In den Kinderwagen von Zekiwa lagen in der DDR viele Kinder – doch aus dem Unternehmen, das so viele Menschen aus dem Osten kennen, gab es zuletzt nur schlechte Nachrichten. Im Februar musste Zekiwa Insolvenz anmelden, weil zu wenige Produkte des Unternehmens verkauft werden, die Kosten aber steigen. Ein Problem, unter dem viele alte DDR-Marken leiden. Doch Zekiwa gibt die Hoffnung nicht auf.
Zekiwa feierte am Wochenende Tag der offenen Tür
Erst am Wochenende gab es ein gutes Zeichen von Zekiwa: Das Unternehmen, das in der DDR Tausende Kinderwagen jedes Jahr herstellte, feierte auf dem Betriebsgelände im Gewerbegebiet Döschwitz bei Zeitz (Sachsen-Anhalt) Tag der offenen Tür. Und hier zeigte sich die Geschäftsführerin Peggy Nolze optimistisch. „Wir sind da und geben nicht auf. Wir wissen, was für ein gutes Produkt wir haben“, sagte sie gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung.
An dem Tag hätten die Mitarbeiter von Zekiwa viel Zuspruch bekommen und noch dazu den einen oder anderen Kinderwagen verkauft. Man sucht zurzeit außerdem nach einer neuen Betriebsstätte. Hoffnungen ruhen außerdem auf einem neuen Kinderwagen-Modell namens Litus, das das Unternehmen auf den Markt bringt. „Es wird in Handarbeit hergestellt. Die Wanne ist aus Korb geflochten. Hier kann man aus drei Naturtönen wählen“, sagt die Geschäftsführerin.

Und: Man setzt auch auf die Kunden, die dem Unternehmen die Treue halten. „Eine Frau kam zum Beispiel aus Leipzig und hat für ihren Enkel in Amerika einen Zeitzer Kinderwagen gekauft. So fährt jetzt ein Baby in Baltimore im Litus.“ Das brauchen die Mitarbeiter des Unternehmens, das schon in der DDR Familien mit Kinderwagen versorgte, auch – zuletzt sah es bei der in der Nähe von Zeitz angesiedelten Firma alles andere als rosig aus.
DDR-Firma Zekiwa: Umsätze sinken, Kosten steigen
Weil die Umsätze sinken, die Kosten aber steigen, ging Zekiwa im Februar in die Insolvenz. Das Problem: Der Kinderwagenhersteller ist davon abhängig, dass die Menschen viele Kinder bekommen – und leidet auch unter den geburtenschwachen Jahrgängen.
Trotz Konkurs läuft der Geschäftsbetrieb aber weiter. Nun bleibt zu hoffen, dass sich neue Investoren finden, die das Unternehmen unterstützen. Auch die Stadt Zeitz glaubt an Zekiwa. Das Unternehmen sei untrennbar mit der Stadt verbunden, hieß es nach der Insolvenz etwa von Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU).

Zekiwa war zu DDR-Zeiten der größte Hersteller für Kinderwagen, den es in Europa gab. 450.000 Kinderwagen wurden hier alljährlich hergestellt. Unglaublich: Nahezu jedes Kind im Osten von Deutschland lag in einem Kinderwagen des Unternehmens aus Zeitz. Noch heute erinnern sich viele an die tollen Stücke, die es schon damals gab. „Wir konnten stolz auf unsere Kinderwagen sein“, schreibt eine Frau in einer Facebook-Gruppe für Erinnerungen an die DDR. „Die Kinder hatten Platz, und man konnte die Kissen und Decken immer schön machen.“
DDR-Bürger erinnern sich an Zekiwa-Kinderwagen
Eine andere Mutter erinnert sich: „Meine beiden Kinder, 1977 und 1980 geboren, haben darin gelegen. Es war so ein toller Kinderwagen. Meiner war hellgrün, und ich war sehr stolz darauf.“ Eine Frau kommentiert: „Ich hatte den Wagen mit Fenster in Gelb. War eben ein Postwagen, aber sehr schön.“ Und eine andere schreibt: „Ich hatte auch einen Panorama-Kinderwagen ganz in Rot. War mächtig stolz auf ihn – 1982 für mein erstes Kind.“




