KURIER kennt die Zahlen

So viele Berliner starben 2025 einsam

Wenn Menschen vom Bezirksamt bestattet werden müssen, findet die Trauerfeier ohne Angehörige statt. Ein Ausnahmefall ist es in der Hauptstadt nicht.

Author - Sebastian Karkos
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191 Verstorbene, 191 Kerzen - so wurde Sonntag in Kreuzberg denen gedacht, die 2025 ohne Angehörige verstarben.
191 Verstorbene, 191 Kerzen - so wurde Sonntag in Kreuzberg denen gedacht, die 2025 ohne Angehörige verstarben.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

Wenn sich niemand um eine Beerdigung kümmert, übernimmt in Berlin das Bezirksamt. Und das ist keineswegs ein Ausnahmefall. Sonntag richtete das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine Gedenkfeier für die Menschen aus, die einsam starben und am Ende niemanden hatten, der sie auf ihrem letzten Weg begleitete.

191 waren es 2025 im flächenmäßig kleinsten Bezirk der Hauptstadt. Die Bestattungen erfolgen in der Regel ohne Trauerfeier und in einem anonymen Grab.

In ganz Berlin waren es im vergangenen Jahr 2971 Menschen, die keine Angehörigen hatten, die sich um die Beerdigung kümmern konnten oder wollten. Der KURIER hat alle Zahlen zusammen gesammelt. An der Spitze liegt Mitte mit 376 Fällen, die wenigsten vermeldet Spandau mit 134. Hier die gesamte Statistik:

Das sind die ordnungsbehördlichen Bestattungen in Berlin 2025
Das sind die ordnungsbehördlichen Bestattungen in Berlin 2025Quelle: Bezirksämter. Grafik: Copilot

2971 Tote mit 2971 Schicksalen. Am Sonntag wurden auf der Trauerfeier die Namen aller Verstorbenen einzeln genannt, für jeden eine Kerze entzündet.

2024 starben 37 685 Menschen in der Hauptstadt

Die sogenannten „ordnungsbehördlichen Bestattungen“ werden immer dann veranlasst, wenn sich keine bestattungspflichtigen Angehörigen um die Bestattung kümmern und somit ihrer Bestattungspflicht nicht nachkommen, also auch keinen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten stellen.
In Berlin wurden laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2023 (neuere Daten liegen noch nicht vor) 49 466 Menschen beigesetzt. 2024 (für 2025 liegen die Daten erst im Sommer vor) starben insgesamt 37 685 Menschen in der Hauptstadt.

Rund 40 Besucher waren Sonntag in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg dabei.
Rund 40 Besucher waren Sonntag in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg dabei.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

Ordnungsbehördliche Bestattungen sind also nicht selten. Die Kosten  belaufen sich auf etwa 1300 bis 1800 Euro pro Beisetzung. Für Menschen mit wenig Geld eine enorme Summe. Laut dem Sozialbericht 2025 sind 20 Prozent der Menschen in der Hauptstadt armutsgefährdet.

Bezirke können sich Bestattungskosten zurückholen

Nicht ausgeschlossen, dass die Bezirke nach den Bestattungen die Summe zurückerhalten. Denn wenn Angehörige des Verstorbenen erst nachträglich ermittelt werden, müssen diese die Kosten der Bestattung übernehmen – nachträglich.

Etwa 40 Besucher versammelten sich am Sonntag in der Kreuzberger Heilig‑Kreuz‑Kirche. Ein stilles Publikum für die Vergessenen dieser Stadt. Nach der Trauerfeier legte ein Großteil von ihnen Stein und Feder auf den Altar. Ein Stein als Zeichen für das Unvergängliche, eine Feder als Symbol für die Seele der Verstorbenen.

Bezirks-Bürgermeisterin Clara Herrmann entzündet eine Kerze für den Verstorbenen Wolfgang Peter Asmussen.
Bezirks-Bürgermeisterin Clara Herrmann entzündet eine Kerze für den Verstorbenen Wolfgang Peter Asmussen.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

Auch in Spandau gibt es einen letzten Gruß für jene ohne Angehörige: Am 25. Januar (17 Uhr) wird in der St.-Nikolai-Kirche der 134 Toten gedacht.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Würden Sie auch an einer Gedenkfeier für Verstorbene ohne Angehörige teilnehmen?
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leser-bk@berlinerverlag.com