Nach dem massiven Stromausfall im Südwesten der Stadt arbeiten die Techniker von Stromnetz Berlin GmbH rund um die Uhr an der Wiederherstellung der Versorgung. Doch trotz Hochdruck-Einsatz wird es sehr wahrscheinlich noch bis Donnerstag dauern, bis alle Haushalte wieder Strom haben. Das erklärte der Unternehmenssprecher Henrik Beuster im exklusiven Interview mit dem Berliner KURIER.
Zwei Wege zurück zum Strom
Der Netzbetreiber verfolgt derzeit eine Doppelstrategie. „Wir fahren zweigleisig“, sagt Beuster. Zum einen werden die bei dem Brandanschlag beschädigten Kabel an der Brücke repariert. Parallel dazu wird ein sogenanntes Provisorium aufgebaut, um den Strom über eine neue Verbindung umzuleiten.
Zwei Umspannwerke sind momentan nicht versorgt. Um sie wieder anzubinden, müssen neue Verbindungen aus bestehenden Leitungen hergestellt werden. „Das ist technisch sehr aufwendig“, erklärt Beuster.

Nach aktuellem Stand rechnet Stromnetz Berlin damit, dass die Stromversorgung erst bis Donnerstagnachmittag vollständig wiederhergestellt ist. Zwar laufen die Arbeiten unter Hochdruck, doch ein früherer Abschluss gilt als sehr unwahrscheinlich.
„Hoffnung kann man immer haben“, sagt Unternehmenssprecher Henrik Beuster. Sollten die Reparaturen wider Erwarten schneller abgeschlossen werden können, „sind am Ende alle glücklicher“.
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen haben wieder Strom
Immerhin gibt es weitere Fortschritte. Rund 15.000 Haushalte haben bereits wieder Strom. Außerdem sind im betroffenen Gebiet alle Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen inzwischen wieder mit Strom versorgt.

Die große Frage ist: Warum konnte der Anschlag überhaupt so großen Schaden anrichten? Laut Beuster war die betroffene Kabelbrücke grundsätzlich gesichert – allerdings nur im Rahmen der üblichen Möglichkeiten. „Man sieht die Kabel von außen sehr deutlich. Wenn jemand mit krimineller Energie vorgeht, reicht das leider aus.“
Warum weitere Anschläge nicht ausgeschlossen sind
Ist Berlins Stromnetz also unsicher? Beuster räumt ein: „Es gibt solche offenen Stellen in jedem Stromnetz.“ Absolute Sicherheit sei nicht möglich. Nach früheren Vorfällen – etwa in Köpenick – habe man die Sicherheitsvorkehrungen erhöht und besonders gefährdete Punkte im Netz verstärkt im Blick.
Die beschädigte Kabelkonstruktion stammt aus einer Zeit, in der Stromnetze anders geplant und gebaut wurden. „So würde man das heute nicht mehr bauen“, sagt Beuster. Heute setze man auf andere Lösungen, um solche oberirdischen Konstruktionen wie Kabelbrücken möglichst zu vermeiden. Der Ersatz solcher alten Bauwerke sei jedoch ein sehr großes, langfristiges Projekt, das nicht kurzfristig umgesetzt werden könne. „Das ersetzt man nicht in vier Monaten.“




