Immer mehr Objekte aus der DDR werden verkauft, verscherbelt, versteigert – nun trifft es auch eine echte Kult-Brauerei aus dem Osten. Über Jahrzehnte wurde in der Germania-Brauerei in Oschersleben in Sachsen-Anhalt Bier gebraut, doch nach der Wende endete die Geschichte des altehrwürdigen Baus. Nun wird das Objekt zwangsversteigert. Blüht der Brauerei etwa wieder eine Zukunft?
Brauerei Oschersleben steht schon lange leer
Die Brauerei in Oschersleben, die in der DDR große Erfolge feierte, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon im Jahr 1865 gab es die „Brauerei Oschersleben“. Mehrmals wechselte das Haus danach den Eigentümer, wurde unter anderem zur „Brauerei Storchshöhe“, zur „Vereinbrauerei Storchshöhe“ und zur Brauerei „Gero-Bräu Arthur Osenberg“. Den Namen „Germania-Brauerei“ bekam das Werk in den 20er-Jahren nach der Übernahme durch Geschäftsmann Walter Görtz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei in Oschersleben verstaatlicht, produzierte als VEB Brauerei Oschersleben weiter. Und brachte im Jahr 1967 das erfolgreichste Produkt in der Geschichte des Unternehmens auf den Markt: Das „Gambrinus“ blieb bis zum Ende der DDR ein echter Hit.
Laut einem Bericht der „Volksstimme“ machte das Bier 83 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Heute ist nicht mehr viel über das Bier zu finden – auch im Depot des DDR-Museums Berlin sind nur alte Bierdeckel aus der Brauerei Oschersleben zu finden.

Der Grund: Die Geschichte der Kult-Brauerei endete nach der Wende. Mit dem Ende der DDR versuchte man, das Unternehmen zu privatisieren. Doch der Plan scheiterte. Zwar wurde die Brauerei im Jahr 1990 wieder in Germania-Brauerei umbenannt, doch auch das konnte sie nicht retten. Die Schließung war auch bitter für viele Mitarbeiter: Nach dem Aus im Jahr 1995 verloren alle ihre Arbeitsplätze.
Seitdem steht das Gebäude leer und verfällt nach und nach. Fotos aus dem Inneren zeigen, wie sehr die Infrastruktur inzwischen gelitten hat. Aus dem einstigen Brauerei-Stolz von Oschersleben ist ein echter „Lost Place“ geworden, der heute vor allem von Abenteurern erkundet wird.
Im Inneren sind noch Relikte aus der DDR zu finden
Noch heute sind im Inneren viele Relikte aus der damaligen Zeit zu finden. Die Braukessel stehen noch – und Fotos zeigen, dass weitere Relikte aus der damaligen Zeit erhalten geblieben sind. An einem Kleiderhaken hängt noch die Jacke eines Arbeiters, auf einem Schild stehen Anweisungen zur Malzlagerung. „Sauberkeit der Lagerräume, Malz vor Feuchtigkeit schützen. Kampf gegen Ungeziefer jeder Art, besonders auf Kornkäfer achten“, heißt es dort.

Doch hinter dem Gebäudekomplex, in dem zu DDR-Zeiten das beliebte Bier gebraut wurde, liegen auch schwere Zeiten. Nach der Wende fiel er etwa Brandstiftern zum Opfer. Im Juni 2018 standen etwa Teile einer Zwischendecke in der obersten Etage der Brauerei in Flammen.
„Der Brand wurde von unbekannten Tätern gelegt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen“, hieß es damals von der Polizei. Wenn sich ein Besitzer findet, muss auch viel Schutt entsorgt werden.
Brauerei-Ruine aus der DDR soll einen Euro kosten
Denn das soll im Oktober passieren: Am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, kommt das Gebäude unter den Hammer. „Es handelt sich um das Gelände der ehemaligen Germania-Brauerei mit diversen Gebäuden wie Sudhaus, Kesselhaus und Lagerhallen“, heißt es in der Beschreibung des Objektes. „Zum Objekt gehören mehrere Flurstücke, die teils als Industriegebiet, Grünfläche oder Verkehrsfläche ausgewiesen sind.“ Die gesamte Größe des Grundstücks beträgt demnach 11.396 Quadratmeter.




