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Wegner erntet Spott und Häme für seinen Streusalz-Appell

Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) hatte auf der Plattform X eine schnelle Gesetzesänderung zum Einsatz von Streusalz gefordert.

Author - Stefan Doerr
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Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) bittet um Streusalz.
Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) bittet um Streusalz.Bernd von Jutrczenka/dpa

Teils spiegelglatte Gehwege sind in Berlin seit Tagen ein Ärgernis, Dutzende Verletzte werden nach Stürzen in Kliniken behandelt. Regierungschef Kai Wegner (CDU) will Abhilfe schaffen, doch sein Vorstoß für mehr Sicherheit sorgt im Netz für Spott.

Wegner fordert Streusalz-Erlaubnis

Am Donnerstagmittag, 29. Januar, forderte Wegner auf der Plattform X vom Landesparlament eine schnelle Gesetzesänderung, um den Einsatz von Streusalz auf eisglatten Gehwegen zu erlauben. Der Appell entwickelte sich binnen Stunden zum viralen Treffer. Rund eine Million Mal wurde der Beitrag bis Freitagmorgen angezeigt – ein Wert, den der Regierungschef sonst kaum erreicht. Selbst während des großflächigen Stromausfalls im Berliner Südwesten Anfang des Monats kam Wegners meistgesehener Post nur auf knapp 580.000 Aufrufe.

Polizisten helfen einem Fahrradfahrer, der bei Glatteis ausgerutscht ist.
Polizisten helfen einem Fahrradfahrer, der bei Glatteis ausgerutscht ist.Britta Pedersen/dpa

Extremwetter in Berlin oder schlicht Winter?

„Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen – mit Eisregen und anhaltendem Frost. Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus, den Einsatz von Tausalz in Berlin in Ausnahmen möglich zu machen“, schrieb Wegner. „Wir müssen die gefährliche Lage auf Gehwegen, Treppen und Straßen entschärfen. Es ist unsere Pflicht, dass die Menschen auch im Winter gut und sicher durch die Stadt kommen.“

Doch statt als Vorreiter für sichere Gehwege in Berlin gefeiert zu werden, stößt Wegner in vielen Reaktionen auf Hohn und Unverständnis. Der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Kubicki schrieb: „Ein Regierungschef, der über X um Mehrheiten für Selbstverständlichkeiten bettelt, ist politisch am Ende“.

„Jeder Hausmeister hat mehr zu sagen“ als Wegner

Und auch aus den eigenen Parteireihen wird gestichelt. Wegners CDU-Parteikollege Armin Laschet amüsierte sich auf X darüber, dass sich selbst Grünen-Politiker aus Baden-Württemberg über Berlin lustig machten. „Und nein, es ist keine überraschende Wetterkrise: Man nennt es Winter“, postete er.

Der Kolumnist Jan Fleischhauer legte nach: Regierender Bürgermeister von Berlin zu sein bedeute offenbar, selbst um die Freigabe von Streusalz „betteln“ zu müssen – „jeder Hausmeister“ habe „mehr zu sagen“, schrieb Fleischhauer. Wer diesen Posten haben wolle, sei wohl „wirklich mit seinem Latein am Ende“. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch fragt sich sogar, ob Wegners Profil „ein Fake-Account, Satire oder gehackt“ sei.

Auch Parteikollege Armin Laschet (CDU) witzelte über Wegner.
Auch Parteikollege Armin Laschet (CDU) witzelte über Wegner.Thomas Banneyer/dpa

Neues Gesetz käme erst im Frühjahr

Der Journalist Christian Latz hingegen weist darauf hin, dass Wegner einen entscheidenden Punkt unerwähnt gelassen habe: „Selbst wenn sich das Abgeordnetenhaus heute mit der Änderung des Straßenreinigungsgesetzes in erster Lesung befasst hätte, wäre ein Beschluss zur Lockerung des Streusalz-Verbots frühestens bei der nächsten Sitzung am 12. Februar möglich gewesen.“

Streusalz in Berlin zum Umweltschutz verboten

Anders als zum Beispiel in Hamburg darf in Berlin auf Geh- und Radwegen aus Umweltgründen kein Streusalz verwendet werden. Erlaubt sind etwa Split und Sand. Ein Antrag der CDU-Fraktion zur Änderung dieser Regel liegt schon einige Zeit auf dem Tisch. Der Koalitionspartner SPD hat aber Bedenken.

Wegner stand erst vor wenigen Wochen wegen des Krisenmanagements während des Stromausfalls in den Schlagzeilen. Er geriet unter Druck, weil er am ersten Tag des größten Blackouts der Berliner Nachkriegsgeschichte eine Stunde lang Tennis gespielt, dies aber zunächst nicht offen gesagt hatte.

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