In ein paar Wochen feiert eine DDR-Legende runden Geburtstag. Das „Mosaik“-Heft, einer der ältesten und auflagenstärksten Comics deutscher Produktion. Am 23. Dezember wird das Mosaik 70 Jahre alt. Und man muss sagen: Selten ist jemand so gut gealtert wie dieses Heftchen, das erst die Digedags und dann die Abrafaxe zu Helden in vielen Tausenden Kinderstuben machte. Auch in meiner. Und der 70. Geburtstag ist nicht das einzige Jubiläum, dass das Mosaik in diesen Tagen feiert. Die Abrafaxe werden 50 – und das 600. Heft mit den drei Knirpsen ist gerade erschienen. Deshalb gibt es hier 7 Fakten aus 70 Jahren.

Mein erstes „Mosaik“-Heft fand ich auf der Straße. Genauer gesagt auf der Schönhauser Allee, Ecke Stargarder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg. Es war irgendwann im Sommer 1973, ich war mit meinem Vater unterwegs. Und da lag auf einmal dieses bunte Heftchen auf der Straße. Heft Nr. 199: „Die Dschungelbahn“, schon ein bisschen schmuddelig vom Straßendreck. Ich nahm, las – und war angefixt.
Die knollennasigen Kobolde Dig, Dag und Digedag waren damals gerade in Mittelamerika unterwegs. Mein Vater wird den Tag damals verflucht haben. Denn er musste von diesem Tage an jeden Monat das neue Mosaik für mich jagen. Das Comic war in der DDR Bückware, nur schwer zu ergattern – und das, obwohl es in der DDR Mitte der 70er Jahre hunderttausendfach gedruckt wurde.
1. Mosaik: Was die Bückware in der DDR kostete
Die ersten Hefte kosteten 95 Pfennige, später 60 Pfennige. Was mich als Kind faszinierte: Die Hefte wurden auch im Westen verkauft. Auf der Rückseite der Hefte standen die Preise aus dem „Westen“. In der BRD kosteten die Hefte erst 0,80 DM, ab Heft 128 0,60 DM. Verkauft wurden sie ebenfalls in Österreich (5 Schilling), in Finnland (0,80 Finnmark), den Niederlanden (0,70 Gulden) und Belgien (10 Belgische Franc). Heute kostet ein Mosaik-Heft 3,65 Euro.

2. Ritter Runkel: Eine Serie für die Rekordbücher
In den ersten 229 Heften waren die Digedags (Dig, Dag und Digedag) die Helden der Mosaik-Hefte, erdacht von Johannes Hegenbarth, der sich als Mosaik-Macher aber nur Hannes Hegen nannte. Er war Grafiker und Bühnenzeichner aus Karlshorst. Mit den drei Kobolden erkundeten die DDR-Kinder die weite Welt, reisten sogar in die Vergangenheit (das Alte Rom, Venedig, den Wilden Westen) und die Zukunft. Am populärsten waren aber die Abenteuer im Mittelalter – zusammen mit dem hoffnungslos verpeilten Ritter Runkel. Diese Serie zog sich über 63 Hefte, von Mai 1964 bis Juni 1969 – und gilt damit als längste durchgehende Comic-Serie der Welt.
3. Der verschwundene Digedag
Ich hatte damals das Glück, dass ich von einem Nachbarn Dutzende ältere Mosaik-Ausgaben geschenkt bekam. Mein ältestes Heft ist die Nr. 8 (Dig, Dag, Digedag und die rasende Seemühle) von 1957. Ein paar Hefte später passierte aber etwas Merkwürdiges. Für rund zehn Jahre (1958 bis 1968) verschwand Digedag, der Kobold mit den roten Haaren und dem länglichen Kopf, aus den Heften. Erst mit Heft 141 kommt es zur Wiedervereinigung der Drei. Warum aber Hannes Hegen und seine Zeichner zehn Jahre lang keine Lust auf Digedag hatten, wurde nie richtig aufgeklärt.

4. Abschied von den Digedags
Genauso holterdipolter, wie Digedag verschwand und dann wieder auftauchte, kam es dann auch zum Abschied von Hannes Hegen (und damit der Digedags) vom Mosaik. Leser wie ich wunderten sich über Heft 224 (1975) – plötzlich und ohne Vorankündigung wurden die alten Ritter-Runkel-Hefte neu gedruckt. Was man heute weiß: Hannes Hegen hatte sich mit dem Verlag Junge Welt überworfen. Hegen wollte mehr Zeichner, der Verlag nur noch 20 statt bisher 24 Seiten drucken. Da Hannes Hegen die Urheberrechte hatte, war dies das Aus für die Digedags. Und eine in Auftrag gegebene, neue Serie mit den Abrafaxen, mit neuem künstlerischen Leiter (Lothar Dräger), war nicht rechtzeitig fertig geworden. Und so wurden sechs alte Hefte noch einmal gedruckt. Der nächste Crash nach einem halben Jahr: Die alte Runkel-Serie wurde mittendrin wieder abgebrochen – und die Abrafaxe starteten durch. Ließen aber erstmal verwirrte Leser zurück.

5. So kamen die Abrafaxe zu ihrem Namen
Mit Heft 1 im Januar 1976 betreten Abrax, Brabax und Califax die Comicbühnen. Sie waren etwas kindlicher als die Digedags angelegt. Der Name Abrafaxe sollte an den Zauberspruch Abrakadabra, an Spaß und Faxen erinnern. Das erste Mosaik mit den Abrafaxen hatte 20 Seiten, heute sind es 52. Jedes Heft besteht heute aus 150 Bildern, die immer noch in Handarbeit gezeichnet werden. Durchschnittlich tummeln sich 490 Figuren in jedem Mosaik.
6. Was die Abrafaxe von Mode halten – nichts
Der Kleiderschrank der Drei ist recht spärlich bestückt. Nach 15 Jahren haben sie 1991 zum ersten Mal ihre Kleidung gewechselt! Auch ihre Frisuren bleiben seit 1976 weitgehend unverändert. Ob und wann die drei Körperpflege betreiben, liegt weitgehend im Dunkeln, teilt der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag mit.





