt auf Kurbelantrieb, es gab aber auch elektrische Varianten.DDR Museum Berlin

Heute ist die Maschine unter anderem bei Ebay zu bekommen, wird zu Preisen zwischen 20 und 50 Euro gehandelt. Wer noch eine hat, die funktioniert, ist stolz drauf. Etwa unser Leser Frank Schäfer. „Bei uns läuft nach wie vor die Brotschneidemaschine aus DDR-Produktion! Sie erledigt täglich zu unserer vollsten Zufriedenheit ihre Aufgaben! Und das nun schon 36 Jahre nach der Wende.“

Und auch Katja Wasner benutzt das Gerät noch. „Es ist halt nach heutiger Sicht wirklich so: Was lange hält, das bringt kein Geld.“ Angesichts der Müllberge, die heute entstehen, sei das schrecklich.

Heizdecken aus der DDR halten auch heute noch warm

Überraschend ist, dass es sogar DDR-Geräte gibt, die nicht nur die Jahrzehnte seit der Wende überdauert haben, sondern die heute noch mit ins Bett genommen werden. Die Rede ist von Heizkissen und Heizdecken, die es ebenfalls unter der Dachmarke „AKA electric“.

Das Heizkissen Standard „F“, wie es unsere Leserin Barbara Maye noch verwendet, kostete damals 21,60 Mark. „Ich habe noch ein Heizkissen aus der DDR und benutze es noch“, schreibt sie dazu – und schickt ein Bild des top erhaltenen Kissens.

Heizkissen aus der DDR halten noch heute warm, ob bei Bauchschmerzen oder im Winter, einfach so.  Auch wenn die Geräte kleine Stromfresser sind, haben viele Menschen aus dem Osten sie ins Herz geschlossen.
Heizkissen aus der DDR halten noch heute warm, ob bei Bauchschmerzen oder im Winter, einfach so. Auch wenn die Geräte kleine Stromfresser sind, haben viele Menschen aus dem Osten sie ins Herz geschlossen.DDR Museum Berlin

Auch Sabine Naucke-Fischer schreibt: „Ich kenne viele, die Heizdecken aus DDR Zeiten haben. Kleine Stromfresser, aber unkaputtbar.“ Man müsse sich nicht über die Wegwerfgesellschaft wundern, so die KURIER-Leserin. Nicht nur die Endverbraucher tragen demnach einen Teil zu der Veränderung bei, sondern auch die produzierenden Firmen.

„Eine einfache DIN-Norm kommt ihnen da doch nur gelegen“, schreibt sie. „Kein Wunder, dass das DDR-Amt schleunigst abgeschafft wurde. Wie auch immer, es geht letzten Endes nur um Profit und Geld.“

RG 28: Das Kult-Rührgerät aus der DDR rührt noch immer

Wenn man über kultige Haushaltsgeräte aus der DDR spricht, die auch heute noch funktionieren, landet man recht schnell beim Rührgerät RG 28. Die genaue Bezeichnung des Handrührers lautet AKA electric RG 28, hergestellt wurde es im Kombinat VEB Elektrogerätewerk Suhl – und es war längst nicht nur in der DDR ein riesiger Hit!

In 20 Länder exportierte man das Handrührgerät, auch in der Bundesrepublik wurde es zum Kuchenbacken genutzt. Der Exportschlager, der seinen Anfang mit dem Handmixer „Komet“ von 1952 fand, wird auch heute noch in vielen Haushalten verwendet.

Das Rührgerät RG 28 ist der Klassiker unter den Küchengeräten der DDR. Auch mehr als 35 Jahre nach der Wende leistet dieses Gerät vielen Bäckern treue Dienste.
Das Rührgerät RG 28 ist der Klassiker unter den Küchengeräten der DDR. Auch mehr als 35 Jahre nach der Wende leistet dieses Gerät vielen Bäckern treue Dienste.DDR Museum Berlin

„Ich habe heute noch den RG 28 und er funktioniert nach 46 Jahren immer noch“, schreibt uns etwa KURIER-Leserin Karin Vüllings. Zwar hat der Pürierstab nach all den Jahren einen kleinen Defekt. „Aber ansonsten bin ich froh, ihn zu haben.“ Und Christina Eichelmann schreibt uns: „Mein Rührgerät funktioniert auch nach 46 Jahren immer noch ohne Probleme. Ich liebe es, werde es nie entsorgen.“

Die modernsten Versionen des RG 28 – das RG 28 E und das RG 28 S – kosteten in den Jahren 1978 und 1984 übrigens 98 Mark. Wenn das keine Investition in die Zukunft der eigenen Küche war …

Kaffeemühle: In der DDR konnte man mahlen trotz Krise

Erstaunlich: Immer wieder wird darüber berichtet, dass es in der DDR einen Mangel an Kaffee gab – deshalb erblickte auch der umstrittene „Kaffee-Mix“ das Licht der Welt. Das Kaffeeprodukt mit 49 Prozent Kaffeeersatz wurde im Volksmund auch als „Erichs Krönung“ bezeichnet und sorgte bei der Bevölkerung für wenig Begeisterung.

Trotz Kaffee-Mangel standen offenbar auch Kaffeemühlen hoch im Kurs: Mehrere Leser schrieben uns, dass sie die Geräte aus dem Osten auch heute noch nutzen.

Es gab zwar nicht immer Kaffee, aber solche Kaffeemühlen hatte die DDR: Die Schlagwerkmühle funktioniert in einigen Haushalten noch heute.
Es gab zwar nicht immer Kaffee, aber solche Kaffeemühlen hatte die DDR: Die Schlagwerkmühle funktioniert in einigen Haushalten noch heute.DDR Museum Berlin

Etwa unser Leser Frank Thurik: „Die elektrische Kaffeemühle haben wir 1976 zur Verlobung geschenkt bekommen“, schreibt er. „In der DDR gekauft, eine Rarität. Einfach unkaputtbar. Das ist nicht auf Verschleiß produziert, keine eingearbeiteten Sollbruchstellen, um was Neues zu kaufen.“ Und auch Kornelia Schäfer-Maertens hat eine Kaffeemühle, die sie noch benutzt. „Nicht totzukriegen, einfach nur Qualität.“

Eines der Geräte gab es in verschiedenen Farben – etwa in Orange, Rosa und Grün. Es sah etwas aus wie eine Thermoskanne aus Plaste, kostete 45 Mark – und hatte die offizielle Bezeichnung „Schlagwerkmühle SWM“. Es gab aber auch andere Produkte dieser Art, etwa die Kaffeemühle „Pirouette“ vom VEB Galvanotechnik Leipzig für 49 Mark. Dann brauchte man nur noch Bohnen …

Multiboy: So hackte und zerkleinerte man in der DDR

Auch der Multiboy ist ein wahres Kult-Gerät! Der Kult-Häcksler aus der DDR ist auch heute noch in Benutzung – etwa bei unserer Leserin Bärbel Zschachlitz. „Ich habe noch einen Multiboy, diesen benutze ich noch heute für die Herstellung von Semmelbröseln oder um Petersilie zu zerkleinern“, schreibt sie uns.

Genau dafür war das kleine Gerät gedacht: Der Multiboy war das erste DDR-Gerät, das speziell zum Zerkleinern gedacht war – vorher konnte man zwar auch hacken, allerdings mit Aufsätzen für andere Geräte.

Der Multiboy war in der DDR beliebt und zeitweise schwer zu bekommen. Mit dem kleinen Gerät konnte man reiben, hacken, mahlen und noch viel mehr.
Der Multiboy war in der DDR beliebt und zeitweise schwer zu bekommen. Mit dem kleinen Gerät konnte man reiben, hacken, mahlen und noch viel mehr.DDR Museum Berlin

Mit seiner Funktion wurde der Multiboy, der übrigens im VEB Elektromaschinenbau Dresden hergestellt wurde, so beliebt, dass er zeitweise schwer zu bekommen war. Kein Wunder: Er konnte nicht nur Kräuter hacken, sondern auch Käse reiben, Nüsse mahlen und Fleisch wolfen. Der Lebensmittelzerkleinerer wurde, anders als beispielsweise das Rührgerät RG 28, auch nicht exportiert. Auch heute ist er noch beliebt, wird bei Ebay zu Preisen von rund 30 Euro vertrieben.

Haben auch Sie noch DDR-Geräte? Schreiben Sie uns!

Nach der Wende kam das Ende für die TGL, die „Technische Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen“ der DDR. Sie gingen in der DIN auf, dem Deutschen Institut für Normung, das sich heute um Normen kümmert. Doch auch wenn die damaligen Regeln schon lange Geschichte sind: Die Geräte haben die Jahrzehnte überdauert – und werden das auch weiterhin tun.

Wenn auch Sie noch Dinge aus der DDR haben, die Sie noch heute in Betrieb haben, melden Sie sich bei uns! Wir freuen uns über Ihre Geschichten, am besten mit Bildern – senden Sie uns eine Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com.