DDR-Klinik

Geheime Honecker-Klinik: Regierungskrankenhaus der DDR vor dem Verkauf

Am Rande der Stadt steht das Krankenhaus, das einst für die DDR-Elite errichtet wurde und seit 2007 verfällt. Jetzt wird ein Verkauf der Klinik geprüft.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Auch im nahe gelegenen Stasi-Krankenhaus in Berlin- Buch tummeln sich heute Abenteurer und Lost-Place-Touristen.
Auch im nahe gelegenen Stasi-Krankenhaus in Berlin- Buch tummeln sich heute Abenteurer und Lost-Place-Touristen.Jürgen Ritter/imago

Diese Klinik im Norden Berlins, im Pankower Ortsteil Buch, sie zieht noch heute Neugierige an. In der DDR war das Areal streng abgeschirmt. Heute haben Abenteurer Löcher in den Zaun, der das ehemalige DDR-Regierungskrankenhaus umgibt, geschnitten. Graffiti und Scherben säumen den Platz, in den Ritzen auf dem Vorplatz wuchert Gestrüpp.

DDR-Medizinstandort soll verkauft werden

Seit 2007 wird hier niemand mehr behandelt, die gekachelten OP-Räume sind verwaist und ausgeweidet. Der Komplex, der in der DDR geheim und abgeschirmt, zugänglich nur für die Polit-Promis war, vergammelt. Jetzt prüft Berlin den Verkauf des Lost Place, berichtet die Bild-Zeitung. Denn die Sicherung des großen Areals verschlingt Unsummen.

Das Krankenhaus in Buch, auf halben Weg vom Machtzentrum Pankow nach Wandlitz, war in der DDR berühmt-berüchtigt. Gleich zwei Top-Secret-Einrichtungen befanden sich hier im Wald. Neben dem geheim gehaltenen MfS-Krankenhaus in Berlin-Buch befand sich das Regierungskrankenhaus für SED-Größen, direkt an der Kreuzung Wiltberg-straße/Hobrechtsfelder Chaussee.

Ein OP-Raum im Medizin-Komplex in Berlin-Buch. DDR-Regierungskrankenhaus und Stasi-Krankenhaus bilden den geheimsten medizinischen Komplex der DDR.
Ein OP-Raum im Medizin-Komplex in Berlin-Buch. DDR-Regierungskrankenhaus und Stasi-Krankenhaus bilden den geheimsten medizinischen Komplex der DDR.Guido Koppes Photo/imago

1980 wurde die Klinik des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Buch eröffnet. Behandelt wurden hier die Mitarbeiter der Staatssicherheit, ab einem höheren Dienstgrad auch deren Angehörige sowie verdiente ehemalige Angehörige der Geheimpolizei. 300 Betten standen für die Patienten bereit, die wurden von 650 Mitarbeitern betreut. Nur für dieses Krankenhaus standen allein zehn Krankenwagen zur Verfügung.

Ehemaliges SED-Regierungskrankenhaus in Berlin-Buch. Wenn Honecker da war, stand das ganze Haus Kopf.
Ehemaliges SED-Regierungskrankenhaus in Berlin-Buch. Wenn Honecker da war, stand das ganze Haus Kopf.imago/Detlev Konnerth

SED-Regierungskrankenhaus

1976 eröffnete in Buch das DDR-Regierungskrankenhaus, es zog von Berlin-Mitte an den Stadtrand und galt als medizinisches Spitzenzentrum, das ausschließlich der Staatsführung um Erich Honecker, Diplomaten und ausgewählten Funktionären vorbehalten war. Dass die Ärzte hier in harter D-Mark bezahlt wurden, war wohl ein Gerücht. Fürstlich entlohnt dürften sie aber dennoch gewesen sein, auch die Arbeitsbedingungen waren exquisit.

Einer von extrem raren Computertomografen in der DDR

Während es in der DDR oft an Medikamenten und Technik fehlte, war die Eliteklinik komplett ausgestattet, teils mit Material aus dem Westen. Ab Mitte der 1980er-Jahre stand hier etwa einer von nur extrem seltenen Computertomografen in der ganzen der DDR. Ein modernes Siemens-Fabrikat. Normale DDR-Bürger warteten auf einen CT-Termin Jahre. Für die Politprominenz in Buch ging es schneller.

Kardiologe Dr. Uwe Jens Jürgensen erinnert sich im MDR-Interview: „Wir hatten immer die modernsten Geräte.“ Auch die Versorgung mit Medikamenten verlief reibungslos. Uwe Jens Jürgensen: „Wir hatten keine Probleme mit Arzneimitteln, wie zum Beispiel ein Kreisarzt, der ein bestimmtes Antibiotikum benötigte. Wenn wir etwas brauchten, sagten wir es unserer Hausapotheke. Die schickte einen Stasi-Mann mit der Aktentasche nach West-Berlin. Und dann war das Medikament in zwei Stunden bei uns.“

Der frühere DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker verlässt Deutschland und fliegt am 13. Januar 1993 zu Frau und Tochter nach Chile.
Der frühere DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker verlässt Deutschland und fliegt am 13. Januar 1993 zu Frau und Tochter nach Chile.dpa

Erich Honecker und weitere Spitzenpolitiker der DDR genossen in der vom Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ streng bewachten Klink hotelähnlichen Komfort: 85 Zimmer mit Telefon und TV, Schwimmhalle, Entbindungsstation. Unterhalb des Komplexes befand sich ein Atombunker mit OP-Sälen, der im Ernstfall das Überleben nach einem Atomschlag gesichert hätte. Hochqualifiziertes Personal kümmerte sich um die Patienten, 58 Ärzte und 115 Pflegekräfte waren angestellt.

Honeckers Krebserkrankung wurde ihm verschwiegen

Noch 1989 wurde Erich Honecker in der Klink an der Gallenblase operiert. Wobei die Ärzte ihm einen gefundenen Tumor verschwiegen.

Nach der Wende verlor die Klinik ihre Sonderrolle: Ab 1990 war das Krankenhaus kurzzeitig für normale Patienten geöffnet. Im Frühjahr 1990, war die Zeit des „Regierungskrankenhauses“ endgültig abgelaufen – es wurde nach einem Beschluss der Volkskammer dem städtischen Klinikum Berlin-Buch angegliedert. 2007 wurde es endgültig geschlossen.

Schwimmbad im ehemaligen Stasi-Krankenhaus in Berlin-Buch.
Schwimmbad im ehemaligen Stasi-Krankenhaus in Berlin-Buch.Guido Koppes Photo/imago

Akten-Skandal in der Stasi-Klinik

2019 geriet die Liegenschaft noch einmal in die Schlagzeilen, als nach einer Recherche des KURIER und der Berliner Zeitung bekannt wurde, dass Tausende Patientenakten auf dem Gelände des Stasi-Krankenhauses gefunden wurden. In einem stillgelegten Gebäude des Hauses in der Hobrechtsfelder Chaussee fanden Reporter Patientenakten, die bis in die 1960er-Jahre zurückreichten, komplett mit Namen, Geburtsdaten, Diagnosen, Angaben zu Operationen und die Namen der zuständigen Ärzte.

Kriegsopfer wurden amputiert

In den Akten konnte man beispielsweise lesen, dass eine Lehrkraft der Humboldt-Universität im November 1978 wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert wurde. Ab Mitte 1978 tauchten in den OP-Büchern vermehrt Patienten mit Schuss- und Minenverletzungen auf, mit afrikanischen und portugiesischen Namen, wohl Bürgerkriegs- und Freiheitskämpfer aus Angola, Mosambik und Namibia, die die DDR unterstützte. So musste Nestor K. ein Bein amputiert werden, Jonas Sch. wurden Granatsplitter entfernt.

Mittlerweile wurden die Akten geborgen, doch seitdem sorgen Leerstand, Vandalismus und hohe Sicherungskosten für Probleme. Die Liegenschaft gehört heute dem Land Berlin und wird von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet.

Abriss oder Sanierung würden jeweils Millionen verschlingen, was Berlin sich nicht leisten kann. Seit ein neues Planungsrecht eine neue gewerbliche Nachnutzung vorsieht, kommt auch der Verkauf wieder in Betracht.

Gab es auch in der DDR ein Krankenhaus für Eliten?

In der Bundesrepublik gab es kein eigenes, exklusives Regierungskrankenhaus, das nur für Kanzler, Minister oder hohe Beamte vorgesehen war. Stattdessen wurden Regierungsmitglieder in normalen, zivilen Krankenhäusern behandelt, meist in Universitätskliniken oder spezialisierten Fachkliniken – aber ohne abgeschottete Sonderstrukturen wie in der DDR.

Wohngebiet soll in Buch „Am Sandhaus“ entstehen

Das Gebiet Buch – Am Sandhaus liegt in einem neuen Entwicklungsgebiet. Entlang der Straße Am Sandhaus und auf der Fläche des ehemaligen Krankenhauses der Staatssicherheit soll ein neues attraktives Wohnquartier entstehen.

Das Regierungskrankenhaus der DDR war auch als Standort für ein Landesrechenzentrum für Berlin im Gespräch. Wenn sich Berlin für den Verkauf entscheidet,  soll der Gebäudekomplex auf einschlägigen Portalen angeboten werden, so Bild.

Haben Sie in der DDR vom Regierungskrankenhaus gehört? Was soll mit dem Gelände geschehen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com