Ein möglicher Spionagefall ist aufgeflogen. Und das in Berlin. Eine deutsch-ukrainische Frau soll für einen russischen Geheimdienst spioniert haben. Wie die Generalbundesanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, nahmen BKA-Beamte die mutmaßliche Agentin Ilona W. fest. Gleichzeitig durchsuchten Ermittler ihre Wohnung.
Der Vorwurf: Die 49-Jährige soll spätestens seit November 2023 enge Kontakte zur Russischen Botschaft in Berlin gehabt haben.
Und zwar zu einem Mann, der nach Erkenntnissen der Ermittler für einen russischen Geheimdienst arbeitet. Für ihn soll sie Informationen geliefert haben, die den Krieg Russlands gegen die Ukraine betreffen.
Die Spionin hatte Kontakt zum Verteidigungsministerium
Besonders heikel: Ilona W. soll Hintergrundinfos über Teilnehmer hochrangiger politischer Veranstaltungen gesammelt haben. Außerdem habe sie „Erkundigungen über Standorte der Rüstungsindustrie, Drohnentests und geplante Drohnenlieferungen an die Ukraine“ eingeholt – teils sogar bei ehemaligen Mitarbeitern aus dem Verteidigungsministerium. Jetzt wird sie dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt, der über die Untersuchungshaft entscheidet.

Doch die mutmaßliche Agentin ist offenbar nur Teil eines größeren Netzwerks. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur geraten auch zwei ehemalige Bundeswehr-Angehörige ins Visier der Ermittler: Ein gerade pensionierter Stabsoffizier und ein früherer Beamter des höheren Dienstes. Beide sollen dienstliche Informationen weitergegeben haben. Ob bewusst oder fahrlässig, ist noch offen.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57/SPD): „Wenn sich die Vorwürfe erhärten, dann haben wir es mit einem besonders schweren Fall geheimdienstlicher Agententätigkeit zu tun, der einmal mehr bestätigt: Deutschland steht weiterhin im Visier des russischen Geheimdienstes.“
Weitere Festnahmen: In Brandenburg schnappten Ermittler zwei mutmaßliche Unterstützer prorussischer Gruppierungen. Suren A. (russischer Staatsbürger) und Falko H. (Deutscher) sollen laut Bundesanwaltschaft den sogenannten „Volksrepubliken Donezk und Lugansk“ geholfen haben.




