Bei „Bares für Rares“ kommt meist ganz große Kunst auf den Tisch – und jetzt sogar die ganz große Kunst aus der DDR! In der neuesten Episode der Trödel-Show rückt ein Kandidat mit einer im Erzgebirge geschnitzten Spieluhr an – echte Holzkunst aus dem Weihnachtsland. Doch findet sie bei den Händlern von „Bares für Rares“ wirklich anklang? Fans von solchen Kunstwerken aus dem Osten dürften enttäuscht sein: Wird das besondere Stück verramscht?
Spieluhr aus der DDR plötzlich bei „Bares für Rares“
Rene Ruwe aus Münster hat die Spieluhr mit in die Show gebracht – er will sie im Namen seiner Mutter verkaufen. Die passte, als sie noch jugendlich war, auf das Kind einer Bekannten auf und nutzte die Spieluhr immer, um ein Schlaflied zu spielen. Später bekam sie das tolle Stück aus dem Erzgebirge geschenkt. Nun soll es bei „Bares für Rares“ verkauft werden – aber wie viel ist die Spieluhr wert?
„Das ist handgeschnitzt, handgearbeitet und hauptsächlich gedrechselt“, sagt Experte Detlev Kümmel. Man sehe schon auf den ersten Blick, woher die Spieluhr kommt. Mit einem Auszugsknopf wird sie angeschaltet – dann läuft „Guten Abend, gute Nacht“.
„In diesem Hohlkörper befindet sich eine kleine Walzen-Spieluhr. Die läuft auf einem Kamm – und der Kamm gibt die Töne wieder“, erklärt der „Bares für Rares“-Experte. Aufgezogen wird sie mit einem kleinen Schlüssel, die Musik kann dann beliebig gestartet und gestoppt werden.

Engel von Wendt und Kühn schmücken DDR-Spieluhr
Verziert ist die Spieluhr mit den sogenannten Elf-Punkt-Engeln, für die der Hersteller Wendt und Kühn in Grünhainichen bekannt ist. Das Besondere: Bei einem der Engel ist ein Fehler passiert – er hat auf einem der Flügel statt der traditionellen elf Punkte nur zehn Stück.
Hergestellt wurde die Spieluhr natürlich in der DDR – 1955 sei das Modell im Katalog des Unternehmens zum ersten Mal erwähnt worden. Gefertigt ist die Spieluhr aus Lindenholz. Und der Zustand? „Man hat etwas Schmutz dran, aber auch etwas Alterspatina“, sagt Detlev Kümmel. „Genau so finde ich es eigentlich richtig.“

200 bis 250 Euro will die Mutter von „Bares für Rares“-Kandidat Rene Ruwe für die Spieluhr aus der DDR haben. Ist das machbar? „Die aus den 50er-Jahren kosten problemlos 400 bis 450 Euro“, sagt Kümmel. Hier stimmt er dem Wunschpreis von 200 bis 250 Euro zu. Zum Vergleich: Aktuelle Spieluhren der Firma Wendt und Kühn kosten im Netz ab 300 Euro aufwärts, teilweise liegt der Wert sogar bei mehr als 600 Euro!
Was sagen die Händler zur Spieluhr aus der DDR?
Wissen die Händler das besondere Stück aus der DDR zu schätzen? Das wird sich im Händlerraum bei „Bares für Rares“ zeigen. Daniel Meyer steigt mit 100 Euro ein. Christian Vechtel hakt ein: Solche Spieluhren gebe es noch heute in ähnlicher Form im Handel, die Preise seien sehr hoch. „Da ist Handarbeit hinter – und die muss heute anders bezahlt werden als bei so einem Vintage-Produkt.“ Weniger Geld für die Spieluhr, weil sie aus der DDR ist?
Immerhin: Der Preis steigt und steigt, bis der Wunschpreis von 250 Euro erreicht ist. Jan Čížek kauft dem „Bares für Rares“-Kandidaten die alte Spieluhr ab – und freut sich über das kleine Kunstwerk aus der DDR. Und auch der Verkäufer ist glücklich über den Preis. „Ich denke, meine Mutter wird sich freuen über das Limit, das wir uns gesetzt haben“, sagt er. Und das ist doch das Wichtigste.

Wessis warfen Holz-Schätze aus der DDR in den Müll
Immerhin hat die Spieluhr einen Abnehmer gefunden. Das ging lange auch anders: Erst im vergangenen Jahr berichtete Günter Münzberg, der in seinem Geschäft in Spandau erzgebirgische Holzschätze repariert, dass immer wieder Menschen aus dem Westen die wertvollen Geschenke der Ost-Verwandtschaft im Müll entsorgten, weil sie gar nicht wussten, was sie da in den Händen hielten. Da steht der Spieluhr aus der DDR nach dem Verkauf bei „Bares für Rares“ hoffentlich eine bessere Zukunft bevor.




