Beim MDR steht ein radikaler Umbruch bevor. Der Sender muss Geld einsparen und will sich gleichzeitig neu erfinden. Das bedeutet, dass alle Kult-Formate und Sendungen jetzt zittern müssen. Denn Aufrufe bestimmen jetzt, was weiter produziert wird.
Auch Florian Silbereisen muss um seine Show bangen
„Qualität vor Quantität“, heißt es nun vom MDR in seinem Entwicklungsplan für 2026 bis 2029 und in ihrem Strategieplan für 2026. Die Einsparmaßnahmen betreffen nicht nur einzelne Sparten, sondern grundsätzlich das gesamte Programm des Senders.
Auf KURIER-Anfrage sagt ein Sprecher des Senders: „Der MDR sieht sich derzeit mit gravierenden Einsparnotwendigkeiten konfrontiert. Diese betreffen alle Bereiche – Verwaltung, Immobilien, Technik und auch Programm. Selbstverständlich ist die Devise, so programmschonend wie möglich vorzugehen. Dennoch sind Auswirkungen auch auf die bisher gewohnte Programmvielfalt unvermeidbar.“
Künftig soll jedes Format danach bewertet werden, wie viele Menschen es nutzen und wie es im Gegensatz zu anderen Produktionen priorisiert wird. Heißt im Klartext: Jede Sendung, jedes Format und jede Produktion steht auf dem Prüfstand. Selbst etablierte Marken wie die Talkshow „Riverboat“, „Polizeiruf 110“ oder die Schlagershows mit Sänger Florian Silbereisen (44), die vom MDR produziert werden, sind nicht automatisch sicher.
Welche Sendungen tatsächlich gestrichen werden, hat der MDR auf KURIER-Anfrage bislang nicht verraten.

MDR will trotzdem neue Formate entwickeln
Weiter heißt es, der MDR hat ein Strategie- und Sparpaket erstellt, sodass 160 Millionen Euro in den Jahren 2025 bis 2028 eingespart werden sollen. Für 2026 kommen weitere zehn Millionen Euro hinzu, die durch eine Mittelsperre vorerst nicht ausgegeben werden sollen.
Der Grund für die radikalen Sparmaßnahmen ist der bislang noch nicht wieder erhöhte Rundfunkbeitrag.
Während manche Formate, wie der „Polizeiruf 110“ aus Halle, abgesägt werden, sollen dafür mindestens fünf neue Formate an den Start gebracht werden. Worum es sich dabei handelt, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass der Sender in der Umstrukturierung auch die Zielsetzung neu gelegt hat. Künftig heißt es „digital first“.

Im Strategieplan für 2026 steht: „Lineares Fernsehen und Radio können sich aus den ‚digital first‘ entwickelten Inhalten bedienen. Damit wird sich die Anzahl von rein linear nutzbaren Produktionen reduzieren und der Anteil an Wiederholungen im linearen Fernsehen erhöhen.“
Über die neue Online-Ausrichtung steht im Entwicklungsplan: „Es wird prognostiziert, dass die Bewegtbildnutzung im Gesamtmarkt bereits vor dem Jahr 2030 stärker nicht-linear stattfinden wird.“ Zudem will der Sender die Relevanz in jüngeren Zielgruppen stärken.
Der Dialog mit den Konsumenten soll durch interaktive Formate und andere Beteiligungsmöglichkeiten erhöht werden. Außerdem sollen mehr Kooperationen mit der ARD im Video- und Audiobreich stattfinden.
Auch bei den 113 Podcasts wird gespart. Podcasts unter 6.000 Aufrufen werden eingestellt. Dieses Prinzip lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen. Entscheidend soll dabei nicht mehr allein die Tradition einer Sendung, sondern ihre Nutzung und strategische Bedeutung sein. Mit einem neuen internen Steuerungssystem will der MDR sein gesamtes Programmportfolio durchleuchten und neu ordnen.
„Sport im Osten“ bleibt
Aber es gibt auch gute Nachrichten: So wird „Sport im Osten“ stetig weiterentwickelt, es soll mehr Fokus auf regionale Geschichten und ostdeutsche Lebensrealitäten gesetzt und eine neue Reality-Reihe für die Mediathek entwickelt werden.



