Haben Sie es gewusst?

DDR-Märchen wieder da! Das blutige Geheimnis des Froschkönig

Ein DDR-Märchen feiert sein TV-Comeback – doch hinter dem „Froschkönig“ steckt eine düstere Geschichte, die kaum jemand kennt.

Author - Florian Thalmann
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Die Prinzessin und der Frosch im Märchen vom Froschkönig, das die DEFA in der DDR im Jahr 1988 verfilmte.
Die Prinzessin und der Frosch im Märchen vom Froschkönig, das die DEFA in der DDR im Jahr 1988 verfilmte.DEFA

Erinnern Sie sich noch an das Märchen vom Froschkönig? Jedes Kind kennt es, etliche Male wurde es verfilmt, auch kurz vor dem Ende der DDR: Im Jahr 1988 kam eine Version der Geschichte der Gebrüder Grimm in die Kinos, verfilmt von der DEFA. Jetzt ist der Film endlich wieder da, wird am Pfingstmontag im MDR gezeigt. Was viele nicht wissen: Der märchenhafte Streifen hat eine dunkle Seite. Denn er entstand an einem Drehort mit einer wirklich düsteren und ziemlich blutigen Geschichte! Wir verraten das Geheimnis des Froschkönig!

Froschkönig wurde in der DDR 1988 verfilmt

Der Film, der im Jahr 1988 entstand, ist dem Märchen „Der Froschkönig“ der Gebrüder Grimm nachempfunden. Die Story kennt jedes Kind: Die schöne Königstochter lässt beim Spielen eine goldene Kugel in den Brunnen fallen. Ein Frosch kommt ihr zu Hilfe – doch das Versprechen, sich im Gegenzug zukünftig um ihn zu kümmern, hält sie nicht. Der König nötigt sie aber dazu, schließlich muss man Versprechen halten.

Im Laufe der Geschichte wirft sie den Frosch an die Wand, wodurch er sich in einen schönen Prinzen verwandelt. Doch er verschwindet aus dem Schloss. Die Prinzessin macht sich daraufhin auf die Suche nach dem Prinzen. Wird es ihr gelingen, ihn zu finden – und können die beiden zukünftig zusammen leben?

Das erfahren die Zuschauer am Pfingstmontag um 16.55 Uhr im MDR. Dann wird das Märchen vom Froschkönig endlich wieder gezeigt – und macht kleine und große Zuschauer glücklich.

Im Märchen vom Froschkönig hilft der Frosch der schönen Prinzessin aus der Patsche, als ihre goldene Kugel in den Brunnen fällt. Nur der Auftakt für die berühmte Geschichte der Gebrüder Grimm.
Im Märchen vom Froschkönig hilft der Frosch der schönen Prinzessin aus der Patsche, als ihre goldene Kugel in den Brunnen fällt. Nur der Auftakt für die berühmte Geschichte der Gebrüder Grimm.DEFA

Was viele aber beim Blick auf das charmante Märchen nicht wissen: Der Film hat eine dunkle Seite! Viele Aufnahmen wurden in den Studios der DEFA in Babelsberg gemacht, manches aber auch unter freiem Himmel gedreht. Einer der Drehorte für die Szenen rund um den Brunnen des Froschkönigs war  der Wasenberg, ein 48,5 Meter hoher Hügel beim Dorf Mötzow im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Drehort vom DDR-Froschkönig hat eine blutige Geschichte

Nicht einfach nur ein Hügel, sondern ein Hügel mit blutiger Geschichte: Früher befand sich hier die Hinrichtungsstätte des Domkapitels von St. Peter und Paul (Brandenburg an der Havel). Es war ein Gelände, auf dem man auf gar keinen Fall landen wollte: Weil der Hügel aufgrund der Höhe von überall gut sichtbar war, wurde hier eine Hinrichtungsstätte errichtet, vom 16. bis ins 18. Jahrhundert wurden auf dem Gelände Todesurteile vollstreckt.

Im Märchen vom Froschkönig wirft die Prinzessin den Frosch an die Wand, er verwandelt sich in einen Prinzen. In der DDR wurde das Märchen der Gebrüder Grimm 1988 verfilmt.
Im Märchen vom Froschkönig wirft die Prinzessin den Frosch an die Wand, er verwandelt sich in einen Prinzen. In der DDR wurde das Märchen der Gebrüder Grimm 1988 verfilmt.DEFA

Die Aufbauten waren alles andere als märchenhaft: Ein Galgen wurde aufgebaut, an dem die Opfer aufgehängt wurden. Außerdem gab es ein sogenanntes Richtrad, eine besonders blutige und qualvolle Art der Vollstreckung von Todesurteilen.

Es handelte sich um ein übergroßes Wagenrad, mit dem den Opfern zunächst alle Knochen gebrochen wurden. Anschließend wurden die nun flexibleren Körper durch die Speichen des Rades geflochten und öffentlich ausgestellt, um Kriminelle abzuschrecken. Das sogenannte Rädern war zum Ahnden von Kapitalverbrechen wie Mord vorgesehen.

Todesrad und Scheiterhaufen am Drehort des Froschkönig

Bei Ausgrabungen fand man später auch Reste einer sogenannten Pfostengrube – dabei handelte es sich um ein tiefes Loch im Boden, in das ein Pfosten eingesetzt war. Genutzt wurden solche Einrichtungen, um den Untergrund etwa beim Aufbau eines Galgens zu stabilisieren. Forscher entdeckten außerdem Reste eines Scheiterhaufens. Diese aufgeschichteten Holzhaufen wurden zum einen zum Verbrennen von Leichen eingesetzt, aber auch zur Vollstreckung von Todesurteilen.

Auf vielen Hinrichtungsstätten gab es Räder, mit denen den Opfern die Knochen gebrochen wurden. Auch am Drehort des Froschkönig der DDR wurden zwischen 16. und 18. Jahrhundert solche Urteile vollstreckt.
Auf vielen Hinrichtungsstätten gab es Räder, mit denen den Opfern die Knochen gebrochen wurden. Auch am Drehort des Froschkönig der DDR wurden zwischen 16. und 18. Jahrhundert solche Urteile vollstreckt.Artokoloro/imago

Von der dunklen Vergangenheit ist im Film natürlich nichts zu spüren: „Der Froschkönig“ ist ein bezauberndes Märchen, das auch durch die Darsteller lebt. Schauspielerin Jana Mattukat schlüpfte für den Film in die Rolle von Prinzessin Henriette, Jens-Uwe Bogadtke spielte den Froschkönig und Peter Sodann ist in dem Film als König zu sehen.

DDR-Froschkönig lief auch in anderen Ländern

Der Film vom Froschkönig kam am 26. Juni 1988 in die DDR-Kinos, wurde später auch in anderen Ländern gezeigt – ab 1989 etwa in Polen. Auch in den USA wurde der Märchenfilm aus der DDR unter dem Titel „The Frog Prince“ vorgeführt.

Erinnern Sie sich an den Film „Der Froschkönig“ von der DEFA? Und welche Märchen aus der DDR haben Sie noch gern geschaut? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!