Blackout in Berlin

Junge Mutter nach Stromausfall: Statt Taschenlampen gab es nur noch Grabkerzen

Durch den Stromausfall im Südwesten Berlins leiden Tausende Menschen. Eine junge Mutter erzählt ihre Geschichte.

Author - Sebastian Karkos
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Yasmin Kurtoglu wärmt sich mit ihrem jüngsten Sohn Yavuz (3) im Rathaus Zehlendorf auf.
Yasmin Kurtoglu wärmt sich mit ihrem jüngsten Sohn Yavuz (3) im Rathaus Zehlendorf auf.Sebastian Karkos

Ein Bezirk im Ausnahmezustand. Seit Sonnabend sind Zehntausende Haushalte, aber auch Läden und Unternehmen vom Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf betroffen. Das Rathaus Zehlendorf ist mittlerweile eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene. Hier können Bürger ihre Handys aufladen, etwas essen und bei Bedarf sogar übernachten: Feldbetten stehen bereit. Der KURIER schaute sich Montagvormittag dort um und traf Yasmin Kurtoglu (38).

Die vierfache Mutter ist mit drei ihrer vier Kinder ins Rathaus gekommen, um die Handys zu laden. Dass sie drei Tage ohne Strom auskommen muss, hätte sie am Samstagmorgen nicht für möglich gehalten. „Ich bin Samstag aufgewacht, der Kleine musste auf die Toilette. Er ist hochgegangen und meinte: Das Licht geht nicht. Ich dachte, die Sicherung ist rausgesprungen“, erzählt sie. Doch schnell wurde klar: Es ist ein großflächiger Ausfall.

„Samstag hieß es noch, so gegen 18.30 Uhr funktioniert alles wieder. Aber gegen 17 Uhr kam meine Tante und meinte: Yasmin, ich habe gehört, es soll bis Donnerstag anhalten. Ich habe die Kinder angeguckt, das Haus war dunkel. Wir hatten eine Kerze. Und ich meinte: Wir fahren jetzt schnell Kerzen kaufen.“

Doch die Läden meldeten: ausverkauft! Auch Taschenlampen waren nicht mehr zu bekommen. „Wir haben überall nachgefragt, es gab nichts mehr. Außer bei Woolworth: Grabkerzen, die habe ich gekauft. Das ist nicht sehr schön, weil die nicht wirklich etwas zu Hause bringen.“

Menschen bieten im Rathaus Zehlendorf Betroffenen auf eine Tafel ihre Hilfe an.
Menschen bieten im Rathaus Zehlendorf Betroffenen auf eine Tafel ihre Hilfe an.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Sonntagvormittag suchte die Familie Zuflucht bei McDonald’s an der Clayallee. Wie viele andere auch. „Es war sehr voll. Wir wollten unsere Handys laden, und ich dachte mir, da gibt es halt auch was zum Essen. Wir waren fast vier Stunden da.“ Den restlichen stromfreien Sonntag verbrachten die Familie folgendermaßen: „Wir haben Topfschlagen gespielt, einen Schneemann gebaut. Dann hat es leider geregnet.“

Die vierfache Mutter hat Angst vor der nächsten kalten Nacht

Die Nacht im frostigen Zuhause von Sonntag auf Montag war für Yasmin schlimm: „Die Hölle. Und jetzt habe ich richtig Angst vor der nächsten, weil es noch mal kälter wird. Wenn wir jetzt gleich unsere Handys geladen haben, gehen wir einkaufen, hoffentlich gibt es da noch Decken. Ich will Decken kaufen. Viele, viele Decken. Ist mir egal, was für Decken. Es ist einfach zu kalt.“

Die Feldbetten im Rathaus sind nicht jedermanns Sache, aber für den Notfall wichtig.
Die Feldbetten im Rathaus sind nicht jedermanns Sache, aber für den Notfall wichtig.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Die Schlafplätze im Rathaus kommen für sie nicht infrage. „Ich habe mir die Unterkunft hier mal angeguckt. Schrecklich. Vielleicht geht es mir nicht schlecht genug, kann sein. Da stehen Feldbetten nebeneinander. Da würde ich mit meinen Kindern nie hingehen. Alleine wäre es mir egal. Aber mit den Kindern, das geht gar nicht. Auch Ältere können das nicht. Meine Mutter könnte niemals auf sowas liegen.“

Mit dem Krisenmanagement ist sie überhaupt nicht zufrieden. „Es heißt immer: In Medien steht etwas, aber wir können nicht ins Internet, wir können nicht telefonieren. Wie sollen wir jetzt ins Internet gehen? Mich ärgert, dass ein Plan B fehlt. Mein Sohn sagte mir, die Bundeswehr soll jetzt in jedem Haushalt einmal klopfen und fragen, ob irgendwas benötigt wird. Ich finde das gut, aber bei uns hat keiner geklopft.“

Donnerstag soll der Strom wieder fließen. Bis dahin heißt es durchhalten. Yasmin Kurtoglu: „Man freut sich über jeden Tag, den man geschafft hat, dass er vorbei ist, und man näher an den Donnerstag rankommt.“

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