Er ist eine Legende

Darum floh der kleine Muck aus der DDR in den Westen

Der Streifen gehört zu den erfolgreichsten Filmen der DDR-Geschichte. Wir verraten kleine Geheimnisse rund um den kleinen Muck.

Author - Florian Thalmann
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Der Film Die Geschichte vom kleinen Muck gehört noch heute zu den schönsten Märchen in der deutschen Filmgeschichte. Der kleine Muck wurde von Thomas Schmidt gespielt.
Der Film Die Geschichte vom kleinen Muck gehört noch heute zu den schönsten Märchen in der deutschen Filmgeschichte. Der kleine Muck wurde von Thomas Schmidt gespielt.ARD/DEFA

Am Wochenende ist Zeit für etwas Fernsehen – wie wäre es dann mal mit einem herrlichen Märchen aus der DDR? Ein Film, der noch heute viele Fans hat, ist „Die Geschichte vom kleinen Muck“ – ein Streifen, der eine echte Kino-Legende der DDR ist. Aber: Wussten Sie, wie viel Gage der kleine Hauptdarsteller bekam, warum er in den Westen floh und dass es den Film eigentlich gar nicht geben sollte?

Der kleine Muck ist das erfolgreichste Märchen der DDR

Der Film „Die Geschichte vom kleinen Muck“ entstand bereits im Jahr 1953 – doch obwohl seitdem Jahrzehnte vergangen sind, ist die Liebe mancher Fans zu dem Streifen einfach ungebrochen. Es liegt sicherlich an der fantastischen Geschichte, die viele Kinder damals zum Staunen brachte: Im Film geht es um den kleinen Jungen namens Muck, der auf seinen Reisen im Orient tolle Abenteuer erlebt – auch seine berühmten Zauberpantoffeln und ein magischer Stock spielen dabei eine Rolle.

Premiere feierte der Film, der in den Babelsberger Filmstudios gedreht wurde, am 23. Dezember 1953 im Berliner Kino Babylon, im Januar 1954 lief er dann auch im Fernsehen der DDR. Erst zwei Jahre später machte der kleine Muck rüber in den Westen – unter dem Titel „Ein Abenteuer aus 1001 Nacht“ wurde der Streifen dann erstmals in Köln gezeigt. Weitere zwei Jahre brauchte es, bis das wunderschöne Märchen aus der DDR auch im bundesdeutschen Kinoprogramm verankert war. Heute kann man den Streifen unter anderem in der ARD-Mediathek sehen.

Thomas Schmidt spielte im Film den kleinen Muck

Spektakulär: Der Film ist unangefochten auf Platz 1 der erfolgreichsten Kinderfilme der DDR – und zugleich der erste Platz der erfolgreichsten DEFA-Produktionen! Denn: Mehr als elf Millionen Besucher gingen ins Kino, um die Abenteuer des kleinen Muck zu verfolgen. Lag es an der märchenhaften Geschichte? Sicherlich war auch er nicht unschuldig daran: Schauspieler Thomas Schmidt schlüpfte in die Rolle des kleinen Muck, wurde in dem DDR-Streifen über Nacht zum Kinderstar.

Thomas Schmidt spielte in Die Geschichte vom kleinen Muck die Hauptrolle. Doch aus der großen Schauspiel-Karriere wurde nichts.
Thomas Schmidt spielte in Die Geschichte vom kleinen Muck die Hauptrolle. Doch aus der großen Schauspiel-Karriere wurde nichts.ARD/DEFA

Aber: Es gibt auch ein paar kleine Geheimnisse rund um das Mädchen, das so viele Menschen begeisterte. Wussten Sie beispielsweise, dass es den Film „Die Geschichte vom kleinen Muck“ eigentlich gar nicht geben sollte? Das verriet Schmidt selbst Jahrzehnte später in einem Interview mit der SuperIllu.

Der kleine Muck entstand in der DDR nur durch Zufall

„Mit dem Budget und in dem Atelier des Babelsberger Studios sollte ursprünglich Brechts ,Mutter Courage‘ verfilmt werden“, sagte er. Doch Brecht selbst habe das Projekt boykottiert. Die Folge: „Daraufhin hat man Wolfgang Staudte - der war ja der Starregisseur damals - gebeten, den kleinen Muck zu verfilmen.“ Was also, wenn Brecht mitgespielt hätte? Vielleicht wäre einer der schönsten Filme der DDR nie entstanden.

Wohl jedes Kind träumte von den Zauberpantoffeln, die der kleine Muck im DDR-Film Die Geschichte vom kleinen Muck besitzt.
Wohl jedes Kind träumte von den Zauberpantoffeln, die der kleine Muck im DDR-Film Die Geschichte vom kleinen Muck besitzt.ARD/DEFA

Nicht das einzige Geheimnis des DDR-Streifens. Denn Thomas Schmidt, der mit dem Film schlagartig berühmt wurde, enthüllte noch etwas anderes: In Sachen Gage ging er vollkommen leer aus. „Ich persönlich habe keinen Pfennig gekriegt. Es gab wohl einen Vertrag mit meiner Mutter“, sagte er. Seine Eltern hätten damals ein Auto für die Familie gekauft, das Geld sei auch in diese Anschaffung geflossen. Schmidt: „Mir wäre es lieber gewesen, sie hätten einen der Affen gekauft, die im Film vorkommen.“

Noch während der ersten Jahre nach Veröffentlichung des Films in der DDR setzte sich die Familie von Schmidt übrigens in den Westen ab. Der Grund: Schmidts Stiefvater war Regisseur und Autor, fühlte sich von der DDR in seiner Kreativität eingeschränkt. Als er ein Drehbuch für das Märchen vom tapferen Schneiderlein schreiben sollte, hatte er genug: Das Schneiderlein sollte Wilhelm Pieck ähneln und nicht die Prinzessin heiraten, sondern ein Mädchen aus dem Volk.

1955 floh die Familie vom kleinen Muck aus der DDR

1955 ging die Familie in den Westen, wurde in München sesshaft. Aus der großen Schauspielkarriere wurde trotz des Mega-Erfolgs von „Die Geschichte vom kleinen Muck“ aber nichts. Zwar spielte Thomas Schmidt noch kleine Rollen, widmete sich später aber der Medizin. Bis zu seinem Tod im Jahr 2008 war er Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover.