Ein Stromausfall ist kein Einladungsschreiben – und schon gar kein Freibrief. Wer in der vergangenen Nacht während des Blackouts in Berlin in eine Aldi-Filiale einbrach, um sich zu bedienen, zeigt nichts als Erbärmlichkeit. Das ist keine Notwehr, keine Rebellion, kein „Systemkritik“-Moment. Das ist schlichtes Ausnutzen einer Lage, in der andere frieren, bangen, nicht schlafen können.
Unwürdig gegenüber den Schwächsten
Aber diese Nacht zeigt noch etwas Zweites, mindestens genauso Bitteres: Es ist genauso unwürdig, alten Menschen, Kranken, Kindern – letztlich allen – den Strom zu kappen und das auch noch für eine „gute Tat“ zu halten. Wer Infrastruktur sabotiert, trifft nicht „das System“. Er trifft Dialysegeräte, Aufzüge, Heizungen, Kühlschränke, Pflegekräfte, Familien. Er trifft Menschen.

Das ist zutiefst unmoralisch
Die Aktionen der sogenannten Vulkangruppe folgen dabei demselben fatalen Denkfehler wie der Einbruch. Zerstörung wird zur Moral verklärt. Doch Dinge kaputt zu machen war noch nie die Lösung. Es erzeugt kein Umdenken, sondern Leid. Es spart kein CO2, sondern kostet Geld, Zeit, Vertrauen – und am Ende noch mehr Ressourcen, um den Schaden zu reparieren.


